Das Buch ist aus der Sicht eines Kriminalbeamten geschrieben, der 22 Jahre bei der Münchner Mordkommission tätig war. Aufgabe von Kriminalbeamten ist es Fälle so aufzuklären, dass dem Staatsanwalt eine Anklage möglich ist. Um die psychologischen Hintergründe einer Tat geht es dabei weniger. Gerade bei Morden, die "erbarmungs- und gefühllos", "brutal und kaltblütig" erscheinen stellt sich - wenn man nur die Tat als solche betrachtet - Unverständlichkeit und Fassungslosigkeit ein. Die persönliche Historie der Täter, ist in diesem Buch weitgehend ausgeblendet; damit hat sich der Kriminalbeamte nicht oder nur am Rande zu beschäftigen. Insofern bleibt Wilfling bei der Schilderung der ausgesucht spektakulären Mordfälle in diesem Buch vorwiegend an der nach außen erkennbaren Oberfläche.
Die Tat als solche und die damit verbundenen polizeilichen Ermittlungen, hat Wilfling indes sehr authentisch geschildert, insbesondere den Fall des Sexualmörders Alexander W., zu dem er eine besondere Beziehung aufbauen konnte, die er dann (listig?) zur endgütligen Klärung des Falles nutzte. Hier und auch in dem Fall des aus "Habgier" mordenden Kriminalbeamten Klaus F. gibt Wilfling Einblick in die Ermittlungsmethoden, den Umgang mit Beschuldigten und welche Schlüsse aus bestimmten Äußerungen und Verhaltensweisen bei einer polizeilichen Vernehmung ein erfahrener Kriminalist zieht. Die Darstellung dieser beiden Fälle ist Wilfling deshalb auch weitaus am besten gelungen.
Natürlich mokiert sich Wilfling - wohl zu Recht - über milde Richter, die im Jugendstrafrecht sehr viel "Verständnis für die Sorgen und Nöte der jungen Leute" zeigen, auch wenn sie morden und vergewaltigen. Und Wilfling kann sich auch nicht verkneifen, zu erwähnen, dass die durchschnittliche Haftdauer für Mörder in manchen Bundesländern nicht mehr als acht Jahre beträgt, während es in "rückständigen" Bayern noch immer ca. 18 Jahre ("wer weiß wie lange noch") sind.
Immerhin gesteht Wilfling aber auch zu, dass auch Ermittler Vorurteile haben, gegen die sie tagtäglich ankämpfen müssen.
Fazit: Nicht unbedingt ein Buch für feinsinnige Intellektuelle, die sich für die Psychologie eines Täters, wohl aber für Leser, die sich für spannend geschriebene, wirklich spektakuläre Kriminalfälle aus der Sicht eines Ermittlers interessieren.