"Abgeblasen" ist Kate Brannigans erster Fall, der bereits im Jahre 1992 erschienen ist. Der Knaur-Verlag hat sich des Stoffs angenommen und in überarbeiteter Form neu aufgelegt. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt und der Leser begleitet die schlagfertige Privatdetektivin Kate bei ihren Ermittlungen. Ihre Gedanken sind in einem flapsig-frechen Ton geschrieben, was sehr viel Spaß macht. Die Protagonistin ist, im Gegensatz zum Hauptcharakter aus Val McDermids "Lindsay Gordon"-Reihe, keine politisch interessierte Weltverbessererin, sondern eine Frau, die mit beiden Beinen in ihrem Alltag steht. Auf der einen Seite ist da ihr Job, den sie mit Kompetenz und Spaß ausfüllt, auf der anderen Seite gibt es Richard in ihrem Leben. Der Schreiberling von Artikeln zur Musikszene hat seine Ecken und Kanten, genau wie Kate selbst. Daher kommt es ab und an auch zu Reibereien, was die Beziehung realistisch und authentisch macht.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: In der ersten Hälfte steht die Suche von Kate nach Moira im Vordergrund. Der zweite Teil befasst sich mit dem Mord an der Sängerin und den Ermittlungen, die Lindsay dazu anstellt. Genau diese Aufteilung ist jedoch ein deutliches Problem. Bereits in der Inhaltsangabe des Buches wird klargestellt, dass Moira stirbt, und dem Leser somit eine Information geliefert, die erst in der Mitte des Bandes enthüllt wird. Dadurch zieht sich der gesamte erste Teil der Lektüre in die Länge, kann hier doch nur die Suche von Kate verfolgt werden, deren Ausgang schon bekannt ist. Die frechen Gedankengänge der Protagonistin schaffen es jedoch, über diesen Makel hinwegzutrösten und mit dem zweiten Teil beginnt ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kate und dem Mörder. Schade ist, dass die Autorin erneut das Klischee vom unfreundlichen Inspector bedient, der so gar nicht mit der Protagonistin zusammenarbeiten will. Hier sind deutliche Parallelen zum ersten Band der "Lindsay Gordon"-Reihe zu erkennen. Dies wird hoffentlich nicht zur Gewohnheit.
Fazit:
Eine fesselnde Geschichte, ausgefeilte Charaktere und gut geschriebene Gedankengänge für die Protagonistin machen das Buch ebenso lesenswert wie die spannende Story um Kates Mordermittlungen. Wer über einen klischeehaften Inspector und einen handlungstechnisch vorausschaubaren (dank der Inhaltsangabe auf dem Buchrücken) ersten Teil hinwegsehen kann, wird Spaß an der Lektüre haben.