Jetzt bin ich also durch. Es war teilweise ein hartes Stück Arbeit, und trotzdem bin ich jetzt traurig. Traurig, daß ich "schon" durch bin. Und traurig über den melancholischen Ausgang, aber irgendwie fehlt ja fast allen Musikerbiografien das Happy End, und so ist es auch hier. Aber von Anfang an.
Der Autor beschreibt zunächst über viele hundert langatmige Seiten den Werdegang aller vier Abba-Mitglieder und ihres Managers. Auch wenn Kindheit und Herkunft das spätere bessere Verstehen der Persönlichkeiten der Mitglieder nützlich, ja unentbehrlich sind, so verliert sich der Autor doch in winzigen Details - man muß sich wirklich zwingen, so lange durchzuhalten, bis es mit ABBA dann so richtig losgeht. Oder auch nicht - man kann es auch einfach überblättern.
Dann jedoch wird das Buch spannend. Dies liegt weniger am Schreibstil, der - vermutlich auch aufgrund der Übersetzung - für meinen Geschmack ziemlich trocken und angestaubt, ja wissenschaftlich wirkt und nie so etwas wie Humor durchscheinen läßt, sondern an der fesselnden Story von ABBA.
Wie in einem Roman sieht man die vier auf die scheinbar unausweichliche Katastrophe zusteuern, und das Wissen um das ausbleibende Happy End macht es nicht eben leichter. Es ist eben kein Roman, sondern Realität, die man damals ja live miterleben konnte. Und auch deshalb gelingt es nur schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Im Vergleich zu den anderen, von mir jüngst gelesenen Rockbiografien (Motley Crue, Lemmy; AC/DC) befinden wir uns mit diesem Buch auf einem ganz anderen Niveau (ohne Wertung!). Endlich erhält der Leser auch Informationen über die Musik und deren zeitgenössische Auswirkung. Die Drogenstories fehlen ganz, und man ist geneigt, Abba das abzunehmen. Es ging hier wirklich um die Musik und um die Menschen, die sie machen. Parallelen zwischen den o.g. Rockern und Abba zeigen sich dann aber in den Schwierigkeiten, mit dem Busineß und den negativen Auswirkungen des Fankults umzugehen. Abermals zeigt sich, daß der Traum vom "Superstar", den auch heute so viele träumen (wie jüngst im Fernsehen zelebriert), die meisten zerbricht und bei allen finanziellen Segnungen todunglücklich macht.
Fazit: Bei allen genannten Schwächen (Schreibstil, Langatmigkeit) ein Buch, das ich keinesfalls bereue, gelesen zu haben. Und im Zweifelsfall sind zuviele Details nützlicher als Oberflächlichkeit.