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Produktinformation
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Es war der Tag der Ausreise Manfred Krugs aus der DDR. Zum Verständnis: IMV, das waren die netten Nachbarn. Abends war man dann doch noch eingeladen zur Abschiedsfeier bei IMV-Nachbars. So die Stasi-Akte. Mein Gott, diese DDR! Dramatische Ereignisse gingen voraus: Im November 1976 trafen elf namhafte Künstler, die eine Resolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet hatten, zu einem Streitgespräch mit drei hochrangigen DDR-Funktionären zusammen. Das Treffen fand in Krugs Haus statt und Krug ließ -- widerrechtlich und höchst riskant -- heimlich ein Tonband mitlaufen. Manfred Krug wartete neunzehn Jahre, ehe er das Protokoll veröffentlichte.
Ein beredtes Dokument. Die Diskussionsteilnehmer, darunter Stefan Heym, Jurek Becker, Christa Wolf und die Schauspielerin Angelica Domröse, auf der Gegenseite der Chef der Agitations- und Propagandaabteilung des Politbüros, ein wortgewandter und eloquenter Mann, liefern sich heftigste Wortgefechte, deren nachträgliches Studium so manches Geschichtsbuch überflüssig macht. Die aufgebrachten Kunstschaffenden, die Biermanns Wiedereinbürgerung einfordern und den Staat in Frage stellen, sehen sich einer Mauer von Demagogie und Schlitzohrigkeit seitens der DDR-Oberen gegenüber, die ihrerseits auf Linientreue beharren.
Krug kann und will mit diesem Staat nicht mehr auskommen. Schon werden die ersten Auftritte abgesagt, Filmangebote storniert. Der Staat schlägt zurück. Den zweiten Teil von Abgehauen nimmt Krugs Tagebuch bis zu seiner Ausreise ein. Hierin wird beklemmend deutlich, wie schwer es war, diesem unseligen System zu entkommen. Manfred Krug gebührt der allergrößte Respekt für diese Dokumentation "ganz normalen DDR-Alltags" und für sein hohes Maß an Zivilcourage. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Das aus drei (und nicht nur zwei, wie der Untertitel vermuten lassen könnte) Teilen bestehende Buch läßt einen hautnah die ganze Tragik von Krugs Schicksal miterleben.
Der erste Teil enthält den heimlichen Tonbandmitschnitt eines Streitgespräches zwischen 12 Schriftstellern und Schauspielern (Hilmar Thate, Stefan Heym, Jurek Becker, Klaus Schlesinger, Christa Wolf, Jutta Hoffmann, Angelika Domröse, Dieter Schubert, Ulrich Plenzdorf, Heiner Müller, der Regisseur Frank Beyer, Manfred Krug) und 3 hochrangigen Vertretern der DDR - Führung (dem Leiter der Abteilung Agitation und Propaganda) Werner Lamberz, seinem Mitarbeiter Karl Sensberg sowie dem Intendanten des Fernsehens der DDR Heinz Adameck) über das Wiedereinreiseverbot gegenüber Biermann.
Im zweiten Teil kommt Krug selbst zu Wort. Vom Zeitpunkt der Abgabe seines Ausreiseantrages an bis kurz vor seiner tatsächlichen Ausreise schildert er in einem Tagebuch all seine Anspannung, Gemütsregungen, Verzweiflung und Gespräche mit Freunden wie Jurek Becker und Armin Mueller-Stahl oder Gegnern wie Werner Lamberz.
Den Schlußteil bildet das Protokoll eines IM (informellen Mitarbeiters), der Krug offenbar sehr nahe stehen mußte, über mitunter belanglose Details der Abschiedsfeier von Krug und seiner Frau Ottilie und ihren letzten Abreisevorbereitungen.
Krugs Werk führt einem drastisch vor Augen, wie ohnmächtig der einzelne Bürger gegenüber einem allmächtigen Staat und seinen immensen Einflußmöglichkeiten ist, wenn der ihn erst einmal auf dem Kicker hat. Das gilt um so mehr, als es sich bei Krug sicherlich nicht um einen leicht einzuschüchternden Genossen handelte. Die Lektüre des IM - Protokolls wahrscheinlich erst einige Zeit nach der Wende muß für ihn ein Schock gewesen sein. Dieses Dokument des Verrats wird dazu beigetragen haben, daß Krug sich erst 19 Jahre nach seiner Ausreise zur Veröffentlichung in der Lage sah.
Fazit : Keiner, der sich für die Zeit der deutsch-deutschen Frage interessiert, wird an dem in seiner Art einzigartigen Buch vorbeikommen. Es gibt ein erschütterndes Zeugnis ab über Lebensumstände, die sich Menschen kaum vorstellen können, die in einer in vielerlei Hinsicht einfacheren und unkomplizierteren westdeutschen Welt aufgewachsen sind. Reizvoll am Rande ist überdies so manche Anspielung auf Zeitgenossen Krugs und den einen oder anderen Schriftsteller.
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