Die Welt ist ökologisch vor dem totalen Kollaps. Fossile Brennstoffe sind weitgehend ausgeschöpft. Damit der TV dennoch abends eingeschaltet werden kann, hat sich eine "Netzbehörde" dazu entschlossen, die Energiequellen am Boden des Ozeans anzuzapfen: Krater mit Heisswasserströmen. Die Bedinungen dort unten sind allerdings extem heikel: die Installationen sind hohem Druck ausgesetzt und müssen regelmässig gewartet und überprüft werden, und zwar über 1 Jahr lang, in der sogenannten Beebe-Station, einem runden Forschungs- und Wohnmodul. Die Station ist eng, der Druck ist hoch, die Geräusche der Unterwasserwelt unheimlich, weswegen 'normal gesunde Menschen' kaum in Frage kommen, will man ihnen den Wahnsinn ersparen, den diese klaustrophobische Situation bewirken kann. Aufgrund diverser Untersuchen und verschiedener Eignungstest ist man zum Schluss gekommen, dass eigentlich nur Menschen mit traumatischen Kindheitserlebnissen die Test bestehen. Traumatisierte oder besonders zwanghafte Menschen, die über die Jahre eine Art Anti-Stress-Biosystem entwickelt haben, so die Theorie in diesem Buch. Auch Pädophile verfügen über solche physiologische Abwehrmechanismen. Ein solcher Pädophiler verführt irgendwo im ersten Drittel ein zerlaustes Kind, bringt es nach Hause und wird von ihm urplötzlich mit einem Elektroschocker niedergestreckt. Das Kind ist in Wahrheit ein Erwachsener, der sich per futuristischer Technologie anatomisch hat rückentwickeln lassen, um so als verdeckter Polizist gegen Pädophile eingesetzt zu werden. Dem Gesetz wird der gefasst Pädophile allerdings nicht vorgeführt, sondern der oben erwähnten, scheinbar recht mächtigen Netzbehörde, welche dem Mann nicht wirklich eine Entscheidung lässt, ob er seine Eingeweide spendend der Justiz zugeführt werden oder 1 Jahr lang am Ozean auf engstem Raum verweilen will - zwischen Sexualopfern mit einigen soziopathischen Charaktereigenschaften. Wie auch immer: deren weitgehend wenig erklärte Arbeit (wohl halt einfach Instandhaltung von Rohren und Leitungen) führt sie einem Geheimnis zu.
Wie viele hat mich HEYNE's Verkaufsstrategie 'erwischt'. Hab mir das vielversprechende MAHLSTROM gekauft, um nach ca. 10 Seiten zu realisieren, dass ich kaum was verstehe, um dann bei genauerer Betrachtung zu bemerken, dass es sich um die Fortsetzung einer dreibändigen Serie handelt, die hier - im Abgrund - beginnt. Band 3 (Wellen) erscheint im August '09, ist englisch als 2 Bände bereits seit längerem erhältlich.
Hat mir sehr gefallen, doch. Es gibt allerdings einzelne Punkte, wo ich mich nicht so recht entscheiden kann, wie ich drüber urteilen soll.
Der Roman war für mich packend, weil interessant, aber nicht gerade spannend. Horror kommt auf, verschwindet aber früh im Buch: übergrosse Fische mit säbelartigen Zähnen greifen an, zerstäuben allerdings bereits bei härterer Abwehr. Die Nahrung ist in der Tiefe für die Fische nicht genügend reichhaltig. Beisst jemandem ein Fisch mit Säbelzähnen ins Bein, ist man erstmals erschrocken, zerreist dieser Jemand besagten Fisch mühelos mit zwei Händen in Stücke, oder brechen dem furchtbar wirkenden Fisch beim Zubeissen gleich selbst die Zähne ab, um nur einen Kratzer am Körper des anderen zu hinterlassen, reduziert sich die spätere Spannungshaltung während den Tauchgängen.
Die Gefahr und der Horror resultieren weniger aus den "Monströsitäten", sondern den Charakteren, sowie der klaustrophobischen Ausgangslage, die doch stark an die Unterwasser-SciFi-Filme "Leviathan", "Deep Star Six" und evtl. "The Abyss" erinnern. Einige psychotische Elemente sind allerdings höchst originell, wie die Folgen der Isolation und der Auseinandersetzungen zwischen den Rifters.
Ein weiterer, ambivalenter Punkt ist die Tatsache, dass Peter Watts keine wirklich straigte GESCHICHTE erzählt, als vielmehr über weite Teil hinweg Anekdoten zur gegebenen Situation liefert, welche eher eine Situation beschreibt: wie 6 Menschen auf engstem Raum klarkommen, einige davon Pädophile, andere Kindsopfer. Wer einen ultra-düsteren Roman erwartet, ist allenfalls enttäuscht oder eben erleichtert. Die Opfer sind alle keine Kinder mehr und wissen sich zu wehren. So sind es dann eher die Täter, die in dem Roman ihr Fett abkriegen.
Dass keine wirkliche Spannung aufkommt, ist vielleicht auch der Übersetzung zuzuschreiben. Ich vermute allerdings, es liegt eher am Schreibstyl von Peter Watts: zynisch und analysierend. Wer selbst Meeresbiologe ist, dem stehen vielleicht während der Lektüre eher noch die Haare zu Berge, ob der später folgenden, biologischen Theorien.
ABGRUND ist dicht und locker geschrieben, bis auf einige Ausnahmen, wo der HARD-Science-Fiction-Aspekt durchdrückt. Allerdings sollte man hierfür Peter Watts' Website konsultieren, wo die Beebe-Station, die Rifter und einige Theorien zur Story näher beleuchtet werden.