Jüngers Abenteuerliches Herz ist ein sehr persönliches Buch, ein Schlüsselwerk. Da die Einträge nicht datiert sind, kann man es nicht als Tagebuch bezeichnen; ein Notizbuch ist es auch nicht, dafür sind viele Aufzeichnungen zu lang. Deren Charakter ist unterschiedlich, meistens handelt es sich um Kurzessays, aber mit gewaltigen Gedankensprüngen, denen man nicht leicht folgen kann. Auffällig sind die Schlüsselbegriffe, die immer wieder vorkommen (geheim", magisch", Traum", Leben") sowie die teilweise beißende Zeitkritik. Der etwa 30-jährige Jünger hielt weder die Werte Humanität und Zivilisation besonders hoch, noch unterstützte er die Weimarer Republik. Der Text spricht von seiner Suche nach einer Art wahrem Leben, das er im Heldentum oder in einer anarchischen Rebellion verkörpert sieht. Trotz oder gerade wegen der physischen Vernichtung durch den Krieg sieht er eine Chance für ein neues, wesentlicheres und leidenschaftlicheres Leben, das aus der Zerstörung erwachsen kann. Viele Passagen wirken erschreckend: mitleidlos, elitär, eindeutig nationalistisch und durchsetzt von mystischem Geraune. Auch Jüngers Analogien zwischen Natur und menschlicher Gesellschaft mögen beim Leser Skepsis wecken. Ein Buch, das Jünger-Fans wie -Kritiker in ihrer Haltung bestätigen wird.