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Die Abenteuer des Augie March / Herzog / Humboldts Vermächtnis
 
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Die Abenteuer des Augie March / Herzog / Humboldts Vermächtnis [Gebundene Ausgabe]

Saul Bellow
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: Drei Bände im Schmuckschuber. (28. Januar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462040642
  • ISBN-13: 978-3462040647
  • Größe und/oder Gewicht: 22,6 x 14 x 11,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 825.964 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Saul Bellow
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Produktbeschreibungen

Der Spiegel

Heilige Seelenzustände
Bei wenigen Büchern ist so viel über die Ähnlichkeit des Autors mit seinem Helden spekuliert worden wie bei Saul Bellows sechstem und bekanntestem Werk. Immerhin hatte der Schriftsteller selbst eingeräumt, dass ihm die Idee zu seinem Roman über einen manischen Briefeverfasser gekommen war, nachdem er sich selbst die Finger im Post-Rausch wund geschrieben hatte. »Eines Tages fand ich mich inmitten von Briefen wieder, die im ganzen Haus verstreut waren«, berichtete er über die Entstehung, »da wurde mir klar, dass dies eine glänzende Idee für ein Buch über die geistige Verfassung unserer Gesellschaft und ihrer gebildeten Schicht ist.«

Und so entwirft der damals in Chicago lehrende Universitätsdozent Saul Bellow, 1915 in Kanada als Abkömmling jüdischer Einwanderer aus St. Petersburg zur Welt gekommen, die Figur des Professors für Philosophie und Geschichte, Moses Elkanah Herzog, 47, geboren in Kanada als Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa. Doch während sich Bellow »immer als Sieger gefühlt« hat, ist seine Schöpfung Herzog ein ramponierter Held, ein Mann auf dem Höhepunkt seiner Lebenskrise, gescheitert beruflich wie privat, leidend an sich und der Gesellschaft, der mehr reflektierend als agierend versucht, mit sich und seiner Umgebung wieder ins Reine zu kommen.

Wie sein Schöpfer ist auch Herzog mehrfach geschieden – Bellow bringt es bis zu seinem Tod im April 2005 auf fünf Ehen und vier Kinder von vier Partnerinnen. Und wie Herzog leidet auch Bellow an der eigenen Familiengeschichte, suchte wie seine Hauptfigur Hilfe bei Therapeuten. Die Szene am Grab von Herzogs Vater soll sich genau so in Bellows Leben abgespielt haben. »Reiß dich zusammen. Verhalte dich nicht wie ein Emigrant«, fuhr einer der Brüder den weinenden Autor an. Auf solche und andere Parallelen angesprochen, zog sich Bellow stets mit leiser Ironie aus der Affäre. Fiktion sei nun mal »die höhere Form der Autobiografie«, spottete er dann oder zitierte seinen Kollegen Alberto Moravia: »Romane sind immer ein Stück des eigenen Lebens.«

Wie viel Bellow in dem überklugen Galgenhumoristen Herzog auch immer stecken mag – unumstritten ist der kommerzielle Erfolg seiner Zettelmanie. Kaum in den USA auf dem Markt, stand Bellows Werk 29 Wochen auf Platz eins der Bestsellerliste – und geriet so zum erfolgreichsten seiner insgesamt neunzehn Bücher. Als »literarisches Ereignis ersten Ranges« lobte ihn das Nachrichtenmagazin »Newsweek«. Die »New York Times Book Review« sah in »Herzog« ein Buch, das Amerika wieder hoffen lasse. Nicht nur literarisch, auch moralisch.

