Alle paar Jahre tauchen AutorInnen auf, bei denen man sich unwillkürlich fragt „Wo haben die nur all die Jahre gesteckt?" Der Engländer David Baddiel ist so einer. Sein Erstlingswerk „Ab ins Bett" lässt hoffen, dass von ihm noch mehr folgen wird, denn Baddiel hat das Zeug dazu, süchtig zu machen. Seinen (Anti-) Helden Gabriel Jacoby liebt man von der ersten Seite an. Gabriel ist hoffnungslos und bis über beide Ohren verliebt in die Frau seines Bruders. Das kann ja nicht gut gehen. Die haarsträubenden Irrungen und Wirrungen, die „Gabe" durchmachen muß, wecken schmunzelndes, augenzwinkerndes Mitleid und Bedauern, denn - Hand auf's Herz - man (Mann!) kennt das auf die eine oder andere Weise irgendwie, oder? Baddiel gelingt dabei hervorragend die Gratwanderung, seinen Protagonisten in keinem Moment der Lächerlichkeit preiszugeben. Gabriel Jacoby ist und bleibt über alle Seiten hinweg ein Charakter, den man einfach ins Herz schließen muß, auch wenn man es nicht wagen würde, sich in seiner chaotischen Wohnung, in der er mit seinem Freund Nick haust und die beängstigende Ähnlichkeit mit einem Biotop aufweist, in einen Sessel zu setzen. Cherchez la femme auf die englische Art. Baddiels Schreibe ist direkt, frech und deutlich, ohne dabei peinlich oder gar niveaulos zu werden. Ein herzhafter Lacher lauert in beinahe jeder Zeile - aber Vorsicht: gewisse Identifikationen mit dem eigenen Ego sind nicht auszuschließen. Großes Lob verdient auch die deutsche Übersetzung von Helga Herborth. Einige sprachliche Feinheiten des englischen Originals, die leider nicht allesamt vollkommen übersetzbar sind, bleiben zwar leider auf der Strecke, aber Helga Herborth bleibt der Vorlage so treu, dass dieser geringe Verlust kaum zu bemerken ist. „Ab ins Bett" verdient den Status des Kultbuches. Ein unbändiges Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Zeile! Selten so gelacht!