Ich habe die englische Fassung des Buches gelesen, "Abyssinian Chronicles". Etwa ab der 4. Seite hatte der Autor mich auch schon, und ich war gefesselt von dieser (semifiktiven?) Lebensgeschichte.
Isegawa erzählt das Leben seines literarischen Alter Ego Mugeezi, der im Uganda der siebziger Jahre im Dorf als Gehilfe seiner Oma, der Hebamme, aufwächst. Nach deren Tod muß er zu den Eltern in die Hauptstadt Kampala, wo seine fanatisch katholische Mutter ein häusliches Terrorregime errichtet hat, während draußen die Schreckensherrschaft von Idi Amins Militärs das Land erstickt. Mugeezi, im Umgang mit Despoten dementsprechend gewieft, verfeinert seine diesbezüglichen Künste in der Seminarschule, wird Lehrer während des Bürgerkrieges und macht schließlich nach dem Krieg ein kleines Vermögen mit illegalen Schiebereien, bevor er sein Glück in Europa versucht. Derweil erleben wir ihn und seine Familie vor dem Hintergrund und betroffen von Amins Aufstieg und Fall, "Demokratie", Bürgerkrieg und Neuanfang, und mit den Achtziger Jahren auch den Aufstieg eines neuen Schnitters in Afrika, dort als "Slim" bekannt: AIDS, das in Mugeezis Familie wütet wie in ganz Uganda.
Die vielen schockierenden, oft tragischen Begebenheiten auf diesem Weg erzählt Isegawa mit Leichtigkeit, Sprachwitz und einem unglaublichen, schwarzen Humor, der vermutlich angesichts solcher Schicksale auch die einzig mögliche Geisteshaltung zwischen Skrupellosigkeit und Wahnsinn ist.
Die Geschichten fließen ineinander zu einem dichten Panorama Ugandas, und schließlich schafft es Isegawa, daß man auch die Aktivitäten der sogenannten Entwicklungshilfe mal mit anderen Augen, mit denen der "Opfer", bzw. Empfänger der sogenannten Hilfe sieht. Ganz reizend, wie der Erzähler schließlich der pädophilen Gutmenschmafia von der Entwicklungshilfe ein Schnäppchen schlägt.
Um es kurz zu fassen, ich finde das Buch ganz großartig!!