Wohl letztlich aus dem Grund, dass ich als durchschnittlich gebildeter Mitteleuropäer kaum mit chinesischer Geschichte und den religiösen Historien des asiatischen Kulturraums (ausgenommen den im Abendland inflationär anwachsenden buddhistischen Inhalten) in Berührung gekommen bin, empfinde ich die prosaisch lockere Darstellung von Baumann als gewagt und daher höchst interessant. Er schlendert die Seidenstraße, jenen berühmten Schmelztiegel von Kultur, Religion und Wirtschaft, von Ost und nach West, vom inneren China bis zur mit romantischer Mystik infizierten Stadt Samarkand, entlang und fabuliert über Dieses und Jenes, über archäologische, kulturelle und geographische Besonderheiten. Hier erfährt der Leser viel Neues, bisher nicht in Erscheinung Getretenes und Unbekanntes. Die Mythen und Legenden lesen sich gemeinsam mit den historischen Fakten wie ein wunderbar gestaltetes Märchen von tausendundeiner Nacht. Doch wird das Buch im Ergebnis seinem Titel nicht gerecht. Lediglich zwei Intermezzi, die Durchquerung der Wüsten Gobi und Takla Makan, bilden die Essenz, welche tatsächlich einem Abenteuer gerecht wird. Ansonsten besticht der Text zwar durch einzigartige und profunde Sinologie, fällt mitunter jedoch gerade aus diesem Grund langatmig aus. Mein Bild von Baumann aber rundet sich durch diese Erzählung vom bisher abenteuerlustigen Aussteiger zum historisch bedeutenden Botschafter der Völkerverständigung ab.