In seinem Buch beschreibt Arved Fuchs die Reise auf seinem 18 m-Schiff Dagmar Aaen, die ihn und seine Mannschaft von Nordost-Sibirien über Hawaii und die Südsee-Atolle nach Chile führt. Dort durchquert er auf Ski das Inland-Eis und Teile der Falla de Reichert, bevor er um Kap Hoorn wieder nach Hamburg segelt. Die Reise dauert insgesamt rund 2 Jahre, wobei sie sich direkt an eine andere Reise anschliesst, auf der das Schiff die Nordost-Passage durchquert hat.
Fuchs beschreibt die Reise sachlich, prekäre Situationen werden nicht aufgebauscht, sondern recht knapp geschildert. Der Leser hat nie das Gefühl, mit an Bord zu sein, er fiebert nicht mit, ob die Dagmar Aaen die Eispressungen oder die Orkane übersteht. Das liegt zum einen daran, dass Fuchs, der sicherlich viel geleistet hat, eine gewisse Überheblichkeit an den Tag legt und nie einen Zweifel daran lässt, dass er die Risiken richtig einschätzt und sich alles zum Guten wendet. Zum anderen fehlt ihm aber auch die Fähigkeit, den Leser zu fesseln. Das Buch liest sich leicht, Fuchs schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Ein literarischer Leckerbissen ist es nicht.
Was das Buch gut vermittelt, sind Dinge, an die man auf dem ersten Blick gar nicht denkt. Fuchs beschreibt mehrfach, wie umständlich das Einklarieren bei manchen Inselrepubliken ist. Der Leser erfährt, wie die russischen Behörden mit ihrer Verzögerungstaktik die Passage durch das Nordmeer vereitelten. Und er erfährt, wie akribisch Fuchs seine Reiseausrüstung zusammenstellte, und wie wichtig die Sponsorenunterstützung für diese Reise war.
Ein Minuspunkt des Buches ist, dass Fuchs sich zu wichtig nimmt. Jeder Ausflug ist gleich eine Expedition oder ein Projekt. Er nimmt für sich und seine Crew in Anspruch, mehrere Erstbesteigungen von Bergen und Erstdurchquerungen von Eisfeldern durchgeführt zu haben. Ob er deshalb ein grosser Entdecker ist und später in einem Atemzug mit Roald Amundsen oder Sir Edmund Hillary genannt wird, sollen die Geschichtsbücher entscheiden. Ich wage es zu bezweifeln. Für die chilenische Marine sollte er von seinem alten Segelschiff Vermessungen durchführen. Ist das im heutigen Satelliten-Zeitalter noch Stand der Technik, oder macht sich Fuchs damit nur wichtig?
Ein anderer negativer Punkt ist die ständig heile Welt an Bord. Für seine Crew konnte er immer die besten Leute gewinnen. Er hatte den besten Schiffsführer, den besten Taucher, den besten Koch, den besten Schiffsbauer, etc. an Bord, ich konnte es zum Schluss nicht mehr hören. Und an Bord gab es nie Spannungen, was völlig unrealistisch ist, wenn soviele Menschen über eine so lange Zeit auf engem Raum zusammenleben. Diese psychologische Seite hätte den Leser sicherlich auch interessiert.
Wer einen Abenteuerroman oder ein Buch über Seefahrerromantik sucht, ist mit diesem Buch falsch beraten. Ebenso, wer darin einen Leitfaden für eine Weltumsegelung sucht.
Wer aber eine kurzweilige Lektüre sucht und dabei einen ersten Eindruck über die Planung und Durchführung von langen Segeltouren erhalten will, der sollte dieses Buch lesen.