Abgespeist: ein toller Titel; der Untertitel: "Wir wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können" ist ebenso vielversprechend wie die Silhouette in Scherenschnitt-Art eines einkaufenden Mannes!
Leider ist es inhaltlich weniger stark, was uns Thilo Bode als engagierter Fachmann präsentiert. Bei solch einem Titel mag ich mehr Informationen haben, als das, was uns schon im Einzelnen aus diversen Sendungen und Berichterstattungen in der Zeitung bekannt ist.
Eine klare Tabelle mit aufgeführten Gefahrenstoffen, eine Liste von eher unbedenklichen Lebensmitteln, einige Graphiken zum Thema, wie z.B. immer weniger Konzerne den Markt beherrschen, eine Liste von Internetlinks zum Thema, ein paar zusammengefasste Rechtsvorschriften,...
Die Liste ließe sich noch weiter fortführen. So sind aber in 10 Kapiteln eher bekannte Statements verfasst, die einem aber so zusammengefasst wirklich eher den Appetit verderben. Es wird klargemacht, dass allein der Preis nicht über die Qualität entscheidet, die Lebensmittel-Lobby starken Einfluß auf die Parlamentarier hat, der Verbraucherschutz nicht wirklich im Vordergrund steht und wirtschaftliche Interessen vorherrschend sind. Auch die Zusammenhänge im Weltmarkt und die dramatischen Effekte für Länder in der "Dritten Welt" werden explizit genannt. So fühlt man sich wieder bestätigt, wie bei manchen Polit-Magazinen, die einen zwar aufklären, aber wenig Handlungsoptionen eröffnen.
Eine to Do-Liste wäre hier wirklich gut gewesen. Das Quellenverzeichnis ist ausführlich und lässt so manche Darstellungen rückverfolgen - so wie man es beim Lebensmittelhandel auch wünschen würde.
Der ausführliche Hinweis auf die foodwatch-Internetseite lässt den Beigeschmack aufkommen, es gehe vor allem um die stärkere öffentliche Reputation dieses Vereins, was natürlich nicht schlecht, aber auch nicht hinreichend genug ist.
Die häufigen, immer wieder wiederholten Vergleiche mit der Automobil-Branche sind nicht gerade einfallsreich. Hier ermüdet man leicht, wenn man immer wieder liest, dass eine unsolide Rückverfolgungsmöglichkeit sich niemand in dieser Branche leisten könnte.
Alles in allem ist die (Zusatz-) Informationsausbeute für durchschnittlich informierte Bundesbürger/-innen eher dürftig bis mager.
Aber das Buch macht Mut, mehr und Anderes zu tun, sich zusammen zu schließen, nachzufragen und damit auch politischen Druck zu erzeugen. Hier wäre es schön, wenn sich die einschlägig für die Bürgerrechte einsetzenden Parteien für eine gesunde Nahrungsmittelbereitstellung auch außerhalb der Skandalzeit einsetzen. Ansonsten werden viele Äußerungen zu Themen wie Krebs, Unkonzentriertheit und Wohlbefinden zur Farce, wenn die Auswirkungen des Lebensmittelkonsums so frappierend sind.
Eine geeignete Zusammenfassung für alle, denen die Hintergrunde so mancher Skandale nicht ohnehin schon bekannt sind. Ein Buch für mehr Bürgerrechte, damit mehr Wahrheit aufgetischt wird!