Zum Parallel-Lesen des lateinischen Textes und der gefällig freien Übersetzung ist das Buch geeignet. Die beiden relevanten Zeilenzählungen sind gegeben. Einige Zitatquellen sind unter dem Text angemerkt.
Die Mehrzahl der Aufsätze, die folgen, zwängen den Text, der nun offensichtlich wenig interessiert, in das modische Korsett theoretischer Konstruktionen und sind entweder von Fehlern und Vorurteilen durchsetzt wie der erste von Markus Asper, oder sie lesen in den Text hinein, was der eigenen jeweiligen "Theorie" entspricht. Das sorgfältige, interessierte Lesen des Textes geht dabei wie so oft verloren: Was an Schule und Hochschule nicht mehr gelehrt wird, ist eben weg. Lesenswert ist die "Rhetorische Stilanalyse" von Luc Deitz, die sich allerdings an den Fachmann wendet, und Dag Nikolaus Hasses "kulturwissenschaftlicher" Aufsatz, der zwar mit dem Text selbst lax umgeht und gerade beim ihn interessierenden Verhältnis der "ehekritischen" Rede von Heloysa in der 'Historia' und den entsprechenden Passagen in ihrem ersten Brief nicht damit zurande kommt, dass es sich um zwei Texte von zwei verschiedenen Autoren handelt, und nicht um einen Kurzroman neuerem Typs. Aber seine Informationen zur Klerikerehe im 11. und 12. Jahrhundert sind kenntnisreich, anschaulich und hilfreich.
Ich würde das Buch nicht wegen der überwiegend unbrauchbaren Aufsätze empfehlen, aber es ist für eine Lektüre der 'Historia' geeignet. Wer dem lateinischen Text allerdings nicht konzentriert zu folgen vermag, sollte sich gleich um eine reine Übersetzung bemühen. Und wer sich überhaupt mit den Aufsätzen hinten befassen möchte, von denen einige auch zwischen der 'Historia' und den Briefen springen, die man also vorher ebenfalls gelesen haben sollte, dem empfehle ich die Krautz-Übersetzung aus dem Reclam-Verlag, so er nicht das Original vorzieht.