Ich habe schon sehr viel gelesen zu den Themen Mißbrauch, Narzißmus, Erziehungsratgeber und Bücher, die aufklären und helfen sollen. Es gibt nicht viele, wirklich gute Bücher zu diesen Themen und es ist schwer und langwierig, die wirklich brauchbaren Bücher zu finden. In Alice Miller habe ich eine Autorin gefunden, die sich kontrovers mit unserer Gesellschaft und ihren Pfeilern auseinander setzt. Sie beschreibt verständlich und einleuchtend, wie es dazu kommen kann, daß Menschen keinerlei Empathie entwickeln konnten. Da ich selbst Opfer und auch Mutter bin und verhindern möchte, daß Erlerntes weitergegeben wird, habe ich schon häufiger gedacht, Bücher dieser Art sollten eigentlich in Kurzfassungen auch werdenden Eltern zur Verfügung gestellt werden. Denn Eltern waren Opfer und viele haben nicht die Energie, so lange zu suchen, es sei denn, es ist fünf vor 12. Viele wissen nicht, warum bin ich suchtgefährdet, warum klappt es nicht in der Beziehung? Dieses Wissen müßte bereits in Schulen erwähnt werden, damit auch junge Leute bereits erfahren, daß es Hilfen und Erklärungen gibt, für Verhalten, das sie sich nicht erklären können. So wäre unsere Gesellschaft zu retten oder einer kranken Gesellschaft stünde die Möglichkeit offen, heilsame Prozesse in Gang zu bringen, einfach nur durch etwas mehr Bildung, nicht symptomatisch, sondern prophylaktisch etwas zu tun. Daß das nicht im volkswirtschaftlichen Sinne ist, ist unbestritten. Ich finde es nur schade, daß ich dies erst jetzt lesen durfte, nach langem Suchen gutes Material zu finden. Denn die Erziehung in den ersten Jahren ist derart prägend und wichtig, viel Schaden könnte abgewendet werden, wenn Eltern mehr wüßten und bereit wären, an sich zu arbeiten.