STANDPUNKT
Sicher bin ich nicht der typische Anwender von der Ableton Live 8 Suite; ich bin Amateure im Bereich der Musik, z.T. 'gelernt', weitgehend aber Autodidakt. Aber das genau ist ein interessanter Punkt: nachdem ich mit allerlei freier --und herstellergebundenen-- Software herumexperimentiert hatte und mein Interesse an professioneller Musikerzeugung mit der Zeit langsam wuchs, sagten mir verschiedene meiner Studenten, die im Musikgeschehen aktiv sind, dass ich es doch mal mit Ableton Live probieren sollte. Damit könnte man 'richtig arbeiten', als DJ, als Bandmusiker aber auch im Studio. Im Januar 2010 wagte ich den 'Sprung' in eine neue Dimension.
ERSTE BEGEGNUNGEN
Vor der Anschaffung einer solchen auf den ersten Blick nicht gerade billigen --aber im Nachhinein betrachtet äusserst preiswerten-- Software möchte man natürlich ausprobieren, wie diese sich mit der vorhandenen Hardware verträgt und was tatsächlich alles möglich ist. Sehr ermutigend war von Anfang an, dass man ohne Probleme die komplette Software 30 Tage kostenlos herunterladen und ausprobieren konnte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich einen recht betagten Windows PC, und die Software funktionierte sofort, wenngleich der Einsatz der vielen überaus interessanten und beeindruckenden Effekte bei begrenzter Prozessorleistung und begrenztem Speicher noch nicht voll ausgefahren werden konnten. Doch dies tat dem Einstieg keinen Abbruch. Die Software lief auch unter diesen eingeschränkten Bedingungen sehr gut. Dazu kam, dass ich zu diesem Zeitpunkt mit einem Mischpult von Mackie mit Firewire-Karte arbeitete; diese Firewire-Schnittstelle wurde ohne Probleme unterstützt. Ebenso ein Keyboard und ein elektronisches Schlagzeug (von Roland) mit USB-Schnittstellen für die Midi-Effekte. Das war alles sehr ermutigend. Dazu kamen sehr gute Tutorials als Teil der Software. Das ursprünglich starke Misstrauen verwandelte sich daher schnell in immer größere Begeisterung, so dass ich mich lange vor Ablauf der 30-Tagesfrist zu einem Kauf entschlossen habe.
EIN WEITES LAND
Unter dem Eindruck der unglaublichen Software habe ich dann --eigentlich zum ersten Mal überhaupt-- privat einen stärkeren Rechner gekauft, um alle Eigenschaften der Software voll nutzen zu können. Während viele mir einen Apple-Rechner empfohlen haben, bin ich --als alter Linux-Nutzer-- auf Microsofts Windows7 64Bit umgestiegen mit einem Intelprozessor Core i7 und 12GB Hauptspeicher. Als Soundkarte benutze ich die firewire-Karte im Mackie-Mixer. Dies sind wichtige Details, da zu diesem Zeitpunkt immer noch Meldungen durch die Foren kursierten, dass es hier Probleme gäbe. Bei mir lief alles prima. Bislang konnte ich alle verfügbaren Effekte voll ausfahren und hatte noch niemals irgendwelche Leistungsprobleme.
Die ableton Live 8 Software ist einerseits sehr komplex --man braucht viele Monate, bis man zu begreifen beginnt, wie die Teile ungefähr zusammenarbeiten, welche immensen Möglichkeiten es gibt--, aber dann ist sie für den Einstieg dennoch sehr einfach und 'intuitiv'. Die größte Hürde zu Beginn war --aus meiner Sicht-- dass es neben der von vielen Programmen her bekannten 'Tonspurensicht' --Anzeige der verschiedenen Tonspuren untereinander-- (bei Ableton 'Arrangementsicht' genannt) noch die 'Session Sicht' gibt. Im Prinzip wie ein 'Mischpult', allerdings mit erheblich mehr Möglichkeiten, vielleicht der eigentliche 'Clou' der Ableton Live Software. In der Sessionsicht kann man man beliebig viele 'Spalten' anlegen: jede Spalte enthält wiederum viele Slots untereinander, die man mit fertigen Soundteilen belegen kann. Man kann dann entweder jeden Soundteil isoliert aktivieren oder alle Soundteile, die horizontal nebeneinander liegen; wie eine Partitur, nur von 'oben' nach 'unten'. Jede dieser Spalten (entweder eine Audio oder Midi-Spalte) kann mit einem riesigen Vorrat an Effekten bestückt werden, die die Soundteile der Spalte entsprechend 'verformen'. Dazu kommen eine grosse Zahl von Detailfunktionen, die hier alle zu beschreiben unmöglich ist. Ein wichtiges Details sollte aber erwähnt werden: während man Musik ablaufen läßt kann man gleichzeitg aufnehmen und nebenher Teile von Spalten komplett ändern bzw. Stücke neu in eine Spur laden während die andere Spur gerade spielt.
Ebenso fehlt hier der Platz, die vielen Effekte (Audio und Midi) wie auch die vielen Software-Instrumente zu beschreiben. Da muss man sich selbst auf eine Reise in diese Software begeben.
Neben den sehr guten textbasierten Tutorials und Lehrvideos beginne ich zusätzlich das gedrucke Benutzerhandbuch mehr und mehr zu schätzen. Auf 500 Seiten gibt es in gut lesbarem Stil sehr ausführlich und detailliert hervorragende Auskunft über die ungeheur vielen Möglichkeiten dieser Software.
DYNAMISCH IN BEWEGUNG
Als ich die Software im Januar 2010 gekauft habe, war es die Version 8.1.2. Gerade habe ich die Version 8.2.1 herunterladen können. Dazwischen gab es 8.1.3, 8.1.4, .... und dies alles ohne Aufpreis, dazu viele Gigabytes an Klängen und interessanten Beispielen. Zusätzlich werden immer mehr Geräte von anderen Herstellern angeboten, die besonders auf die Nutzung mit der Ableton Software abgestimmt sind. Dazu gibt es zahlreiche aktive Foren und Tauschbörsen, die ich aus Zeitmangel bislang kaum nutzen kann.
KRITIK
Für eine solide Kritik müsste man eine sehr gute Kenntnis sowohl der ableton Live Software wie auch einen Vergleich im Einsatz mit anderen vergleichbaren Produkten haben. Als 'neugieriger Amateur' kann ich dazu natürlich nichts sagen; andere Kritik habe ich noch nicht, ausser vielleicht, dass diese Software so umfangreich und so vielfältig ist, dass man sehr lange braucht, bis man das Gefühl hat, 'alles im Griff' zu haben. Aber das ist ja nichts Schlechtes....