Liebe Enid Blyton-Fans,
eine Bemerkung vorweg: "Das Schiff der Abenteuer" ist wie alle anderen Bände der Abenteuer-Reihe ein klarer Fall für 5 Sterne! Phantasievoll, spannend, ein Buch zum Träumen! Dass ich es dennoch derart abwerten muss, ist der Übersetzung geschuldet.
Ich habe das Buch nach vielen Jahren gekauft, um eine Erinnerung wieder aufleben zu lassen. Nach wenigen Sätzen habe ich es in die Ecke geworfen und nur noch stichprobenhaft gelesen - um diese Rezension schreiben zu können. Leider ist mir der Spaß an der Lektüre gründlich verleidet worden durch die unbedarfte Sprache der Neuübersetzung. Ebenso stört mich die meines Erachtens völlig überflüssige "Geschlechtsumwandlung" Kikis in eine Papageiendame. Es ist zwar richtig, dass Kiki auch im englischen Original ein weiblicher Vogel ist. Aber für Fans der (60 Jahre alten) Serie ist diese aus emanzipatorischer Sicht allemal verzichtbare Neuerung beim erneuten Lesen ein echter Kulturschock, der den Charakter des Buches völlig verändert und die alte Faszination nur schwer neu aufleben lässt. Genau das fällt angesichts der unpoetischen, viel zu "modernen" Sprache ohnehin schon schwer genug. Leider scheint immer noch der Irrglaube verbreitet zu sein, man müsse Kinder in der Literatur mit derselben Banalität konfrontieren wie in ihrem Alltag. Dabei tut man Jugendlichen doch eher etwas Gutes, wenn die Sprache eines Buches - entsprechend seinem Entstehungszeitraum - eben nicht alltäglich ist! Mich hat als Kind gerade die Tatsache, dass die "Welt des Buches", die man in seiner Phantasie neu erschafft, vor dem mir unbekannten Hintergrund des England der 40er-Jahre entstanden ist, sehr bereichtert! Alte Herrenhäuser, Monarchie, Internate, unmoderne Fahrzeuge, wenig Technik - was ist falsch daran?! Warum sollte die Sprache des Buchs eine moderne Welt suggerieren? Einzelne Formulierungen ("Wahnsinn", "Mensch,...!", "Jetzt ist alles okay", "...kriegt er bloß Schrott zu hören" etc.)wirken überdies selbst auf mich als 27-Jährigen stillos bis vulgär.
Als Randnotiz sei vermerkt, dass auch die wunderbaren Illustrationen früherer Ausgaben dem Rotstift des Verlags zum Opfer gefallen sind und ein weiteres Stück Atmosphäre verloren geht.
Deshalb meine Empfehlung: Besorgen Sie sich alle Bände der alten Taschenbuchausgabe, solange dies noch möglich ist!