Eigentlich müssten selbst die begeistersten Pratchett-Fans allmählich sagen: Genug von der Scheibenwelt, kennen wir doch alles schon, aber der englische Superautor schafft etwas Sensantionelles: Er wird immer besser, tiefgründiger, nachdenklicher, noch absurder - und glaubwürdiger. "Ab die Post" ist schon von der Konstruktion der Story her ein Witz: Ein Dieb wird erhängt, findet sich trotzdem vor dem Ankh-Morpork-Tyrannen Lord Vetinari wieder und wird von ihm zum Postminister ernannt, wird also Herr über zigtausende von vergessenen Briefen, die nach Beförderung schreien. Obwohl die "Klackertürme" Nachrichten heute in Sekundenschnelle übertragen. Der Beweis für Pratchetts weiter wachsende Kompetenz: Er entdeckt auch an längst bekannten Scheibenwelt-Mitspielern wie Lord Vetinari neue und verblüffende Seiten. Er entwickelt für den Postminster wider Willen einen Charakter, der weit interessanter ist als der früherer Hauptpersonen (abgesehen von meinem Lieblingshelden, dem Kommandanten der Stadtwache. Der bleibt absolute Spitze). Er erfindet für den beförderten Dieb aktuelle Ängste und macht ihre Überwindung absolut glaubwürdig. Kurz gesagt: Witz, Ironie und tiefere Bedeutung verbinden sich heute bei Terry Pratchett zu einem größeren Ganzen, das sogar jene freuen könnte, die bisher keine Fantasy, sondern nur "gute Belletristik" gelesen haben.