Obwohl der Fuchs in Mitteleuropa recht häufig vorkommt, zeigt er sich uns Menschen eher selten. Das liegt nicht zuletzt an seiner überwiegend nächtlichen Lebensweise. Doch Günther Schumann, Autor und Fotograf des vorliegenden Bildbandes, hat es sogar geschafft, einer Fuchsfamilie im nordhessischen Reinhardswald ins Kinderzimmer zu spähen.
In der Einleitung beschreibt er sein Vorgehen: "Im Verlauf von Monaten und Jahren gelang es mir, das außergewöhnliche Vertrauen von Füchsen in freier Wildbahn zu erlangen, und so wurde ich von den Tieren selbst in unmittelbarer Nähe, problemlos geduldet. Indem ich mich immer ruhig bewegte und zu ihnen sprach, wurde ich sozusagen in ihre Familiengemeinschaft aufgenommen. Nur so war es mir möglich, intime Einblicke in das Familienleben zu bekommen und dieses auch in unzähligen Fotos festhalten zu können." (Seite 5)
Herausgekommen ist ein Bildband, der nicht nur einmalig schöne, sondern auch zum ersten Mal veröffentlichte Fotografien von in freier Wildbahn lebenden Rotfüchsen zeigt.
Von den ersten Lebenswochen der kleinen Fuchswelpen, die Ende März, Anfang April zur Welt kommen, bis in den Spätsommer, wenn die Füchslein so weit sind, eigene Wege zu gegen, begleitet Schumann die Kaniden.
Die Texte zu den rund 150 Farbfotos sind kurz und aussagekräftig. Wir erfahren, was sich alles als Fuchs-Kinderzimmer eignet und dass Fuchs und Dachs oft gemeinsam in einem größeren Bausystem leben. Familie Fuchs oben, Familie Dachs in den tieferen Geschossen.
Wir werden Zeuge, wie die Fähe mit ihren Kindern in ein sichereres und ruhigeres Quartier umzieht. Wir lernen die harmlosen und weniger harmlosen "Nachbarn" der Fuchsfamilie kennen, sehen den Welpen beim Milchtrinken und beim Erkunden der Umgebung zu. Und wir entdecken, was es für die Mutter der Welpen für eine Anstrengung bedeutet, wenn die Kleinen mit fester Nahrung versorgt werden müssen und noch nicht selber jagen können.
Ein besonders Vergnügen ist es, die Jungfüchse bei ihren "Sozialspielen" zu beobachten. Bei diesen turbulenten Balgereien, Jagd- und Rennspielen lernen die Welpen lebenswichtige Verhaltensweisen und bereiten sich auf ihren späteren Lebenskampf vor.
Wir lernen, dass der Geruchssinn der Füchse ihrer Sehkraft deutlich überlegen ist und dass sie eine Sehschwäche im Bereich der Farbe Rot haben. Wir erleben "unsere" Füchse während der glutheißen Hundstage sowie bei nächtlicher Jagd, bei gegenseitiger Körperpflege und im Kampf gegen lästige Parasiten.
Zauberhaft sind die Aufnahmen der schlafenden Jungfüchse. Sie wirken, wie die meisten Jungtiere, so richtig niedlich und knuddelig! Und wenn man die Füchslein gegen Ende des Sommers, kurz bevor sie eigene Wege gehen, miteinander kämpfen sieht, erkennt man bereits die erwachsenen Wildtiere in ihnen. So mancher (Hobby-)Fotograf wäre ungeheuer stolz, wenn ihm selbst diese faszinierenden Fotos gelungen wären.
"Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man bei sonst sehr scheuen und sensiblen Wildtieren ein so großes Vertrauen erreichen kann", schreibt Günther Schumann. (Seite 5) Füchse sind seit vielen Jahren seine große Leidenschaft, der er sich mit bewundernswertem Einfühlungsvermögen verschrieben hat. Dabei legt er Wert darauf, durch seine Beobachtungen und seine Fotografie das Leben "seiner" Fuchsfamilie möglichst nicht zu stören und zu beeinflussen. Das macht den Bildband zu einer eindrucksvollen und authentischen Naturstudie über Füchse in freier Wildbahn.