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Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2004
Martin Krumbholz schätzt in Christoph Hein den "nüchternen Realisten", der "gewissenhaft die Sache prüft", bevor er sich ein Urteil bildet. Ist diese Haltung daran schuld, dass seinen Romanen mitunter etwas "Sprödes, Detailvernarrtes " anhaftet, findet der Rezensent sie bei den Essays durchaus lobenswert. Dabei vertrete Hein in seinen Aufsätzen zu Arno Schmidt, zur Peter Handkes Serbien-Sympathien oder zu den Anschlägen vom 11. September nie einen Standpunkt, nur weil er gerade "chic" oder gar "bequem" sei, betont der Rezensent angetan. Bei aller "ideologischen Unvoreingenommenheit" kommt der Autor dennoch zu klaren Meinungen und vertritt auch eine "protestantische Ethik", so Krumbholz, der hinter der "Gelassenheit", mit der Hein sich gibt, ein "starkes Selbstbewusstsein" spürt.
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Kurzbeschreibung
Dieser Band versammelt Aufsätze, Reden und Essais von Christoph Hein seit Beginn der neunziger Jahre. Der Autor, ausgewiesen als scharfsinniger Kritiker der Verhältnisse in der DDR, deren Untergang er, lange bevor dieser Realität wurde, literarisch mindestens "elfmal beschrieben hat", richtet seinen unbestechlichen Blick nun auf die Verhältnisse im vereinigten Deutschland, auf die Fluchtpunkte des Rechtsstaats und auf dessen Begriffe von Freiheit und Sicherheit.
Daß etwa in einem konkreten Fall ein Agenturfoto vom Besuch des amerikanischen Präsidenten in Deutschland zur Veröffentlichung retuschiert wurde und nunmehr statt eines kritischen Plakats ins Bild montierte Gesichter zu sehen sind, erinnert Hein an alte Erfahrungen. Er regiert darauf mit einem bitterbösen Plädoyer für den Stalinpreis. Immer wieder thematisiert Hein Ausländerfeindlichkeit und Migrationsprobleme. Ein langer Aufsatz ist dem Werk Arno Schmidts gewidmet, ein anderer den "unabdingbaren Voraussetzungen beim Kleist-Lesen". Kürzere Texte gelten den Lieblingsautoren und Freunden wie Hans Mayer, Thomas Brasch, Benno Besson, Heiner Müller und Siegfried Unseld. Hein fragt nach der Rolle des Intellektuellen in der modernen Welt, nach der moralischen Verpflichtung des Künstlers, durchaus auch in der Sphäre des Politischen, und er preist den "lebenswichtigen Nutzen der Kirschblüte".