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Abessinische Chronik
 
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Abessinische Chronik [Taschenbuch]

Moses Isegawa
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Goldmann (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442451175
  • ISBN-13: 978-3442451173
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,6 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 691.264 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2000
Irene Binal ist der Ansicht, dass es dem Autor sehr gut gelungen sei, eine Brücke zwischen Europa und Afrika zu schlagen. Denn obwohl der soziale und kulturelle Rahmen dieses Romans - eine Mischung aus Autobiografie und Erfindung - ein afrikanischer sei, so mache doch der Autor deutlich, dass Gefühle und Reaktionen sich von europäischen bisweilen nur recht wenig unterscheiden. Die Stärke dieses Buches sieht die Rezensentin denn auch vor allem darin, dass Isegawa auch stets großen Wert darauf legt, die Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen genau aufzuzeigen. Sie bedauert lediglich, dass der Autor die politische Situation in Uganda nicht kritisch hinterfragen mag. Dies ist dezidiert nicht sein Anspruch. Allerdings weist sie darauf hin, dass Isegawa beispielsweise durch die Beschreibung einer Frau, die der Guerilla nahe steht, denn doch – wenn auch indirekt – eine politische Verantwortung andeutet.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Abessinische Chronik
OT Abessijnse KroniekenOA 1998 DE 2000 Form Roman Epoche Moderne
Der schelmenhafte Entwicklungsroman von Moses Isegawa über das Erwachsenwerden eines jungen Mannes zu Zeiten massiver Unruhen in dessen Heimat Uganda ist zugleich ein politischer Roman sowie eine Familiensaga.
Inhalt: Anfang der 1970er Jahre wächst der junge Mugezi bei seinen Großeltern auf dem Land auf, während seine Eltern mit seinen anderen Geschwistern in die Stadt gezogen sind. Mit Beginn des Bürgerkriegs muss Mugezi zu seinen Eltern in Ugandas Hauptstadt Kampala, um auf seine jüngeren Geschwister aufzupassen. Schließlich besucht Mugezi ein Priesterseminar, wird zum Lehrer ausgebildet und unterrichtet auch einige Zeit. Den marodierenden Regierungs- und Oppositionsgruppen, die sich über die asiatischen und indischen Zuwanderer sowie die Bevölkerungsgruppen aus dem Norden Ugandas hermachen, fällt auch ein Teil von Mugezis Familie zum Opfer. Er selbst wird von drei Soldatinnen der tansanischen Befreiungsarmee vergewaltigt. Nach dem Sturz von Idi Amins Regime geht Mugezi nach Holland und versucht dort ein neues Leben zu beginnen.
Struktur: Isegawa verknüpft in seinem autobiografisch geprägten Roman geschickt und vergnüglich Elemente des Schelmenstücks, des Bürgerkriegsepos, der Familienchronik und des Adoleszenzromans. Er karikiert westliche Exotismus-Klischees und würzt seinen Text mit einer gehörigen Prise Erotik und Magie. Lustfeindlichkeit und Begehren werden kontrastiert, Entwicklungshilfe, Aids und Genitalverstümmelung gestreift. Gleichwohl sind die Unterdrückung und die Gewalt dieser Jahre in Uganda die inhaltlichen Leitmotive des Romans, dessen Titel nicht etwa auf das alte Abessinien im Osten Afrikas anspielt, sondern das englische Wort »abyss« (Abgrund) abwandelt. Folter, Plünderungen und Vergewaltigungen bilden die Kulisse des Geschehens. Das Stilmittel der Ironie, eines Galgenhumors und spöttischen Sarkasmus, erlaubt Isegawa die Schilderung sogar der brutalsten Gemetzel, ohne dass diese Textpassagen voyeuristisch oder verharmlosend klängen.
Isegawa gelang es mit diesem Buch, sich einerseits den drängenden Problemen des gegenwärtigen afrikanischen Alltags zu stellen und das Übel der Militärdiktaturen sowie der korrupten demokratischen Marionettenregierungen zu brandmarken, andererseits aber den Politprop-Stil der afrikanischen Unabhängigkeitsliteratur hinter sich zu lassen.
Trotzdem setzt Isegawa die Drangsalierungen, die Mugezi in seinem Elternhaus erfährt, mit dem Dogmatismus der Kirche und dem Despotismus der Diktatoren gleich – Demokratieunfähigkeit zeigt sich in Familie, Gesellschaft und Politik. Isegawa bringt die Schrecken des Bürgerkriegs in seiner Heimat nahe, kennzeichnet sie auch als typisch für die Gegenwart in anderen afrikanischen Staaten, bestätigt aber dennoch nicht das überwiegend von Katastrophen bestimmte Afrika-Bild in den westlichen Medien. Er dokumentiert einen Lebenswillen, eine kraftvolle Zuversicht und den Glauben an eine bessere Welt, die Mugezi jedoch auch nach seiner Umsiedelung nach Europa nicht entdecken kann.
Wirkung: Isegawa selbst kündigte an, die afrikanische Gegenwartsliteratur mit seinem Roman an die Seite von Gabriel R García Márquez und Salman R Rushdie stellen zu wollen. Tatsächlich bescheinigte die Kritik dem Buch eine entsprechende Qualität. M. L