Denn Bellow setzt sich vielschichtig mit der amerikanischen Gesellschaft auseinander. Mit feiner Feder skizziert er »ein subtiles Psychogramm der amerikanischen Mittelklasse in all ihrer Ver¬unsicherung durch Bürgerrechtsbewegung, Feminismus und Studentenproteste Anfang der sechziger Jahre«, so der Tübinger Amerikanist und Bellow-Kenner Horst Tonn. Und Bellow zeigt auf, welchen seelischen Preis das Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten von seinen Bewohnern fordert. Aber das Einwandererkind Bellow ist längst viel zu sehr Amerikaner, um den American Dream völlig aufzugeben – und sollte 1986 auf dem PEN-Kongress in New York für seine Verteidigung des amerikanischen Gesellschaftssystems von einem überaus kritischen Günter Grass schwer getadelt werden.

Dabei wird schon in »Herzog« deutlich, dass Bellow ein feines Gespür für die Bruchstellen der amerikanischen Gesellschaft hat und an diesen Schwächen seines Amerika leidet. »Das Leben eines jeden Staatsbürgers wird zum Geschäftsbetrieb«, wettert Herzog in einem Brief an den US-Präsidenten gegen den American Way of Life – und verlangt eine Umbesinnung: »Das menschliche Leben ist kein Geschäft.« Und an einen Universitätskollegen schreibt er: »Denken Sie, was Amerika für die Welt bedeuten könnte« und »was für ein Geschlecht es hätte hervorbringen können« – wäre doch nur der Glaube an den Wert des »Herzens« stärker. Dass Herzogs Briefpartner Nietzsche gerade den verachtet, trägt dem Über-Philosophen entsprechend kritische Zeilen ein.

So schildert Bellow am Beispiel seines tragikomischen Stadt-Neurotikers die Zivilisationskrankheiten Vereinsamung und Entfremdung, lange bevor sie Woody Allen durchs Kino ins breite Bewusstsein hebt – in dessen Film »Zelig« der Schriftsteller übrigens in einer Nebenrolle sich selbst spielt, was er später als »Dummheit« abtut. Ähnlich wie bei Allen bedurfte es wohl auch bei Bellow jener eigentlich spezifisch jüdischen Migranten-Erfahrungen, um sie als typisch amerikanische Gesellschaftssymptome erkennen und aufzeigen zu können. Daher seien für Bellow jüdische Themen zwar steter Teil seines Werkes, so dessen Biograf Leslie Fiedler, seine Thematik aber nicht spezifisch jüdisch.

Bellow hat den Einfluss seiner jüdischen Wurzeln, seiner Zerrissenheit zwischen dem alten Osteuropa seiner Eltern vor der Oktoberrevolution und der Neuen Welt mit ihrer urbanen, hoch industrialisierten Gesellschaft immer betont. »Die Koffer, mit denen meine Eltern reisten«, erinnerte er sich später, »waren exotisch – die Taftunterröcke, die Straußenfedern, die langen Handschuhe, die Knopfstiefel und der Rest all dieser Familienschätze gaben mir das Gefühl, aus einer anderen Welt gekommen zu sein.« Die Ausgrenzung mögen frühe Beschwerden an den Atemwegen noch verstärkt haben. Der Bellow-Biograf James Atlas jedenfalls zeichnet das Bild eines kränkelnden Kindes, das von seiner Mutter behandelt wird wie ein Hinfälliger. Bei einem längeren Krankenhausaufenthalt soll Bellow, gerade acht Jahre alt, nach der Lektüre von »Onkel Toms Hütte« beschlossen haben, ein berühmter Schriftsteller zu werden. Bis zu ihrem frühen Tod bestärkt ihn seine Mutter in dem Wunsch, auch wenn sie ihn lieber als geachteten Rabbiner oder gefeierten Konzertgeiger gesehen hätte. Schon als Schüler verfasste er erste Texte.

Wie Bellows jüdische Herkunft, so hinterlässt auch sein Lebensmittelpunkt Chicago, wohin die Familie 1924 übergesiedelt war, deutliche Spuren in seinem Werk. Obwohl er einige Zeit in New York gelebt hatte und Manhattan auch in »Herzog« ein Schauplatz ist, musste selbst die »New York Times« einräumen, dass die Konkurrenzstadt am Lake Michigan für Bellows Werk ist, was London für Charles Dickens oder Dublin für James Joyce war – eine Art »eigenständiger Charakter«. Hier lehrte er auch an der Universität fast drei Jahrzehnte Soziologie.

