Deschners Werk sit wirklich unglaublich faktenreich, was nicht zuletzt durch die Masse an Fußnoten verdeutlicht wird. Es ist auch richtig, dass Deschner zum Teil eine Art "Gegengeschichtsschreibung" zur offiziellen Kirchenversion der Geschichte versucht. Aber kann man ihm das vorwerfen, nur weil die "alte Meinung" nun einmal etabliert ist? Wer die Fakten sprechen und entscheiden lassen will, der muss AUCH Deschner lesen. Denn selbst wenn man 80% von Deschners Hypothesen verwerfen könnte, bliebe immer noch sehr viel übrig, was dieses Buch absolut lesenswert machte. Indes ist es den Kritikern dieses Kritikers bisher nur in einigen wenigen Punkten gelungen, Deschner zu widerlegen. So zum Beispiel in seiner zu hochgegriffenen Behauptung, Millionen von Hexen hätten den Feuertod gefunden.
Aber dies sind unwichige Nebenkrieg-Schauplätze. Kommen wir zum essentiellen. Un dies ist m. E. der erste und stärkste Teil des Buches, in dem es um die Evangelien und deren Entstehung geht.
Ich hätte mir als Schüler ein solches Buch immer gewünscht. Kann ich doch jetzt viele meiner Argwöhnungen durch Argumente und Fakten belegt wissen. Nur ein Beispiel: Die Vergöttlichung Jesu im Verlauf der Entstehung der Evangelien. Ist es wirklich "Zufall" oder nur "die Heraushebung einer anderen Facette Jesu", wenn im ältesten Evangelium nach Markus Jesus verzweifelt und unter Schmerzensschreien stirbt ("mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen"), während er im Jahrzehnte jüngeren Johannesevangelium gelassen "sprach: Es ist vollbracht." Und ist es Zufall, dass diese Redewendung haargenau der entspricht, die auch der damals allseits bekannte antike Held Herkules bei seinem Tod gesprochen haben soll? Und ist es Zufall, dass sich bei Markus noch viele Stellen finden, in denen Jesus Unwissenheit zugibt, während diese in den späteren Evangelien getilgt wurden?
Bei Markus heißt es einmal daß Jesus in Nazareth "kein wunder vollbringen konnte". Markus fügt schon hinzu "...außer daß er einige Kranke durch Handauflegen heilte." Und bei Matthäus wird aus dem "keine Wunder" einfach "nicht viele Wunder". Zufall? Oder wurde hier der "Mensch Jesus", der bei Markus noch zu seinem Gott,von dem er sich unterscheidet, betet, bei Lukas & Co. vergöttlicht?
Super-interessant sind auch die zahlreichen Kulte, die das Christentum aus dem angeblich so primitiven Heidentum übernahm, und aus denen oft Dogmen entstanden: Taufe, Eucharistie.. Und wussten Sie, wann man das Fegefeuer oder die kirchliche Heirat erfand? Sie werden Staunen, was aus de rheutigen christlichen Lehre alles NICHT von Jesus stammt, oder ihm sogar widerspricht!
Ich kann nur jedem nachdrücklich empfehlen, dieses Buch zu lesen. Dieses Buch stellt eine der bestdenkbaren Anlageformen für die 15 EUR dar. Und vor allem: Vergleichen Sie immer wieder mit den angegebenen Bibelstellen!