Als alter Dick-Francis-Fan habe ich bisher jedes neue Buch von ihm lange erwartet und dann verschlungen. Und bisher war ich von jedem einzelnen Buch begeistert.
Leider fehlt diesem hier so gut wie alles, was für mich einen "echten Dick Francis" ausmacht. Vordergründig wirkt vieles vertraut: der (sympathische) Ich-Erzähler, der unvermutet in Schwierigkeiten gerät, die Ansiedlung im Pferdesport-Milieu, der eingewobene romantische Plot.
Bei genauerem Hinschauen zeigen sich jedoch Schwächen: Der hauptverdächtige Strippenzieher steht recht bald fest, doch sein Komplize aus dem Bekanntenkreis des Erzählers kam gerade mal am Anfang kurz vor und hat aus meiner Sicht keine überzeugende Motivation für sein Handeln. - Gerade das war aber stets eine der größten Stärken von Dick Francis: die überraschende, aber immer vollkommen logische und in sich schlüssige Auflösung.
Der (bei Dick Francis so gut wie immer integrierte) Liebesplot ist in diesem Fall eindeutig zu lang und - bei aller Sympathie für die romantische Vorstellung von Liebe auf den ersten Blick - einfach nur überzogen: von der Zivilklage zum Zusammenziehen in unter einem Abendessen!
Was ich schließlich auch nie vermutet hätte, mal sagen zu müssen: Dieser Dick Francis ist einfach zu lang. Die gleiche Story auf der Hälfte der Seiten, das wäre angemessen. Dann wäre vielleicht manche erzählerische Auschweifigkeit weggefallen und statt dessen hätte sich die Verdichtung der Geschichte ergeben, die man von Dick Francis gewohnt ist.
Auch wenn es sicher verzeihbar ist, dass bei über 40 Romanen mal ein weniger guter dabei ist, hat mich das Buch doch sehr enttäuscht, vor allem, weil diese Enttäuschung nach all den Jahren mit Dick Francis so unerwartet kam. Ob es am Sohn liegt, der als Co-Autor fungiert hat?