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Abendland: Roman
 
 
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Abendland: Roman [Taschenbuch]

Michael Köhlmeier
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (31 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 784 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. November 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423137185
  • ISBN-13: 978-3423137188
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,4 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (31 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 95.744 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Michael Köhlmeier
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der 58-jährige österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier ist mit Kurzgeschichten und mit Nacherzählungen antiker Mythenstoffe bekannt geworden: mit der kleinen, dramatischen Form, in der von der Entstehung der Gewalt und der Liebe, aber auch vom Werden der Welt die Rede war. Jetzt hat er sich der großen, epischen Form verschrieben, dem gesamten Abendland zudem -- Weltgeschichte, verknüpft mit einer Biografie.

Auf dem Sterbebett erzählt der greise Mathematiker Carl Jacob Candoris, der immer wieder nur knapp am Nobelpreis vorbeigeschliddert ist, dem befreundeten Schriftsteller Sebastian Lukasser seine Geschichte. Candoris ist Zahlenjongleur und Musikfan, er hat gegen die Nazis gekämpft und war bei den Nürnberger Prozessen anwesend, war befreundet mit der Mathematikerin Emmy Noether und der später heilig gesprochenen Edith Stein. Er hat also viel zu erzählen, und die rund 800 Seiten von Abendland nutzen den Stoff, um die Zeit der K.u.K.-Monarchie, des ersten und zweiten Weltkriegs, des Kalten Kriegs und des deutschen Herbstes am geistigen Auge des Lesers vorbeiziehen zu lassen. Verknüpft hat Köhlmeier die Geschichte Candoris’ mit der Autobiografie seines Biografen Lukasser, vor allem aber mit der Geschichte von dessen Vater Georg, der Alkoholiker und begnadeter Musiker gewesen ist, ein Genie des Jazz und einer, der der elektronischen Musik die Wege wies.

Nebenaspekte des Abendlands im 20. Jahrhundert werden Nebenfiguren, Freunden und Geliebten angedichtet, und es ist schon erstaunlich, wie bei einer derart ungeheuerlichen, ja fast schon künstlichen erzwungenen Konstruktion ein derart lesenswertes Panorama des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Köhlmeier ist das Unmögliche gelungen. Vielleicht ist Abendland kein Jahrhundertroman, aber er ist der kluge und lesenswerte Entwicklungs-, Familien- und Künstlerroman eines ganzen Jahrhunderts. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