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe die englische Fassung des Buches gelesen, "Abyssinian Chronicles". Etwa ab der 4. Seite hatte der Autor mich auch schon, und ich war gefesselt von dieser (semifiktiven?) Lebensgeschichte.

Isegawa erzählt das Leben seines literarischen Alter Ego Mugeezi, der im Uganda der siebziger Jahre im Dorf als Gehilfe seiner Oma, der Hebamme, aufwächst. Nach deren Tod muß er zu den Eltern in die Hauptstadt Kampala, wo seine fanatisch katholische Mutter ein häusliches Terrorregime errichtet hat, während draußen die Schreckensherrschaft von Idi Amins Militärs das Land erstickt. Mugeezi, im Umgang mit Despoten dementsprechend gewieft, verfeinert seine diesbezüglichen Künste in der Seminarschule, wird Lehrer während des Bürgerkrieges und macht schließlich nach dem Krieg ein kleines Vermögen mit illegalen Schiebereien, bevor er sein Glück in Europa versucht. Derweil erleben wir ihn und seine Familie vor dem Hintergrund und betroffen von Amins Aufstieg und Fall, "Demokratie", Bürgerkrieg und Neuanfang, und mit den Achtziger Jahren auch den Aufstieg eines neuen Schnitters in Afrika, dort als "Slim" bekannt: AIDS, das in Mugeezis Familie wütet wie in ganz Uganda.

Die vielen schockierenden, oft tragischen Begebenheiten auf diesem Weg erzählt Isegawa mit Leichtigkeit, Sprachwitz und einem unglaublichen, schwarzen Humor, der vermutlich angesichts solcher Schicksale auch die einzig mögliche Geisteshaltung zwischen Skrupellosigkeit und Wahnsinn ist.

Die Geschichten fließen ineinander zu einem dichten Panorama Ugandas, und schließlich schafft es Isegawa, daß man auch die Aktivitäten der sogenannten Entwicklungshilfe mal mit anderen Augen, mit denen der "Opfer", bzw. Empfänger der sogenannten Hilfe sieht. Ganz reizend, wie der Erzähler schließlich der pädophilen Gutmenschmafia von der Entwicklungshilfe ein Schnäppchen schlägt.

Um es kurz zu fassen, ich finde das Buch ganz großartig!!

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ein literarisches Buch im Stil irgendwo zwischen Garcia Marquez und Salman Rushdie, welches durch seine spannende Thematik und seinen Humor von der ersten Seite an fesselt. Eine Lebens- und Familiengeschichte ,in die Themen wie Bürgerkrieg,Diktatur,religiöse Besessenheit und Aids eingewoben sind, wird so lebendig geschildert,daß man als Leser das Gefühl hat, im tiefsten Afrika und später im europäischen Exil an den Geschehnissen unmittelbar beteiligt zu sein.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Anne Damm
Format:Taschenbuch
Ein wunderbares Buch im besten Erzählstil, erinnert mich etwas an Boyle.
Man erfährt nebenbei viel über die Kultur und die politischen Verhältnisse Ugandas und damit einer uns überwiegend fremden Welt, die anders, aber auch nicht so anders ist.
Wer die Geschichten der eigenen Groß- oder Urgroßeltern kennt, weiß, dass es hier früher viele Ähnlichkeiten gab, etliche auch noch gibt.

Der Autor kann Geschichten wunderbar glaubwürdig und realistisch erzählen, hat eine tolle Sprache und kann spritzige, spitzfindige oder einfach neue passende Vergleiche anbringen.
Ein Buch, dass ich nur weiterempfehlen kann.

Gruß, Anne
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