Abenteuer Alpen [4 DVDs]'Abenteuer Alpen' macht Lust auf Berge!
Die Sammlung gibt einen guten Einblick in das Filmschaffen Jürgen Gorters.
Mehr durch Zufall bin ich auf das Filmschaffen von Jürgen Gorter aufmerksam geworden. Dann las ich eben hier bei amazon eine Kritik seiner Bergfilme und wurde neugierig, so dass ich mir die Reihe 'Abenteuer Alpen' bestellte. Nachdem ich nun alle 4 DVDs gesehen habe, bin ich zu einem ganz anderen Urteil gekommen, und das liegt möglicherweise daran, dass ich zum einen selbst seit etwa 20 Jahren begeisterter Skitourengänger und Bergwanderer, zum anderen aber auch begeisterter Filmamateur bin. Von daher sehe ich Filme von Profis, wie es Gorter war, mit kritischer Aufmerksamkeit.
Sein Film über die Haute Route hat mich besonders beeindruckt. Dies liegt sicher daran, dass in dem Streifen die Tour einmal von Ost nach West, dann aber auch noch von Argentière nach Zermatt begangen wird. Ich bin die Tour erstmals 1995 angegangen, um sie im Jahr darauf erfolgreich zu beenden. Der Übergang über den Col du Chardonnay war damals auf der Ostseite schon nicht mehr befahrbar. Wir mussten uns abseilen. Damit will ich einen wichtigen Hinweis geben: Als Führer taugen Gorters Filme sicher nurmehr bedingt, weil infolge der Klimaerwärmung viele Übergänge nicht mehr so begehbar sind, wie sie es damals noch waren. Das tut aber seinem Filmschaffen keinen Abbruch. Für mich waren Bild und Musik speziell an diesem Streifen ein willkommener Stimulus, um die eigenen Erinnerungen wieder zu wecken. Für jemanden, der noch nicht auf der hohen Route unterwegs war, dem dürfte mit diesem Film der Mund wässerig gemacht werden. Der Film hat Atmosphäre, er weckt mit seinen schönen Einstellungen die Sehnsucht nach dem Weg dort oben, der das Ziel ist.
Der Film über die Graubünden-Skiroute zeigt eine ganz andere Tour. Die Aufstiege geschehen zumeist mit Bahnen und es bleibt der Rausch des Skifahrens in anspruchsvollem Gelände. Die Darsteller haben hier eine Aufgabe erhalten, die eigentlich professionellen Schauspielern zur Ehre gereicht hätte. Aber wo bekommt man schon Darsteller her, die nicht nur ihre Rolle perfekt ausfüllen und dazu noch perfekt Skifahren können? Was mir an diesem Werk Gorters jedoch aufgefallen ist, sind die Standpunkte, die der Kameramann erklommen hat, um lange, schöne Einstellungen bei schönem Licht zu bekommen. Dieser Bilder vermögen dann auch den einen oder anderen härteren Übergang beim Schnitt vergessen machen.
Die beiden Streifen über die Dolomiten- und die Silvretta-Skirouten lassen beim Skitourengänger ebenfalls wieder Sehnsüchte aufkommen: Wann könnten wir das mal in Angriff nehmen? Der Filmbegeisterte hingegen bewundert die Einstellungen, die dem Kameramann Gorter gelungen sind, so etwa, wenn die Skifahrer von links ins Bild kommen, die Kamera mitzieht und dann der Blick auf die drei Zinnen fällt. Erhabenes wir oft pompös in Szene gesetzt. Nicht so hier!
Während bei allen bis hierher besprochenen Streifen Jürgen Gorter Regisseur und Kameramann war, so führt in der Karwendel-Monographie Hans-Jürgen Panitz Regie. Dieser Film hat einen ganz anderen Charakter. Sind die bisher besprochenen Werke Gorters um Heiterkeit bemüht, so sind die Karwendel-Filme ernsthafter, getragener. Dies rührt sicherlich auch daher, dass in der Karwendel-Monographie klassische Musik zur Untermalung eingesetzt wurde. In der 'Monographie', aber auch in 'Herbsttagen im Karwendel', gefiel mir auch der Schnitt besonders gut. Der Kameramann hat auf Anschluss gedreht und der (die) Cutter(in) hat professionelle Arbeit geleistet.
Die beiden Filme Gorters über die Zugspitze behandeln zum einen die Begehung des Jubiläumsgrates, zum anderen den Aufstieg auf den Gipfel der Zugspitze durch das Höllental. Der Bericht über die Begehung des Jubiläumsgrates vermittelt eindringlich, welch hohe Anforderungen diese Tour an die Kletterer stellt. Die Tiefblicke lassen den 'Ungeübten' selbst noch vor dem Bildschirm erschauern und beim Betrachten wurde mir immer wieder bewusst, dass der Bergfilmer Gorter auch ein hervorragender Alpinist gewesen sein muss.
Die Tour durch das Höllental auf die Zugspitze macht hingegen auch normalen Bergfreunden wieder Lust, sich selbst auf den Weg zu machen. Sicherlich wird man auch darüber dazu ermuntert, dass der älteste Teilnehmer in diesem Filmteam bereits 74 Jahre ist/war. Dabei ist auch diese Tour kein Zuckerschlecken, was dieser Streifen ebenfalls eindringlich vermittelt. Besonders reizvoll dabei: der Originalton. Er ersetzt über weite Passagen den Kommentar, weil die Stimme des Bergführers jede Passage mit Anweisungen an die Tourengeher erläutert.
Der Höhepunkt in der Filmsammlung ist schließlich sein Werk über das Matterhorn. Neben historischen Streifen (Luis Trenker) zur Illustration über die Geschichte der Erst-besteigung enthält der Film auch anderes interessantes Material, z. B. die Befahrung der Ostwand per Ski durch Tony Valerutz. Der letzte Teil zeigt einen Bergführer mit seinem Gast bei der Besteigung über den Hörnligrat. Hier bestätigt sich wieder, was schon ober erwähnt wurde. Gorter war nicht nur ein hervorragender Kameramann, er war auch ein exzellenter Bergsteiger. Nur wer sich sicher am Berg bewegt, kann derartige Bilder einfangen.
Mein Gesamteindruck: Gorters Filme sollte sich jeder, der ein Faible für den Bergfilm hat , anschaffen. Gorters Filme machen Lust auf die Berge. Mit dem Preis von € 13,90 ist 'Abenteuer Alpen' ein wahres Schnäppchen. Also: Zuschlagen, Leute!