Am 20. Juni 1977 verläßt der im Westen Deutschlands später durch seine Rollen als 'Liebling Kreuzberg' und 'Kommissar Stöver' bekannt gewordene Schauspieler Manfred Krug die DDR. Er und 11 DDR - Schriftsteller hatten am 17. November 1976 schriftlich dagegen protestiert, daß die Führung der DDR dem Liedermacher Wolf Biermann nach einem 4-stündigen Auftritt am Vortag in Köln die Wiedereinreise in die DDR verweigert hatte. Was der Autor, der als Schauspieler weitaus stärker als seine Schriftstellerkollegen von öffentlichen Aufträgen und Engagements abhängig war, daraufhin an Repressalien erleben mußte, führte dazu, daß er den Ausreiseantrag stellte.
Das aus drei (und nicht nur zwei, wie der Untertitel vermuten lassen könnte) Teilen bestehende Buch läßt einen hautnah die ganze Tragik von Krugs Schicksal miterleben.
Der erste Teil enthält den heimlichen Tonbandmitschnitt eines Streitgespräches zwischen 12 Schriftstellern und Schauspielern (Hilmar Thate, Stefan Heym, Jurek Becker, Klaus Schlesinger, Christa Wolf, Jutta Hoffmann, Angelika Domröse, Dieter Schubert, Ulrich Plenzdorf, Heiner Müller, der Regisseur Frank Beyer, Manfred Krug) und 3 hochrangigen Vertretern der DDR - Führung (dem Leiter der Abteilung Agitation und Propaganda) Werner Lamberz, seinem Mitarbeiter Karl Sensberg sowie dem Intendanten des Fernsehens der DDR Heinz Adameck) über das Wiedereinreiseverbot gegenüber Biermann.
Im zweiten Teil kommt Krug selbst zu Wort. Vom Zeitpunkt der Abgabe seines Ausreiseantrages an bis kurz vor seiner tatsächlichen Ausreise schildert er in einem Tagebuch all seine Anspannung, Gemütsregungen, Verzweiflung und Gespräche mit Freunden wie Jurek Becker und Armin Mueller-Stahl oder Gegnern wie Werner Lamberz.
Den Schlußteil bildet das Protokoll eines IM (informellen Mitarbeiters), der Krug offenbar sehr nahe stehen mußte, über mitunter belanglose Details der Abschiedsfeier von Krug und seiner Frau Ottilie und ihren letzten Abreisevorbereitungen.
Krugs Werk führt einem drastisch vor Augen, wie ohnmächtig der einzelne Bürger gegenüber einem allmächtigen Staat und seinen immensen Einflußmöglichkeiten ist, wenn der ihn erst einmal auf dem Kicker hat. Das gilt um so mehr, als es sich bei Krug sicherlich nicht um einen leicht einzuschüchternden Genossen handelte. Die Lektüre des IM - Protokolls wahrscheinlich erst einige Zeit nach der Wende muß für ihn ein Schock gewesen sein. Dieses Dokument des Verrats wird dazu beigetragen haben, daß Krug sich erst 19 Jahre nach seiner Ausreise zur Veröffentlichung in der Lage sah.
Fazit : Keiner, der sich für die Zeit der deutsch-deutschen Frage interessiert, wird an dem in seiner Art einzigartigen Buch vorbeikommen. Es gibt ein erschütterndes Zeugnis ab über Lebensumstände, die sich Menschen kaum vorstellen können, die in einer in vielerlei Hinsicht einfacheren und unkomplizierteren westdeutschen Welt aufgewachsen sind. Reizvoll am Rande ist überdies so manche Anspielung auf Zeitgenossen Krugs und den einen oder anderen Schriftsteller.