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Abarat - Tage der Wunder, Nächte des Zorns: Roman
 
 
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Abarat - Tage der Wunder, Nächte des Zorns: Roman [Taschenbuch]

Clive Barker , Karsten Singelmann
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"'Abarat' ist eine Schatzkiste voller unvergesslicher Bilder, Orte und Figuren, prall gefüllt bis an den Rand - wie wunderbar, dass sie auf ein Bücherregal passt!" (Cornelia Funke )

"Einer der vielseitigsten und interessantesten Künstler der Gegenwartsfantastik." (Frankfurter Allgemeine )

"... fantastisch bunte Welten." (Die Zeit )

Kurzbeschreibung

Der zweite Teil des fünfbändigen Zyklus um die geheimnisvolle Welt von Abarat!

Jeder Tag in der Inselwelt Abarat birgt eine neue Herausforderung für Candy, denn allein sie vermag den Fürsten der Mitternacht aufzuhalten und Abarat vor der ewigen Dunkelheit zu bewahren. Gemeinsam mit ihren Gefährten stellt sie sich ihrer gefahrvollen Mission.

Mit zahlreichen Illustrationen des Autors.

Klappentext

"'Abarat' ist eine Schatzkiste voller unvergesslicher Bilder, Orte und Figuren, prall gefüllt bis an den Rand - wie wunderbar, dass sie auf ein Bücherregal passt!"
Cornelia Funke

"Einer der vielseitigsten und interessantesten Künstler der Gegenwartsfantastik."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"... fantastisch bunte Welten."
Die Zeit