kulturnews.de

Eine Scheherazade in unserer Zeit ist zum Scheitern verurteilt. Michael Köhlmeiers "Abendland"-Held Sebastian Lukasser muss Freundin Dagmar zu Beginn seiner Schriftstellerlaufbahn zuerst täglich eine, dann gar zwei Geschichten schreiben und vortragen. Irgendwann gehen ihm die Ideen aus, und als Sohn David da ist, trennen sich die Wege der beiden. Und doch ist Köhlmeier selbst eine Art abendländische Scheherazade. Sein Roman setzt sich zusammen aus unendlich vielen kleinen Geschichten, in deren Zentrum die Familie des genialen Wiener Jazzmusikers Georg Lukassser und dessen Freund Carl Jakob Candoris stehen. Köhlmeier verwebt diese Geschichten zu einem Erzählteppich, dessen Muster das gesamte 20. Jahrhundert abdecken. Dadurch, dass er das Prinzip der oral history anwendet - die Personen der Handlung erzählen sich die Geschichten gegenseitig - bekommt dieses Brikett von Buch enorme Leichtigkeit. Gerade wenn Köhlmeier mit Edith Stein eine jüdische, in Auschwitz ermordete Intellektuelle oder mit Robert Oppenheimer den Vater der Atombombe als Personen der Zeitgeschichte in die Handlung aufnimmt, tut diese Leichtigkeit gut. Denn die Geschehnisse selbst sind oft auch im Rückblick schlicht zum Heulen angesichts des schuldhaften Verhaltens aller - von der katholischen Kirche bis zur Naturwissenschaft. (jw) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbarer Roman mit Liebe zum Detail, 3. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Abendland: Roman (Gebundene Ausgabe)
Gleich vorweg, das tollste an diesem Buch ist die Art und Weise, wie Hr. Köhlmeier schreibt. Als ernstzunehmender Schriftsteller verbürgt er sich meiner Meinung nach für absolut exakte Erzwählweise. Man findet weder gedankliche, sprich inhaltliche Fehler und auch die (von manchen als verwirrend und unnötig angesehene) chronologische Unordnung ist sicherlich beabsichtigt und trägt außerordentlich dazu bei, den Bann der Geschichte auf den Leser zu verstärken. Man ist des Öfteren gezwungen, sich alle Protagonisten eines Handlungsstranges nochmals ins Gedächtnis zu rufen, um der Geschichte mit der gebührenden Aufmerksamkeit folgen zu können. Ab und wann heißt es sogar "zurückblättern!" um bestimmte wichtige Passagen oder Ereignisse noch einmal nachzulesen.
Für mich war das gesamte Buch ein herrliches literarisches und historisches Erlebnis. Ich würde es nicht unbedingt als Abenteuerreise bezeichnen, aber man kann nicht aufhören zu lesen, da (ich übertreibe) auf jeder Seite neue Informationen auftauchen, die einem beim Zusammensetzen der gesamten Geschichte im Kopf weiterhelfen. Ein äußerst unterhaltsames Puzzlespiel, für das man sich Zeit nehmen muss und aber auch will.
Als letztes möchte ich noch hervorheben, dass alle vorkommenden Charaktere unabhängig von ihrer "Wichtigkeit" unglaublich gut entwickelt und beschrieben werden. Der Leser ist dadurch in der Lage, sich ein umfassendes Bild über die Personen zu machen, diese zu werten und sich dadurch selbst viel enger mit den Aussagen und Meinungen der "Erzählenden" ausinanderzusetzen.
Einfach Spitzenklasse. Schwerstens zu empfehlen. Die Betonung liegt auf schwerstens.
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71 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der lange Schatten des Schutzengels, 6. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Abendland: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Abendland" ist die Lebensgeschichte und auch Lebensbeichte des Mathematikers, Wissenschaftlers, Universitätsprofessors, Weltenbummlers, Dandys und Jazz-Liebhabers Carl Jacob Candoris, der 1906 geboren und 2001 gestorben ist. Eng verwoben mit dieser Biographie ist jene des Ich-Erzählers, Sebastian Lukasser. Candoris ist aber nicht nur ein überdurchschnittlicher Wissenschaftler, sondern auch begeisterter Jazz-Kenner. Als solcher lernt er Sebastians Vater, Georg Lukasser, in einem Wiener Jazz-Club kennen. Georg Lukasser ist ein hochbegabter Gittarist und findet in Carl Jacob Candoris seinen Förderer und Mäzen, nicht nur im Musischen, sondern auch im Privaten. Candoris verkuppelt Agnes, eine Servierkraft des Hotel Imperial, mit Georg und wird zum Patenonkel für deren gemeinsames Kind, besagten Sebastian Lukasser.

