Ulrich Baer in gruppe & spiel 3/00
Ein dickes Buch. Ein schönes Buch. Und außerdem noch mit ganz viel "drin": Hunderte von erlebnispädagogischen Projekten und Abenteuerspielen im Schulalltag, auf Klassenfahrten und in Langzeitprogrammen werden detailliert geschildert. Man bekommt eine kaum zu bändigende Lust, sofort mit einer Abenteuerreise, einer Kletteraktion oder geheimnisvollen Rätselaufgabe in die Klasse zu gehen. Aber natürlich ist es nicht ganz einfach, in der konventionellen Schulkultur erlebnispädagogische Konzepte zu realisieren. Auch mit den Chancen und Schwierigkeiten, die der Schulalltag vorgibt, setzen sich die Autoren kenntnisreich auseinander. Ein rundherum praktisches Buch mit sehr ansprechendem Layout und einer unglaublichen Ideenfülle. Die Projektberichte gehen erfreulicherweise so sehr in alle Einzelheiten, dass man als Leser fast alles noch einmal miterleben kann. Viele Fotos und Zeichnungen tragen das ihre dazu bei. Verantwortung, Wertbewusstsein, Selbstorganisation lernen - das ermöglichen die vorgestellten Projekte mit Kreativität, Spannung und Humor.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Doris Klippert in GEW-Zeitung Rheinland-Pfalz 3-4/99
R. Gilsdorf ist ein interessant zu lesender Einstieg in die Erlebnispädagogik gelungen, der überzeugt und auch Problematisches nicht unerwähnt lässt. Das ist nicht verwunderlich, da der Autor nicht nur Theoretiker ist, sondern an drei unterschiedlichen Projekten in einer Hauptschule und zwei Gymnasien mitgearbeitet hat, die im Praxisteil ausführlich dargestellt werden. Insgesamt 18 Projektberichte zeigen unterschiedliche Formen der Umsetzung im Lernfeld Schule auf. Alle Projekte sind sehr anschaulich dargestellt und bieten LehrerInnen aller Schularten und Schulstufen wichtige Anregungen: Ein schulartübergreifendes Projekt in der Jahrgangsstufe 3/4 einer Grund- und einer Sonderschule beschreibt die Arbeit mit den jüngsten TeilnehmerInnen; 2 Projekte, die in der 11. Jahrgangsstufe durchgeführt wurden, zeigen beispielhaft, was bei Älteren möglich ist. Die Beispiele räumen auch mit dem Vorurteil auf, Erlebnispädagogik sei vorrangig etwas für SportlehrerInnen. Im Projekt "Der kleine Hobbit" steht z.B. eine Lektüre im Mittelpunkt der fächerübergreifenden Arbeit; es werden dazu u.a. eine Lesenacht und eine Klassenfahrt durchgeführt. Dass man sogar einen Schüleraustausch erlebnis- und handlungsorientiert gestalten kann, zeigt das Projekt "Deutsch-französische Begegnung am dritten Ort". Man findet sich in diesem Buch gut zurecht. Die Projekte sind in drei Gruppen eingeteilt: Kurzzeitprojekte (1-3 Tage), Klassenfahrten (3-6 Tage) und Langzeitprojekte (1 Jahr oder länger). Betracht man die Zielsetzungen und Besonderheiten dieser Projekte, so geht es zentral um folgendes: - Entwicklung eines Wir-Gefühls - Verbesserung der Klassengemeinschaft - Miteinander statt Konkurrenz - Gewinnung von Selbstvertrauen - Selbständigkeit fördern - Soziales Lernen ermöglichen - Kinder stark machen - Grenzen erkennen LehrerInnen, denen diese Ziele in ihrer bisherigen Unterrichtsarbeit oder auf Klassenfahrten zu kurz gekommen sind, finden eine Fülle von Anregungen. Es geht den AutorInnen darum, Lernen so zu organisieren, dass abstrakte Inhalte auf dem Hintergrund eigener konkreter Erlebnisse, Erfahrungen und Handlungen begriffen werden können. Erlebnis- oder erfahrungsorientierte Pädagogik sieht das Lernen als ganzheitliche Tätigkeit und bietet den SchülerInnen Spielräume für selbstverantwortliches Handeln. Das impliziert ein verändertes Selbstverständnis auf Seiten der Lehrenden: Es ist mehr Offenheit gefragt. Wer sich auf dieses "Abenteuer" einlassen kann und will findet praxisorientierte Hilfen. Ein reichhaltiges Literaturverzeichnis ermöglicht die verschiedensten Aspekte des Konzepts mit weiterführender Lektüre zu vertiefen.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.