In dieser längeren Erzählung gibt Stifter ein Bild vom menschlichen Leben, das ins Universale und Zeitlose ausgeweitet ist. Sein Held, der Jude Abdias, lebt "tief in den Wüsten innerhalb des Atlasses" (S.7) in und auf den Trümmern einer alten Römerstadt, seine Jugend und Mannesjahre sind gekennzeichnet von der Jagd nach Besitz, Ruhm und Macht. Seine Erfolge steigen ihm zu Kopf, er wird größenwahnsinnig und überlegt sich, was würde, "wenn er Sultan würde, wenn er die ganze Erde eroberte und unterwürfe" (17). Aber schon naht das Unglück, die Nachbarn hassen ihn wegen seines Reichtums, Pocken entstellen sein Gesicht, so dass sich seine schöne Frau Deborah von ihm abwendet und schließlich rächt sich ein vormals gedemütigter Kriegsherr an Abdias und seiner Stadt, Deborah stirbt, die Nachbarn zwingen ihn zu Enschädigungszahlungen, nur ein Baby, die Tochter Ditha, ist ihm geblieben.
Von nun an ist Abdias wie betäubt. War die Schilderung bis hierhin gedrängt, dramatisch und hatte eher theatralischen als realistischen Charakter, so wird sie nun gedehnt - Beschreibungen von seinen bloßen Tätigkeiten ums Haus herum, Naturschilderungen treten in den Vordergrund. Er flieht schließlich, nachdem er wieder etwas zu Geld gekommen ist, nach Europa in die Gegend, in der der Erzähler lebt, wo er sich mit Ditha und wenigen Dienern in einer Einöde niederlässt, sich in seinem neuen Haus gewissermaßen gegen die Außenwelt verschanzt und sein Land bestellt. Es stellt sich heraus, dass die Kleine blind ist. Der Vater ist nun rührend und liebevoll um sie bemüht. Ein Wunder geschieht, als das schöne Mädchen bereits herangewachsen ist, indem sie nach einem Blitzeinschlag wieder sehend geworden ist. Abdias lernt nun im übertragenen Sinne mit dem Mädchen ebenfalls wieder sehen. Aber auch dieses Glück währt nicht lange...
Einleitend reflektiert der Erzähler darüber, was das menschliche Leben bestimmt: Schicksal oder nachvollziehbare Verkettung von Ursache und Wirkung. Die Einsicht in die schuldhafte Hybris Abdias' stellt sich schnell genug her. Schwieriger wird es den ausgedehnten Teil zu verstehen, in dem die Beschreibung der Mühen des Vaters mit dem blinden Mädchen und ihres Lebens in der Natur dominiert. Offensichtlich will Stifter hier zeigen, wie ein liebevoll fürsorgliches Leben, das sich für die Schönheit der Natur öffnet, und die Arbeit in der Natur selbst einen Sinn erzeugen. Abdias wird zwar immer wieder von Geiz und Rachegefühlen übermannt, führt aber sein Leben ruhig zu Ende: "In hohem Alter hatte er die schwarze Farbe verloren und war wieder gebleicht worden, wie er in seiner Jugend gewesen war. Viele Menschen haben ihn auf der Bank seines Hauses sitzen gesehen." (85). - Die Parallelen zu Stifters Leben selbst drängen sich auf: Wie Abdias wurde Stifter von Pocken entstellt und verlor sich zu dieser Zeit in einer ausweglosen Liebe zu einer Fanny Greipl - so wie Abdias zu Deborah. Vielleicht ist die Darstellung der rührenden väterlichen Liebe zu dem schönen, heranwachsenden, erst blinden, dann sehenden Mädchen eine Sublimierung von Stifters unglücklicher Liebe zu Fanny. - Immer merkt man sein Ringen um die Aussage, das ist manchmal eine holprige und gedehnte Lesekost mit schroffen Übergängen, aber auch immer voll innerer Spannung und interessant.