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Irene Binal ist der Ansicht, dass es dem Autor sehr gut gelungen sei, eine Brücke zwischen Europa und Afrika zu schlagen. Denn obwohl der soziale und kulturelle Rahmen dieses Romans - eine Mischung aus Autobiografie und Erfindung - ein afrikanischer sei, so mache doch der Autor deutlich, dass Gefühle und Reaktionen sich von europäischen bisweilen nur recht wenig unterscheiden. Die Stärke dieses Buches sieht die Rezensentin denn auch vor allem darin, dass Isegawa auch stets großen Wert darauf legt, die Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen genau aufzuzeigen. Sie bedauert lediglich, dass der Autor die politische Situation in Uganda nicht kritisch hinterfragen mag. Dies ist dezidiert nicht sein Anspruch. Allerdings weist sie darauf hin, dass Isegawa beispielsweise durch die Beschreibung einer Frau, die der Guerilla nahe steht, denn doch wenn auch indirekt eine politische Verantwortung andeutet.
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Buch der 1000 Bücher
Abessinische Chronik
OT Abessijnse KroniekenOA 1998 DE 2000 Form Roman Epoche Moderne
Der schelmenhafte Entwicklungsroman von Moses Isegawa über das Erwachsenwerden eines jungen Mannes zu Zeiten massiver Unruhen in dessen Heimat Uganda ist zugleich ein politischer Roman sowie eine Familiensaga.
Inhalt: Anfang der 1970er Jahre wächst der junge Mugezi bei seinen Großeltern auf dem Land auf, während seine Eltern mit seinen anderen Geschwistern in die Stadt gezogen sind. Mit Beginn des Bürgerkriegs muss Mugezi zu seinen Eltern in Ugandas Hauptstadt Kampala, um auf seine jüngeren Geschwister aufzupassen. Schließlich besucht Mugezi ein Priesterseminar, wird zum Lehrer ausgebildet und unterrichtet auch einige Zeit. Den marodierenden Regierungs- und Oppositionsgruppen, die sich über die asiatischen und indischen Zuwanderer sowie die Bevölkerungsgruppen aus dem Norden Ugandas hermachen, fällt auch ein Teil von Mugezis Familie zum Opfer. Er selbst wird von drei Soldatinnen der tansanischen Befreiungsarmee vergewaltigt. Nach dem Sturz von Idi Amins Regime geht Mugezi nach Holland und versucht dort ein neues Leben zu beginnen.
Struktur: Isegawa verknüpft in seinem autobiografisch geprägten Roman geschickt und vergnüglich Elemente des Schelmenstücks, des Bürgerkriegsepos, der Familienchronik und des Adoleszenzromans. Er karikiert westliche Exotismus-Klischees und würzt seinen Text mit einer gehörigen Prise Erotik und Magie. Lustfeindlichkeit und Begehren werden kontrastiert, Entwicklungshilfe, Aids und Genitalverstümmelung gestreift. Gleichwohl sind die Unterdrückung und die Gewalt dieser Jahre in Uganda die inhaltlichen Leitmotive des Romans, dessen Titel nicht etwa auf das alte Abessinien im Osten Afrikas anspielt, sondern das englische Wort »abyss« (Abgrund) abwandelt. Folter, Plünderungen und Vergewaltigungen bilden die Kulisse des Geschehens. Das Stilmittel der Ironie, eines Galgenhumors und spöttischen Sarkasmus, erlaubt Isegawa die Schilderung sogar der brutalsten Gemetzel, ohne dass diese Textpassagen voyeuristisch oder verharmlosend klängen.
Isegawa gelang es mit diesem Buch, sich einerseits den drängenden Problemen des gegenwärtigen afrikanischen Alltags zu stellen und das Übel der Militärdiktaturen sowie der korrupten demokratischen Marionettenregierungen zu brandmarken, andererseits aber den Politprop-Stil der afrikanischen Unabhängigkeitsliteratur hinter sich zu lassen.
Trotzdem setzt Isegawa die Drangsalierungen, die Mugezi in seinem Elternhaus erfährt, mit dem Dogmatismus der Kirche und dem Despotismus der Diktatoren gleich Demokratieunfähigkeit zeigt sich in Familie, Gesellschaft und Politik. Isegawa bringt die Schrecken des Bürgerkriegs in seiner Heimat nahe, kennzeichnet sie auch als typisch für die Gegenwart in anderen afrikanischen Staaten, bestätigt aber dennoch nicht das überwiegend von Katastrophen bestimmte Afrika-Bild in den westlichen Medien. Er dokumentiert einen Lebenswillen, eine kraftvolle Zuversicht und den Glauben an eine bessere Welt, die Mugezi jedoch auch nach seiner Umsiedelung nach Europa nicht entdecken kann.
Wirkung: Isegawa selbst kündigte an, die afrikanische Gegenwartsliteratur mit seinem Roman an die Seite von Gabriel R García Márquez und Salman R Rushdie stellen zu wollen. Tatsächlich bescheinigte die Kritik dem Buch eine entsprechende Qualität. M. L -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
De Volkskrant
De Morgen
Kurzbeschreibung
Mugezis Vater Serenity und seine Mutter Nakkazi sind derweil mit den anderen Geschwistern in die Stadt gezogen. Sie führen eine Ehe, die schon von Anfang an unter keinem guten Stern stand - auch weil Nakkazi, eine ehemalige Nonne, die das Kloster wegen ihres Hangs zur Gewalttätigkeit verlassen musste, nur in Ausnahmefällen für Sex zur Verfügung steht und deshalb den Spitznamen Hängeschloss trägt.
Irgendwann sind auch für Mugezi die schönen Zeiten vorbei: Er muss zu seinen Eltern in die Stadt. Und das Leben in Kampala ist hart ...
In den Wirren des Bürgerkrieges, der Uganda ins Chaos stürzt - und es zu der abyssalen Region, dem Land des Abgrunds, macht, das Serenity gerne Abessinien nennt -, verliert Mugezi schließlich fast alles, was ihm lieb war. Doch er hat gelernt, sich durchzuschlagen - und das kann er noch einmal unter Beweis stellen, als es ihn eines Tages, weg von seiner zerstörten Heimat, nach Amsterdam zieht ...