Über den Autor

Clive Barker wurde 1952 in Liverpool geboren. Neben seinen zahlreichen Romanen, von denen u. a. "Hellraiser", "Candyman", "Cabal" und "Lord of Illusions" verfilmt wurden, hat er Kurzgeschichten und Drehbücher verfasst und als Illustrator, Regisseur, Filmproduzent und Computerspiel-Entwickler gearbeitet. Er gilt neben Stephen King und Dean Koontz als erfolgreichster Autor der fantastischen Literatur. Clive Barker lebt mit seinem Freund, dem Fotografen David Armstrong, in Beverly Hills.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Otto Houlihan saß in dem dunklen Gemach und lauschte den beiden Kreaturen, die ihn hierher geführt hatten – ein dreiäugiges Ding mit Namen Lazaru und dessen Kumpan Baby Pinkauge – und jetzt in einer anderen Ecke des Zimmers Schlag den Teufel spielten. Nach der 22. Partie konnte er, von Ärger und Nervosität überwältigt, nicht mehr an sich halten.
»Wie lange muss ich denn noch warten?«, fragte er sie.
Baby Pinkauge, der die großen Klauen eines Reptils und das Gesicht eines blödsinnigen Kindes besaß, schmauchte an einer blauen Zigarre und blies eine Wolke beißenden Rauchs in Houlihans Richtung.
»Man nennt dich den Kreuz-und-quer-Mann, stimmt’s?«, sagte er.
Houlihan nickte, wobei er Pinkauge seinen kältesten Blick zuwarf, einen Blick, der für gewöhnlich Furcht und Schrecken auslöste. Sein Gegenüber aber zeigte sich unbeeindruckt.
»Glaubst wohl, dass du was echt Unheimliches bist, wie?«, sagte die Kreatur. »Ha! Wir sind hier auf Gorgossium, Kreuz-und-quer-Mann. Dies ist die Insel der Mitternachtsstunde. Alles Dunkle, alles Unvorstellbare, was je die Nacht hervorbrachte, hat sich genau hier zugetragen. Versuch also nicht, mir Angst einzujagen. Damit verschwendest du nur deine Zeit.«
»Ich habe lediglich gefragt …«
»Ja, ja, wir haben’s gehört«, sagte Lazaru, deren mittleres Auge ihr dabei auf recht unbehaglich anzuschauende Weise über die Stirn rollte. »Du musst Geduld haben. Der Fürst der Mitternacht wird dich empfangen, sobald er dazu geneigt ist.«
»Hast dringende Neuigkeiten für ihn, was?«, sagte Baby Pinkauge.
»Das ist vertraulich.«
»Damit du’s weißt, er mag keine schlechten Nachrichten«, sagte Lazaru. »Er wird dann immer echt wütend, stimmt’s, Pinkauge?«
»Er wird schier wahnsinnig vor Wut! Reißt die Leute mit bloßen Händen in Stücke.«
Sie warfen einander verschwörerische Blicke zu. Houlihan schwieg. Sie wollten ihm nur Angst einjagen, aber das war vergebliche Mühe. Er erhob sich und ging zu dem schmalen Fenster, um auf die tumorartige, in ihrer Fäulnis gleichsam gleißende Landschaft der Mitternachtsinsel hinauszublicken. Insoweit immerhin traf es zu, was Baby Pinkauge gesagt hatte: Gorgossium war ein Ort des Schreckens. Er konnte die glitzernden Gestalten zahlloser monströser Wesen sehen, die durch die wüste Landschaft strichen; er konnte würzig-süßen Weihrauch riechen, der sich aus den Mausoleen des nebelverhangenen Friedhofs erhob; er konnte das schrille Kreischen der Bohrgeräte aus den Minen hören, wo jener Lehm gewonnen wurde, aus dem die Mitternachtsarmee der Sticklinge im Wesentlichen bestand. Wenn er auch sein Unbehagen Lazaru und Pinkauge gegenüber auf keinen Fall zu erkennen geben wollte, würde er froh und erleichtert sein, wenn er endlich seinen Bericht abgeliefert hatte und sich an einen weniger gruseligen Ort begeben konnte.
Hinter ihm setzte Gemurmel ein, und gleich darauf verkündete Lazaru: »Der Fürst der Mitternacht ist jetzt bereit, dich zu empfangen.«
Sich vom Fenster abwendend, sah Houlihan, dass die Tür am anderen Ende des Gemachs offen stand und Baby Pinkauge ihm bedeutete, er möge hindurchtreten.
»Schnell, beeil dich«, sagte das Kind.
Houlihan ging zur Tür hinüber und blieb dort an der Schwelle stehen. Aus dem Dunkel des Zimmers ertönte die tiefe, freudlose Stimme Christopher Carrions.
»Komm nur, tritt ein. Du kommst gerade rechtzeitig, um die Fütterung mit anzusehen.«
Houlihan folgte dem Klang von Carrions Stimme. Aus der Dunkelheit drang eine Art Flackern, das zusehends intensiver wurde, und als es eine gewisse Helligkeit erreicht hatte, sah er, dass der Fürst der Mitternacht vielleicht zehn Schritte von ihm entfernt stand. Er war in ein graues Gewand gehüllt und trug Handschuhe, die so aussahen, als bestünden sie aus einem überaus feinen Kettenpanzer.
