Obwohl Race for the Galaxy zu meinen Lieblingsspielen gehört ist es mir bisher ziemlich schwer gefallen, eine Rezension dazu zu verfassen. Ähnliches gilt für Battlestar Galactica. Das könnte man negativ auffassen, im Fall von Race for the Galaxy (RftG) spricht das aber eher sehr für das Spiel. Unabhängig von der riesigen Einstiegshürde ist es schwer das Spiel in seiner Gesamtheit erfassen zu können. Selbst nach mehreren Partien hat man immer noch nicht die ultimative Strategie entwickelt und denkt sich immer "Da ist noch mehr was es bei diesem Spiel zu entdecken gibt". Und somit ist der Reiz es immer wieder und wieder zu spielen sehr hoch, wenn man sich einmal reingefuchst hat, zumal eine Partie nur zwischen 20 und 30 Minuten dauert
Worum gehts in Race for the Galaxy?
Wie der Name schon sagt ist es ein Spiel das thematisch im Weltraum angesiedelt ist. Die Spieler bauen sich ein eigenes Weltraumreich auf, welches hauptsächlich aus Produktionswelten besteht, technischen Entwicklungen, Windfallwelten und militärische Einheiten enthalten kann, aber nicht muss. Jeder spielt für sich selbst, daher brauch man sich nicht vor seinem Gegner zu schützen. Die meisten ausgespielten Karten geben einem in bestimmten Phasen des Spiels Boni, so dass man versuchen muss, eine Strategie zu entwickeln und diese zum Erfolg zu führen.
Wie geht Race for the Galaxy?
RftG ist ein reines Kartenspiel dessen Vorbild, San Juan, man in jeder Phaser des Spiels wiederfindet. Jeder Spieler hat 6 Rollenkarten von denen vor jedem Spielzug eine verdeckt vor sich abgelegt wird. Alle Spieler decken gleichzeitig auf und dann werden die Aktionen die gewählt wurden der Reihe nach abgehandelt.
Jeder Spieler darf jede gewählte Aktion ausführen, wer sich die Aktion ausgesucht hat, erhält allerdings immer ein Privileg. Wurden eine oder mehrere der sechs Rollen nicht gewählt, werden sie in dieser Runde einfach nicht ausgeführt.
Karten sind alles in diesem Spiel. Sie sind Produktionswelten, Entwicklungen, also Karten die man ausspielt und quasi "baut", aber gleichzeitig auch Ressourcen, wenn eine Welt etwas produziert legt man eine Karte vom Nachziehstapel verdeckt auf sie und auch gleichzeitig Währung, wenn ich eine Karte ausspielen möchte, muss ich entsprechend ihrem Wert Karten ablegen.
Die Rollen die das Spiel vorantreiben sehen wie folgt aus:
Entdecken: Karten nachziehen
Entwicklung: Entwicklungskarten spielen
Siedeln: Planten besiedeln / militärisch erobern
Verbrauchen: Güter verbrauchen
Produktion: Produktionswelten produzieren neue Güter
Die ausgespielten Karten können einem in gewissen Phasen Vorteile geben, so dass man etwa eine Karte nachziehen darf wenn man ein Blaues gut produziert hat, oder das die militärische Stärke für die Siedeln Phase steigt, oder das man mehr Güter produzieren kann und und und. Hier gilt es sich eine Strategie zurecht zu legen und konsequent zu Verfolgen. Die 6 Punkte Karten sind die wertvollsten und geben einem Siegpunkte für gewisse Dinge (z.B. 2 Punkte für jede Produktionswelt oder Punkte für jede Entwicklung oder Punkte für jede Karte einer bestimmten Farben, usw.) so dass man versuchen muss wirklich alles richtig zu kombinieren um möglichst viele Siegpunkte zu erzielen. Oder man versucht einfach möglichst viele wertvolle Karten auszuspielen und das Spiel schnell zu beenden. Gerade in dieser Hinsicht liefert das Spiel zahllose Möglichkeiten. Um wirklich konkrete Ziele verfolgen zu können ist es allerdings unabdingbar dass man eine ungefähre Vorstellung von den Karten des Spiels hat, sonst kann man nicht vernünftig planen. Und man ist natürlich auch etwas vom Kartenglück abhängig, welches man allerdings über die Entdeckungsphase auch recht gut steuern kann.
Die Symbole
Die Karten von RftG enthalten so gut wie keinen Text, beherbergen aber dennoch sehr viele Informationen. Ermöglicht wird dies durch eine sehr umfangreiche Symbolsprache. Diese ist relativ umfangreich, es gibt sehr viele verschiedene Symbole, die zwar wenn man das Spiel verstanden hat doch sehr eindeutig sind, aber trotzdem ist man während der ersten zwei, drei Partien voll und ganz damit beschäftigt, durch die Symbolik durchzusteigen, erst danach kann man anfangen wirklich konkurrenzfähig zu spielen.
Doch es lohnt sich, sich in die Symbole reinzufuchsen. Hat man es einmal durchschaut, ist alles sehr schlüssig und es gibt zum Glück Spielhilfen die eine Übersicht über die wichtigsten Symbole geben.
Die Symbole sind es letztlich welche RftG zu einem echten Vielspielerspiel machen. Man kann es nicht mal eben so bei einem Spieleabend rausholen, und auch nicht mal eben jemanden erklären, der lieber einfach drauf losspielt und maximal 10 Minuten mit der Regelkunde verbringen will.
Fazit
Wer die Rezension bis hierher gelesen hat, hat meine Meinung zu dem Spiel schon rauslesen können. Race for the Galaxy ist ein Spiel, das einige Partien Eingewöhnungszeit benötigt, daher nur geeignet für Leute die viel, gerne und regelmäßig spielen. Gehört man allerdings zu diesen Leuten ist RftG ein Spiel das immer wieder auf dem Tisch landen wird, da es in 20 - 30 Minuten zu spielen ist und vielfältige Strategien ermöglicht und man immer wieder neues probieren möchte und das Gefühl hat, das es neues zu entdecken gibt.
Zusammengefasst kann man sagen Race for the Galaxy ist San Juan auf Crack. Und das deutlich bessere Spiel, da ist nicht einige wenige entscheidende Karten gibt, sondern alle Karten wichtig sein können. Es ist komplexer, fordernder und bleibt auch nach langer Zeit noch interessant und spannend. Nach Dominion mein Lieblingskartenspiel.