Die Münchhausen-Geschichte kennen Sie. Nun platzt im späten 18. Jahrhundert der echte, alt gewordene Münchhausen in die Schmieren-Aufführung seiner Stücke, und die Szenerie wandelt sich. Es ist immer noch das Zeitalter der "Vernunft" angebrochen. Ähnlich wie in "Brothers Grimm", ebenfalls von Gilliam existiert das Unwirkliche jedoch, und man tut besser, es anzuerkennen: "No doctors!"
Wunderschöne Bilder tauchen auf, mit sehr vielen inhaltlichen wie visuellen Ideen: 1988!, alles noch per Hand. Die Schauspieler sind u.a. der alte Kumpel Eric Idle von den Monty Pythons, eine hinreißende Uma Thurman als Venus von Urbino und Jungaktrice, Robin Williams als eine Art Kopfmensch. Jonathan Pryce spielt den scheinrationalistischen Widersacher mit einem missratenen Bastardakzent aus Dr. Seltsam und Französisch. Auf Englisch ansehen ist übrigens gut möglich, denn es wird schönes, klares Britisch gesprochen.
Wer zur Handlung noch etwas mehr wissen will, mag diesen Absatz überfliegen / 'Spoiler'-Warnung: Türken belagern eine imaginäre Stadt. Der Kommandeur bürokratisiert, einen Militärhelden (Sting) lässt er als Störenfried exekutieren. Mit der Furcht vor den Türken regiert er die Stadt. Eine Theatertruppe spielt (dilettantisch) Münchhausen, dann kommt der (vermutlich) echte Münchhausen und will die Stadt retten. Dieser "quest" geht auf die aberwitzige Suche nach den Dienern von einst, spielt dabei mit Motiven aus den Berichten des Barons, und schließlich nachdem Münchhausen und Co. die Stadt retten und er stirbt, war es nur eine aufmunternde Geschichte. Doch diese Geschichte gibt der Stadt die Kraft, den Bürokraten abzuschütteln - der Feind steht gar nicht mehr vor der Tür, die Stadt ist frei. Wer jetzt an den Kalten Krieg denkt (1988), denkt ähnlich wie ich.
Herrlicher Film, wegen mancher Szenen besser erst vielleicht ab 16, doch so tiefsinnig, dass es auf vielen Ebenen gesehen und verstanden werden kann. Eindeutig 5 Sterne.