...und in Vergleich zum heutigen Niveau von TV-Produktionen, die sich häufig genug im wesentlichen in opportunistischen Befindlichkeitsfilmchen und /oder narzißtischen Selbstinszenierungen erschöpfen, auch in der eigentlichen Bedeutung der Umschreibung geradezu "pädagogisch wertvoll". Man merkt, daß der Vierteiler in den 70er Jahren gedreht wurde, in denen in der öffentlichen Wahrnehmung offenkundig noch Angelegenheiten wie bspw. "Zeit für Dialoge", Gesellschafskritik oder auch selbstironisches Hinterfragen des nach wie vor höchst unvollkommenen "Wesens Mensch" nicht nur eine Chance hatten, sondern auch von Interesse - und somit auch "tatsächlich unterhaltsam" - waren. Sehr schön war für mich dabei u. a. auch das Wiedersehen mit Gunther Strack und Christian Quadflieg...Fritz Umgelter und Mathias Habich demonstrierten m. E. auch mit dieser Produktion, daß deutsche Literaturverfilmungen keineswegs immer nur zur leicht verdaulichen Beziehungsschmonzette geraten müssen. Wer nicht weiß, wie ich das meine, vergleiche nur mal "Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck", 1972, mit M. Habich (die unverständlicherweise immer noch nicht auf DVD veröffentlicht ist !), mit "Trenck - Zwei Herzen für die Krone", 2002, u. a. mit B. Becker. Wäre ich Lehrer, würde ich diese Verfilmung des "Simplex" - nicht zuletzt auch hinsichtlich des vielseits beklagten Verfalls der Werteorientierung bei der Jugend - mit meinen Schülern anschauen und nachhaltig diskutieren (- sofern es denn die Zeit und der Lehrplan zulassen würden). Resümee: Verfilmte kulturelle Vollwertkost in diametralem Gegnsatz zum Fastfood à la "Sex in the City" und "DSDS".
Einziger Kritikpunkt ist die Ausstattung: Als ob Niveau etwas mit Ärmlichkeit zu tun haben müßte, gibt es "keinerlei" Extras weder auf, noch zu der DVD; nicht mal zu einer normalen DVD-Box hat es gereicht...angesichts des sehenswerten Inhalts ist das wiklich mehr als schade.