Dennoch geht es Bellow nicht vorrangig um die so genannten gesellschaftlichen Verhältnisse. »Diesen Kram mit ›Kritiker der Gesellschaft‹«, giftete er einmal, »das lehne ich strikt ab.« Und vom politischen Geschäft sollten sich Schriftsteller erst recht fernhalten, weil sie da »nicht viel bewirken« könnten. Für ihn sei »nur der Mensch interessant, romanfähig sozusagen. Und wenn wir von der Dehumanisierung unserer Welt sprechen, dann meinen wir in Wahrheit das Verschwinden der Menschen«, beklagte er die gesellschaftliche und die für ihn damit eng verbundene literarische Entwicklung: »Der Verfall des Romans ist der Verfall des Humanums, der Persönlichkeit.« Die rückt Bellow über Herzogs Brief-Tick meisterlich ins Zentrum.

Die zumeist nicht abgeschickten Notizen an seine Frauen und Kinder, an Freunde und Feinde, an Lebende wie Tote, an Geistesgrößen wie Nietzsche und Heidegger oder Mächtige wie den amerikanischen Präsidenten erfüllen dabei gleich eine zweifache Funktion. Für den verstörten Herzog sind sie stumme Hilferufe seines verunsicherten Ichs, Mittel der Gewissenserforschung wie Selbstfindung und wichtige Schritte auf dem Weg zur seelischen Genesung. Wie kein anderes Buch dürfte »Herzog« denn auch Sinnsuchende, in der Adoleszenz wie in der Midlifecrisis, animiert haben, selbst zum Stift zu greifen, und sei es auch bloß in der Phantasie.

Dem Autor dienen die spontanen Notizen von Gedanken und Gefühlen über die Charakterzeichnung Herzogs hinaus als elegante Scharniere zwischen den Handlungssträngen. Sie erlauben ihm immer wieder kontemplative Momente und Rückblenden, um danach durch geschmeidigen Wechsel von Zeit und Ort die Geschichte voranzutreiben. Es gilt als eines der großen Verdienste Bellows, diese Art stiller Post wie kein anderer Erzähler als literarisches Stilmittel perfektioniert und popularisiert zu haben. So grenzte sich der große Stilist Bellow ganz bewusst ab von ur-amerikanischen Autoren wie William Faulkner, Ernest Hemingway oder John Steinbeck, die aus seiner Sicht mit eher hemdsärmeliger Prosa ihr Publikum begeistert hatten – trotzdem (oder gerade deshalb!) eroberte »Herzog« den US-Markt und später die halbe Welt.

So subtil und scharf zugleich, wie es wohl nur ein Bellow kann, ging er mit seinen berühmten Vorgängern ins Gericht. Auf die Frage »Was ist der Mensch?«, antwortete er in seinen 1963 veröffentlichten Anmerkungen zur neueren amerikanischen Erzählprosa, »haben die Autoren der jüngeren Vergangenheit keine befriedigende Antwort gefunden«. Eleganter konnte man nicht an einem Denkmal wie Hemingway kratzen, dessen Berühmtheit Bellow nie erreichte.

Seine Antwort gibt Bellow in »Herzog« mit der Beschreibung von fünf entscheidenden, aber eher handlungsarmen Tagen im Leben Herzogs, der sich an den Vordenkern aus Europa abarbeitet (»Hegel setzte ihm heftig zu.«). Dabei serviert der Autor schwere Gedanken-Kost so leicht, lässt den Leser so unterhaltsam teilhaben an den getrübten Freuden und den erheiternden Trübnissen seines Hamlets aus dem Zettel-Reich, dass er auch jene nicht verschreckt, die Spinoza für ein Pasta-Gericht halten. »Auf einen Intellektuellen«, mokierte sich Bellow gerne über die so genannte Bildungsgesellschaft, »kommen tausend Wichtigtuer« – Thomas Mann inklusive. Dessen »intellektuelles Gehabe, dieses Sich-Wichtig-Machen« lehnte er ab. Den »Zauberberg« etwa sah er gar in Manns Ansprüchlichkeit »ertränkt«.