»Es gibt nicht viele, die das hier zu sehen bekommen, Kreuz-und-quer-Mann. Meine Albträume sind hungrig, also werde ich sie füttern.« Houlihan lief es kalt den Rücken hinunter. »Sieh hin, Mann! Starr nicht ständig auf den Boden.«
Widerstrebend hob der Kreuz-und-quer-Mann den Blick. Die von Carrion erwähnten Nachtmahre schwammen in einer blauen Flüssigkeit, welche den hohen, durchsichtigen Kragen um Carrions Kopf nahezu ausfüllte. Zwei Röhrchen traten aus der Schädeldecke des Mitternachtsfürsten hervor, und auf ebendiesem Wege, nämlich geradewegs aus Carrions Schädel, waren die Albträume herausgeschwommen. Sie waren kaum mehr als längliche Lichtfäden, aber an ihren rastlosen Bewegungen, an der Art, wie sie durch den Kragen furchten, wobei sie manchmal Carrions Gesicht berührten, sich meistens jedoch gegen das Glas pressten, ließ sich ihr Hunger ablesen.
Carrion griff in den Kragen hinein. Einer der Albträume vollführte sofort eine rasche Bewegung, ähnlich einer zustoßenden Schlange, und schmiegte sich in die Hand seines Schöpfers. Carrion hob ihn aus der Flüssigkeit und betrachtete ihn mit einer sonderbaren Zärtlichkeit.
»Sieht gar nicht nach viel aus, wie?«, sagte Carrion. Houlihan äußerte sich nicht dazu. Er hatte keinen anderen Wunsch, als dass Carrion das Ding von ihm fern hielt. »Aber wenn diese Dinger sich in meinem Gehirn winden, dann zeigen sie mir überaus köstliche Schrecklichkeiten.« Der Albtraum zuckte in Carrions Hand und stieß dabei einen dünnen, hohen Schrei aus. »Daher belohne ich sie hin und wieder mit einer schönen, üppigen Angstmahlzeit. Sie mögen einfach jede Art von Angst. Mir selbst fällt es mittlerweile ziemlich schwer, irgendetwas in der Richtung zu empfinden. Da habe ich zu viel Schreckliches in meinem Leben gesehen. Also besorge ich ihnen jemanden, der noch Angst verspürt.«
Mit diesen Worten ließ er den Albtraum fahren. Dieser glitt aus der Hand heraus und landete auf dem Steinfußboden. Er schien genau zu wissen, wohin er wollte. Flackernd vor Aufregung, schlängelte er sich voran, während das von seiner schmalen Gestalt ausgehende Licht das Opfer beleuchtete: einen großen bärtigen, an die Wand gekauerten Mann.
»Gnade, o Herr …«, schluchzte der Mann. »Ich bin nur ein Todo-Bergarbeiter.«
»Na, wirst du wohl still sein!«, sagte Carrion, als spräche er zu einem unartigen Kind. »Sieh mal, du hast Besuch.«
Er zeigte auf den Boden, wo der Albtraum heranglitt. Dann, ohne abzuwarten, was als Nächstes geschähe, drehte er sich um und kam auf Houlihan zu.
»Na dann«, sagte er. »Erzähl mir von dem Mädchen.«
Dadurch, dass der Albtraum frei herumlief und sich jederzeit auf ihn stürzen konnte, gründlich aus der Ruhe gebracht, suchte Houlihan nach Worten: »Oh, ja … ja … das Mädchen. Sie ist mir in Ninnyhammer entwischt. Mithilfe einer Gesh-Ratte namens Malingo. Jetzt sind die beiden zusammen unterwegs. Auf Soma Plume war ich noch einmal nahe an ihnen dran. Aber sie hat sich in eine Ansammlung von pilgernden Mönchen gemischt und ist verschwunden.«
»Sie ist dir also zweimal entkommen? Von dir hätte ich mehr erwartet.«
»Sie hat irgendwelche besonderen Fähigkeiten«, sagte Houlihan zu seiner Rechtfertigung.
»Tatsächlich?«, sagte Carrion. Dabei hob er vorsichtig einen zweiten Albtraum aus dem Kragen heraus. Der Albtraum spuckte und zischte. Carrion setzte ihn in die Richtung des Mannes in der Ecke und gab die Kreatur frei, worauf diese sich augenblicklich auf die Spur ihres Kameraden setzte. »Sie muss um jeden Preis ergriffen werden, Otto«, fuhr Carrion fort. »Hast du mich verstanden? Um jeden Preis. Ich will sie kennen lernen. Mehr als das. Ich will sie verstehen.«
»Wie wollt Ihr das anfangen, Herr?«
»Indem ich herausfinde, was da in ihrem menschlichen Kopf so vor sich geht. Indem ich zum Beispiel ihre Träume lese. Da fällt mir ein … Lazaru!«
Während Carrion darauf wartete, dass sein Diener in der Tür erschien, holte er einen weiteren Albtraum aus dem Kragen und ließ ihn frei. Houlihan beobachtete, wie die Kreatur sich den beiden anderen anschloss. Sie waren inzwischen ganz...
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