Im Zuge von mehreren Interviews, die Sebastian Lukasser mit Candoris in seiner Villa in Lans, nahe Innsbruck, kurz vor seinem Ableben führt, hält Sebastian in Stichworten und auf Tonbändern das bewegte und ereignisreiche Leben von Candoris fest. Der Roman ist die Bearbeitung der Lebensgeschichte durch den Schriftsteller Sebastian Lukasser. Der Leser erfährt über Candoris' Leben hauptsächlich aus der gefilterten Perspektive des Sebastian Lukasser. Über Sebastian Lukasser erfährt der Leser auf diese Weise ebenso viel wie über den Carl Jacob Candoris. Sebastian ist Schriftsteller, gerade an der Prostata operiert worden und zur Rekonvaleszenz auf Besuch bei Candoris. Im Sinne der Doppelbiographien, mit denen der Schriftsteller Sebastian Lukasser berühmt geworden ist, entsteht in "Abendland" selbst eine solche Doppelbiographie. Immer wieder pendelt der Leser zwischen den Familiengeschichten von Candoris' und jener der Lukassers. Er erfährt über Candoris' portugisische Frau Margarida, über deren Alltag zunächst in Wien, später in Innsbruck, aber auch über das Alltagsleben der Lukassers im Allgemeinen und über das Leben von Sebastian in Wien, Nofels (Vbg.), Frankfurt, New York, North Dakota im Besonderen.
Candoris Leben füllt dabei das gesamte 20. Jahrhundert aus. Das Spannende an dem Roman ist auch, dass Alltäglichkeiten, Alltagssorgen und Biographisches eng mit geschichtlichen Ereignissen verwoben sind. Sie sind dabei aber nicht dominant oder übermächtig, bilden aber die Folie, auf der sich das Geschehen abspielt. Dabei beschränkt sich der Roman nicht nur auf Europa (ein Europa vor dem Ersten Weltkrieg, ein Europa der Zwischenkriegszeit, ein Europa der Nachkriegszeit, ein Europa des Jahres 1968 oder ein Europa bzw. Deutschland der RAF), sondern greift aus auf Nordamerika (insbesondere New York), auf die Sowjetunion der Ära Stalin, auf Japan am Ende des Zweiten Weltkriegs und auf Afrika am Beginn des 20 Jahrhunderts, als der Kolonialismus noch in vollster Blüte stand, aus.

Der Bogen wird weit gespannt und wird durch die Figur des Carl Jacob Candoris zusammengehalten, er ist die Klammer des gesamten Romans. Anders als bei Sebastian Lukassers Doppelbiographien reicht bei Candoris aber eine Gegenfigur nicht aus, um ein Gleichgewicht, eine Balance zu schaffen, er benötigt eine ganze Familie (neben Georg Lukasser und Sebastian Lukasser auch noch Sebastians Sohn David). Für alle drei ist er eine Art Patenonkel bzw. Schutzengel, der in brenzligen Situationen, bei Ausweglosigkeiten und Unbill aller Art gerufen wird. Er ist der Angelpunkt, auf den sich alles im Roman bezieht, der den Roman in seinem Innersten zusammenhält.

"Abendland" ist in jederlei Hinsicht ein Panoptikum, der Roman ist ein historisches Panoptikum genauso wie er ein biographisches Panoptikum ist. Der Roman ist aber auch ein Puzzle mit unendlich vielen Teilen. Auch wenn wir Leser noch so viele Details und Begebenheiten aus dem Leben von Candoris' und aus dem Leben des Sebastian Lukasser wüssten, den ganzen Menschen könnten wir dennoch nie erfassen. Das ist vermutlich auch die Crux eines jeden Biographen. Dass es Michael Köhlmeier aber dennoch gelungen ist, einen sehr verdichteten und fesselnden Roman zu konzipieren, der sich dabei weder an eine äußere Chronologie noch an eine innere Logik hält (so wie es uns selbst beim Erinnern ja auch geht), ist das Bemerkenswerte an diesem auch sprachlich äußerst gelungenen Werk.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Lebensgeschichte - generationsübergreifend, 14. Dezember 2008
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Abendland: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Biografien zweier Familien im Kontext der historischen Geschehnisse im 20. Jahrhundert erzählt der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier in dem großartigen Roman "Abendland". Im Mittelpunkt steht der Lebemann Carl-Jakob Candoris, der seinem Patenkind Sebastian Lukasser, Sohn des einst berühmten Gitarristen Georg Lukasser, seine Lebenserinnerungen diktiert. Und er hat in der Tat einiges erlebt: in den Jazz-Kellern im Wien der Nachkriegszeit, von wo aus eine aufregende Weltreise durch die Zeit und die Geschichte mit Stationen in Frankfurt, Lissabon, mit Moskau und New York begann. In diese Lebensgeschichte mit Anekdoten und Reflexionen flicht Köhlmeier auf literarisch interessante Weise die Lebensgeschichte des Protokollanten Sebastian ein. Er, auch nicht mehr der Jüngste, nach einer Operation von Inkontinenz geplagt, spiegelt sein Ich generationsübergreifend im Lebensentwurf des Alten. Lebendig und im guten Sinne ausufernd, klug und kundig erzählt ist "Abendland" ein außergewöhnlicher Roman.
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