Astrolabius (den Quellen gemäß richtiger: Astralab) als Hauptfigur aufzugreifen und die Geschichte aus seinem Blickwinkel zu erzählen, ist eine gelungene Idee, da das Kind tatsächlich im Leben von Abaelard und Heloise kaum eine Rolle spielt. Die Handlung ist spannend und anschaulich geschrieben! Als Leser kann man sich gut in das Geschriebene hineinversetzen. Interessant ist das Buch also, jedoch werden dem aufmerksamen Leser einige inhaltliche Mängel offenbar. Die Autorin greift die verschiedensten Themen Abaelardscher Werke auf und versucht sie zu verknüpfen. Dabei bleibt das Ganze doch recht oberflächlich und trifft Abaelards Philosophie nicht unbedingt. Sicher, Romanhandlung ist fiktiv, doch nimmt es dem wissenschaftlichen Leser oft den Genuss des Lesens: so wird die Ethik auf Absicht heruntergebrochen,teilweise gar mit dem Willen gleichgesetzt, aber zumindest nicht das im Kern getroffen, was die Sünde nach Abaelard doch ausmacht: die Zustimmung und damit Abkehr von Gott (also weder Handlung noch Wille sind für das moralisch Gute ausschlaggebend - es geht um mein Verhalten, meine Entscheidung zu dem, was in mir sonst so vorgeht [Wünsche, Wille, Begehren.....]). Hier hätte die Autorin, die inhaltlich großen Wert auf Abaelards Gedanken legt, doch mehr Sorgfalt walten lassen können. Ein zweiter Kritikpunkt ist die oftmals mangelnde Distanz und das Hervortreten eigener Gedanken. So schimmert an vielen Stellen hinter Astrolabius Luise Rinser hervor und der Leser kann ihre Meinung oftmals mehr als erahnen. Das mag Geschmackssache sein, doch wirkt es zumindest oft etwas ungeschickt gemacht.
Im großen und ganzen ein interessantes Buch und zum Einleben in die Welt Abaelards und Heloises gut geeignet!