Tori Amos hat sich schon so manches Album geleistet, bei dem die Kritiken nicht immer wohlwollend waren. Umso erstaunter war ich, als mir dieses Mal das Echo im Vorfeld wesentlich positiver vorkam. Zwar kann ich nicht verstehen, warum "Scarlet's Walk" oder "The Beekeeper" zu abwechslungsarm sein sollen (beide haben sogar mehr als eine handvoll Stücke, denen ich durchaus fünf Sterne geben würde), aber dass ihr Debüt-Werk, "Little Earthquakes", sowie der Nachfolger "Under the Pink" eine Klasse darüber lagen, war auch meine Meinung.
2007 kam "Amercian Doll Posse" und wurde auf einer großen deutschen Plattenbewertungsseite, deren Meinung meiner häufig nicht unähnlich ist, ob seiner Überfülle abgestraft. Da ich mir jenes Album aber bereits vorher angehört hatte und mich mehrere Stücke sehr positiv überrascht hatten, fiel mein Urteil anders aus.
So war ich denn auch nicht überrascht, als "Abnormally Attreacted to Sin" ebenfalls dort schlecht bewertet wurde - offensichtlich gehörte Mrs. Amos dort nicht zu den beliebtesten Künstlern, dachte ich.
Doch - und damit werde ich mir im Folgenden vermutlich auch kritische Meinungen anderer Amazon-Nutzer (siehe andere Bewertungen des Albums) zuziehen - dieses Mal muss ich der Seite absolut recht geben:
Meiner Meinung nach klang Tori Amos nie langweiliger, beliebiger, glatt produzierter und gekünstelter als auf diesem Album. "Welcome to England" kannte ich schon vorher, doch anders als bei "Big Wheel", dem vorher bekannten Stück des Vorgängeralbums, war ich seltsam unbeeindruckt. Das sollte die neue Tori sein? Ziemlich ... uninspiriert runtergenudelt. Doch es kam schlimmer, stellte ich fest, nachdem ich das komplette Album durchgehört hatte: Dieses Stück ist gerade noch eines der herausstehenden aus einem großen Topf vieler Stücke. Zunächst bleibt nichts wirklich hängen - das ist mir bei Tori Amos noch nie passiert. Zum Glück kristallisieren sich nach einigen Durchläufen doch einige Stücke heraus:
"Give" ist nett düster und man denkt sich wirklich zunächst, dass es doch recht gut anfängt, "Welcome to England" nett melancholisch, "Fire to your Plain" ist das Stück, was mich am meisten begeistern kann, "That Guy", hat ein wirklich nettes Arrangement und "Ophelia" hat einen netten Aufbau (ist aber nicht Kate Bush, wie von Amazon dargestellt). Und dann gibt es noch "Police Me" - ja, davon hätte ich gerne mehr gehabt! Man merkt schon: Alles nett, nichts überragend, zumindest für mich.
Ein anderer Rezensent schrieb, der Opener führe noch etwas in die Irre. Das stimmt! Ginge das Album so weiter, wie von "Give" angedeutet, wäre ich wahrscheinlich begeisterter gewesen, als von allen ihren Veröffentlichungen seit "Under the Pink". Leider bleibt's danach nicht düster, sondern wird blass. Das Album ist dabei jedoch nicht schlecht, sondern einfach nur leb- oder lieblos.
Meiner Meinung nach gehört zum Abwechslungsreichtum nicht nur, mit möglichst vielen Instrumenten umgehen zu können - da würde dieses Album vor "Scarlet's Walk" und "The Beekeeper" punkten - sondern auch musikalische Abwechslung, sowohl in der Melodieführung, als auch in den unterschiedlichen Stimmungen der einzelnen Stücke - und da sind eben genannte Werke diesem hier klar überlegen.
Fazit: Die ersten beiden Alben von Tori Amos sind uneerreicht, auf "Boys for Pele" hat sie sich richtig was getraut und das war gut so, "From the Choirgirl Hotel" ist manchmal schlecht, "To Venus and back" ist sehr elektronisch, aber wieder besser und die nachfolgenden Alben sind manchmal etwas lang, an einigen Stellen eintönig, doch haben wunderschöne Stücke, die mich beim ersten Mal packen konnten und mich bis heute nicht losließen. "Abnormally Attracted to Sin" ist seltsam fade, überproduziert und unehrlich. Es gibt nette Stücke, aber ich würde keinem fünf Sterne geben. Bitte, Mrs. Amos, trauen Sie sich mal wieder, was Sie hier höchstens Mal angedeutet haben. Und von mir aus bitte keine überstylte Fotoshow mehr, so was ehrliches wie bei "Scarlet's Walk" ist viel schöner, denn schließlich möchte ich Musik und keine "Glamour" in den Händen halten. Und ich möchte kein x-beliebiges Pop-Album kaufen, ich möchte ein Tori-Amos-Album kaufen.