Auch wenn sie der Verbannung zur Sträflingsinsel entronnen ist, so sind Abby und Andrew immer noch gesuchte Flüchtlinge, was ein Leben in der Kolonie so gut wie unmöglich macht. Deshalb schließen sie sich einem Siedlertreck um Abbys Freundin Megan und deren Mann an, welche außerhalb der Kolonie nach fruchtbarem Land suchen wollen. Doch Cleo hat ihr Wut über Abbys erfolgreiche Flucht nicht vergessen und verfolgt sie hartnäckig - mit Unterstützung des korrupten Militärs.
Der Band beginnt spannend mit dem Auszug des Siedlertrecks in die bisher unerforschte Wildnis Australiens und die Spannung wird auch nie weniger, bis es am Ende zu einem dramatischen Treffen zwischen Abby und Andrew und den Soldaten kommt. Zwischendrin stellt der Autor gekonnt anhand dieses Trecks die Schwierigkeiten dar, welche bei der Besiedlung Australiens aufgetreten sind, so dass das Buch auch viel Wissen vermittelt ohne langweilig zu werden.
Sehr schade und enttäuschend fand ich aber, dass Megan nahezu keine Rolle spielt. Die ganze Reihe über wird sie als eine der zwei Freundinnen von Abby bezeichnet, aber jetzt wohnen die beiden zusammen in einem abgelegenen Tal in der Wildnis - und im ganzen Buch hat Megan vielleicht drei Zeilen. Weniger als Rachel, die tot ist und an die sich Abby nur erinnert. Demzufolge wird dann natürlich auch nicht die seit Band 1 offene Frage, warum Megan keinerlei Angst vor Cleo hat, nicht beantwortet, obwohl es dazu unzählige Möglichkeiten gegeben hätte. Aber nein, der Handlungsfaden bleibt einfach offen.
Ebenso fand ich die Rückkehr von Bruder Melvin nicht so glaubhaft. Okay, das Timing ist natürlich sowieso alles andere als realistisch, aber das lässt sich verschmerzen. Und vielleicht bin ich da auch einfach zu alt für ein Kinderbuch und altersgerechtere Leser würden sich nichts dabei denken, aber wenn es für Melvin (und Sarah) so einfach war nach England zurückzukehren und dort offensichtlich ein gutes, erfolgreiches und auch recht einflußreiches - zumindest bei Melvin, Sarah ist ja noch ein Kind - Leben zu führen, warum dann dieses jahrelange Versteckspiel mit all seinen schrecklichen Folgen anstatt sich gleich nach dem Aufstand nach England einzuschiffen?
Der erste Band der vier Teile ist deutlich der beste, aber auch der dritte und vierte sind gut zu lesen, auch wenn sie ihre Schwächen haben. Etwas enttäuscht war ich dagegen von dem zweiten Band, der sich einfach zu viel mit der Welt der Aborigines und zu wenig mit Abby selbst beschäftigt. Insgesamt bin ich froh, die Serie endlich gelesen zu haben, auch wenn es rückblickend kein Verlust gewesen wäre nach dem ersten Band aufzuhören. Jetzt weiß ich es aber wenigstens.