Aber Bellow musste auch einstecken, etwa von Norman Mailer, der ihm den »Verstand eines eher dummen College-Lehrers« bescheinigte, »der zu viele Bücher gelesen und keines davon verstanden hat«. Da mag dem literarischen Konkurrenten der blanke Neid die Zunge gelöst haben, nachdem Bellow zum zweiten Mal den renommierten National Book Award erhalten hatte – diesmal für »Herzog«.

In hochmütiger Bescheidenheit betonte Bellow, er beschäftige sich doch nur mit dem »porösen Material, das die Lücke zwischen dem Zufall unserer Geburt und der Krankheit des Sterbens« füllt – in anderen Worten: mit den ebenso schlichten wie letztlich unbeantwortbaren Sinnfragen nach dem Woher, Wohin, Wozu. Saul Bellow »glaubt an die Seele« erklärte sein amerikanischer Kollege John Updike dessen Erfolgsgeheimnis. Deshalb, befand der Schriftsteller Martin Amis, müsse er eigentlich »Soul« Bellow heißen.

»Das menschliche Verständnis und die subtile Kulturanalyse, die sich in seinem Werk vereinen« beeindruckten auch die Schwedische Akademie. 1976 verlieh sie Bellow, der zuvor schon den Pulitzerpreis und zum dritten Mal den National Book Award erhalten hatte, den Literaturnobelpreis. Die zentralen Sätze seiner Dankesrede könnten auch vom späten, genesenen Herzog stammen. Eindringlich plädiert Bellow für den Respekt vor dem »Einfachen und Wahren«. Dabei sei es die vornehmste Aufgabe des Schriftstellers, an »unser Mitleid und unseren Schmerz, an das latente Gefühl der Verbundenheit mit allen Geschöpfen« zu appellieren. Und er fordert mit den Worten Joseph Conrads »eine Solidarität, welche die Einsamkeit unzähliger Herzen verknüpft«. Eben dies zu leisten galt Bellow als die höchste Aufgabe der Literatur. Von »heiligen Seelenzuständen« soll er geschwärmt haben, die Romane in ihren besten Momenten auslösen könnten.

Und so überrascht es nicht, dass Bellow auch den Erinnerungsfetischisten Moses Herzog schließlich aus seiner Einsamkeit zurückholt ins Hier und Jetzt. Er lässt ihn nicht glücklich werden, das wäre Bellow zu billig. Aber Herzog hat auch nicht »den Verstand verloren«, wie er es in seinem allerersten Satz befürchtet hatte. Er hat vielmehr seine Seele gefunden, kann sich einlassen aufs Ich und damit auch auf andere – zum Beispiel auf Ramona, die scheinbar erste nicht neurotische Frau in seinem Leben. Er ist »durchaus zufrieden, zu sein, zu sein, wie es gewollt ist, und für so lange, wie ich Wohnrecht habe«. Es hat sich ausgezettelt. Vorerst.

Nachwort von Dieter Bednarz zu Herzog. SPIEGEL-Edition Band 13 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Herzog
OA 1964 DE 1965 Form Roman Epoche Moderne
Herzog bildet für viele den Höhepunkt in Saul Bellows Karriere. Die brillante Erzähltechnik und die Prägnanz der intellektuellen Abschweifungen sicherten dem Autor den Status als einer der wichtigsten US-Nachkriegsautoren.
Inhalt: Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratet Professor Moses Herzog die schöne, aber neurotische Madeleine und bezieht mit ihr ein entlegenes Landhaus in Massachusetts. Hier schreibt Herzog mit Schwierigkeiten an seinem Buch über die europäische Romantik, die er wegen ihrer Lebensfeindlichkeit immer kritischer betrachtet. Herzog und seine Frau lernen ein anderes junges Pärchen, die Gersbachs, kennen. Der egozentrischen Madeleine gefällt das ländliche Leben bald nicht mehr, sie will wieder in einer großen Stadt leben. Mit ihrem Töchterchen ziehen sie nach Chicago, wo Herzog den Gersbachs Arbeit besorgt. Kurz nach der Ankunft lässt sich Madeleine von Herzog scheiden, woraufhin er fast zusammenbricht. Nachdem Herzog nach New York gezogen ist, erfährt er, dass Madeleine seit längerem mit seinem Freund Valentine Gersbach fremdgeht und alles geplant hatte. In New York lernt Herzog Ramona kennen, eine attraktive und natürliche Frau. Durch ihre Wärme und Güte erlangt er wieder ein positives Bild vom Leben. Mit gestärktem Selbstbewusstsein fliegt er nach Chicago, wo er die Ermordung von Madeleine und ihrem Liebhaber plant, den zerstörerischen Gedanken aber wieder verwirft. Danach kümmert er sich verstärkt um seine Tochter und besucht mit ihr ein Aquarium und hat einen Autounfall. Die Polizei nimmt ihn wegen einer unregistrierten Pistole fest, die in seiner Tasche gefunden wird. Nach kurzer Haft, seinem Tiefpunkt, kehrt er verzweifelt und allein zu seinem Landhaus zurück, wo er den Kontakt zur Welt abbricht. In seiner Einsamkeit zieht er Bilanz und schreibt fragmentarische Briefe. Der Besuch seines Bruders und Ramona deutet an, dass er sich wieder der Gesellschaft anschließen wird.
Aufbau: Ein kurzer Aufenthalt Herzogs in seinem Landhaus bildet den äußeren Rahmen des Romans. Die bruchstückhafte Struktur der inneren Geschichte in seinem Kopf spiegelt die Unruhe und Verwirrung der Titelfigur. Erinnerungen, Monologe, Briefe und philosophische Exkurse geraten durcheinander und bilden den Kern des Werks. Die auffälligen Brieffragmente, die er ständig aus Ärger und Frust schreibt, aber so gut wie nie vollendet oder abschickt, sind nicht nur Symptome seiner geistigen Krankheit, sondern auch Selbsttherapie. Am Ende des Romans bricht er aus seiner Introvertiertheit heraus und hört auf zu schreiben, was als Zeichen seiner Genesung angesehen werden kann.
Wirkung: Herzog erlebte gleichzeitig enormen Zuspruch und kritische Anerkennung. Der unterdrückte persönliche Frust im Werk nahm die sozialen Unruhen vorweg, die Ende der 1960er Jahre ihren Höhepunkt erreichten. Der Reichtum an philosophischen Ideen stieß auf große Resonanz, Bellows Ablehnung der Philosophie des Leidens, die der damals populäre Existenzialismus von den Romantikern erbte, wurde positiv aufgenommen. J. K. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Ein Buch für's Leben 4. Januar 2007
Von deathdealer92618 TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
'Herzog' ist eines von denen Büchern, die man wohl immer wieder aus dem Regal ziehen wird, ziehen muss, weil es eine riesige Fülle an Ansichten und Informationen verpackt.
Die Titelfigur des Romans befindet sich in einer Lebenskrise. Seine zweite Ehe ging gerade in die Brüche, seine Exfrau spielt ein mieses, intrigantes Spiel mit ihm, will nichts mehr von ihm wissen und hat sich auch noch seinen ehemals besten Freund geangelt (das ganze von langer Hand geplant), zudem sieht er seine Kinder nur noch selten. Herzog zweifelt an allem. Er ist hin- und hergerissen zwischen Frauen und auch zwischen diversen Lebensanschauungen, lernt eine neue Frau kennen, plant einen Mord und besiegelt durch einen Autounfall seinen psychischen Tiefpunkt. Immer wieder schreibt er kurze Notizen nieder, oft auch Briefe, die allerdings zumeist Fragment bleiben und nie abgeschickt werden, in denen er aber seinen Briefpartnern Gedanken und Probleme mitteilen kann, nicht nur persönlicher sondern (je nach Empfänger) auch politischer und philosophischer Art. Und das stellt für ihn eine Therapie dar. Er schreibt an Frauen, an seine Kinder, an Kollegen, Anwälte, an den Präsidenten, an tote wie auch lebende Philosophen und sogar an Gott. Durch diese Briefe erhält man als Leser einen Einblick in politische, sozialkritische und auch philosophische Fragestellungen und Problemlagen. Saul Bellow dienen diese Briefe als Stilmittel, denn sie führen in die Vergangenheit oder in die Zukunft von Herzogs Leben. Der zu Beginn beschriebene Aufenthalt Herzogs in seinem Landhaus ist nur die Rahmenhandlung mit der auch das Buch beendet wird. Der Roman ist also wie ein Mosaik, bestehend aus, zwar schon einem stringentem Handlungsablauf, aber durch viele nicht chronologisch erzählte Geschichten unterbrochen und somit eben aus vielen kleinen Steinchen die sich am Ende zu einem Bild zusammenfügen (Jetzt weiß ich, von wem Toni Morrison 'gelernt' hat).
Ein tolles, lehrreiches, interessantes Buch über einen Intellektuellen in der Ideologiekrise und über das Amerika der frühen 1960er Jahre. Einen Stern ziehe ich ab, weil es sich ein manchen Stellen ein bisschen zieht.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Bellow at his best! 17. Oktober 2001
Format:Taschenbuch
Eigentlich ist er ja zu bedauern. Nichts geht mehr, die Frau(en) sind im weggelaufen, die Kinder darf der nicht mehr sehen, sein Freund interessiert sich nur noch für eine andere Frau (zu allem Unglück auch noch Herzogs ...) und die wissenschaftliche Karriere ist längst schon ins Stocken geraten. Ja, eigentlich sollte man ihn bedauern. Aber gerade das will Bellow nicht. Wieder einmal ist sein Protagonist am Rande des Wahnsinns, zumindest scheint er so auf die anderern zu wirken. Wieder einmal reicht ihm all seine Weisheit nicht aus. Und dennoch, Herzog gibt nicht auf. Er führt uns mit Humor durch das Tal der (intellektuellen) Finsternis und zeigt uns dabei die Welt in all ihrer Komplexität. Solch einen Tiefgang weisen nur wenige Autoren auf und Bellow macht es hier mit einer bewundernswerten Leichtigkeit. Leicht, zumindest im Anbetracht der Fülle der Themen und Einsichten, die einem hier geboten werden. Wer es wagt, sich auf die große Reise durch den Dschungel des moderen Seins zu machen, der wird reich belohnt. Ein Roman, der seinen festen Platz unteren den großen Romanen des 20. (und 21.) Jahrhunderts inne hat.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ströme 9. August 2007
Von Polar
Format:Gebundene Ausgabe
Um den Roman zu lesen, muß man einige Erfahrung mit anspruchsvoller Literatur gesammelt haben. Saul Bellow macht es einem nicht leicht, die Geschichte Moses Elkanah Herzogs zu lesen, der sein Leben bilanziert. In Briefen, monologartigen Selbstspiegelungen legt er Zeugnis von sich ab, schlägt dabei einen schonungslosen Ton an, der nicht selten mürrisch, trüb wirkt, fast lebensüberdrüssig. Sein Scheitern sucht nach Rechtfertigung, nach einem Ausweg in die Wirklichkeit, die ihn umgibt. Faszinierend in all den Zweigen, aber anstrengend im Ganzen. Es gibt einige Romane von Bellow, die leichter zugänglich sind.
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