Pressestimmen
„Peter Freund trifft mit seinen Büchern den Geschmack des jungen Publikums.“ (DER TAGESSPIEGEL )
Ein atemberaubend spannender Fantasyroman für junge Leser!“ (buchaktuell )
"Kurzweilig und mitreißend ... eine durchdachte abenteuerliche Coming-of-Age-Geschichte im Fantasygewand. Kinder- und Jugendliche werden die MYSTERIA-Reihe sicher verschlingen!" (Fantasyguide )
Ein atemberaubend spannender Fantasyroman für junge Leser!“ (buchaktuell )
"Kurzweilig und mitreißend ... eine durchdachte abenteuerliche Coming-of-Age-Geschichte im Fantasygewand. Kinder- und Jugendliche werden die MYSTERIA-Reihe sicher verschlingen!" (Fantasyguide )
Kurzbeschreibung
Wenn Fantasie Wirklichkeit wird: Der zweite mitreißende Band der großen MYSTERIA-Trilogie!
Niko hat den Weg nach MYSTERIA gefunden, in die geheimnisvolle, magische Welt, die doch so große Gefahren birgt. Gemeinsam mit dem Alwenmädchen Ayani hat Niko es zwar geschafft, das Tor des Feuers zu durchschreiten und das Königsschwert Sinkkâlion an sich zu bringen. Aber die Zeit der Prüfungen ist noch lange nicht vorbei: Nikos und Ayanis Erzfeind, der finstere Rhogarr von Khelm, setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Freunden das Schwert wieder abzujagen. Und als Niko in eine heimtückische Falle zu laufen droht, geht Ayani ein fast selbstmörderisches Wagnis ein. Ihre Mission kann nun alles retten – oder alles verderben. Ist sie die geheimnisvolle Tochter des Falken, die MYSTERIA seit langem prophezeit ist?
MYSTERIA – eine atemberaubende Fantasy-Welt voller Gefahren und Geheimnisse!
Niko hat den Weg nach MYSTERIA gefunden, in die geheimnisvolle, magische Welt, die doch so große Gefahren birgt. Gemeinsam mit dem Alwenmädchen Ayani hat Niko es zwar geschafft, das Tor des Feuers zu durchschreiten und das Königsschwert Sinkkâlion an sich zu bringen. Aber die Zeit der Prüfungen ist noch lange nicht vorbei: Nikos und Ayanis Erzfeind, der finstere Rhogarr von Khelm, setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Freunden das Schwert wieder abzujagen. Und als Niko in eine heimtückische Falle zu laufen droht, geht Ayani ein fast selbstmörderisches Wagnis ein. Ihre Mission kann nun alles retten – oder alles verderben. Ist sie die geheimnisvolle Tochter des Falken, die MYSTERIA seit langem prophezeit ist?
MYSTERIA – eine atemberaubende Fantasy-Welt voller Gefahren und Geheimnisse!
Klappentext
"Peter Freund trifft mit seinen Büchern den Geschmack des jungen Publikums." DER TAGESSPIEGEL
Ein atemberaubend spannender Fantasyroman für junge Leser!" buchaktuell
"Kurzweilig und mitreißend ... eine durchdachte abenteuerliche Coming-of-Age-Geschichte im Fantasygewand. Kinder- und Jugendliche werden die MYSTERIA-Reihe sicher verschlingen!" Fantasyguide
Über den Autor
Peter Freund ist seit 1980 in der Film- und Fernsehbranche tätig und lebt und arbeitet in Berlin. Schon seit Ende der 80er-Jahre hat er neben Drehbüchern für Filme und Serien immer wieder auch Romane und Geschichten geschrieben und veröffentlicht. Sein bisher größter Erfolg ist die »Laura Leander«-Reihe, die Kinder wie Erwachsene begeistert, die Bestsellerlisten stürmt, in neunzehn Sprachen übersetzt und in zweiundzwanzig Ländern weltweit veröffentlicht wurde.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auf den ersten Blick sahen die drei Wesen völlig harmlos aus, und niemand hätte vermutet, dass sie zu den gefährlichsten und gefürchtetsten Geschöpfen von Mysteria zählten. In ihrer Gestalt glichen sie ganz gewöhnlichen Männern. Sie mussten noch ziemlich jung sein, Mitte bis Ende zwanzig vielleicht, waren groß gewachsen und von schlanker Statur. Die schwarzen Jacken und Hosen waren ihnen eng auf die muskulösen Leiber geschneidert. Schwarze Stiefel, halbhoch und aus weichem Leder gefertigt, dämpften ihre Schritte. Nahezu lautlos und fast schon anmutig huschten sie auf dem schmalen Fahrweg hin und her, der auf beiden Seiten von dichtem Mischwald gesäumt wurde. Mit ihren fein geschnittenen Gesichtszügen und den tadellos frisierten tiefschwarzen Haaren gaben sie beinahe ansehnliche Erscheinungen ab.
Bei genauerem Hinsehen war jedoch zu erkennen, dass ihre Haut käsig blass war wie die von Albinos. Die Augen mit den schlitzförmigen roten Pupillen erinnerten an tollwütige Raubkatzen. Noch auffälliger waren ihre Lippen. Dick und wulstig und fast kreisförmig waren die, sodass ihre Münder eine entfernte Ähnlichkeit mit den Saugnäpfen eines Kraken aufwiesen - was gleichzeitig ihre wahre Natur verriet: Es waren nämlich keine Männer, sondern Nachtschwärmer. Oder Atemschlürfer, wie sie in manchen Regionen Mysterias auch genannt wurden, weil sie sich ausschließlich vom Odem und der Lebensenergie anderer Geschöpfe ernährten. Sie hielten ihre Opfer mit Krallenfingern eisern fest, senkten ihre wulstigen Lippen auf deren Mund und saugten ihnen mit dem Atem alle Lebenskraft aus dem Körper, bis nur noch dessen tote Hülle übrig blieb. Ein Entkommen aus ihrer Umklammerung war nahezu unmöglich, und so war jeder, der sich durch das harmlose Äußere der Nachtschwärmer täuschen ließ, rettungslos verloren.
Auch an diesem sonnigen und friedlichen Morgen hätte wohl kaum jemand Verdacht geschöpft, als die drei Atemschlürfer sich im Schatten der dicht stehenden Bäume am Wegrand umtaten -ganz so als wären sie harmlose Beerensammler oder Pilzsucher. Hoch über ihnen spannte sich der weite Himmel wie ein Schirm aus strahlend blauer Seide über die Welt hinter den Nebeln. Für die paradiesische Schönheit der urtümlichen Landschaft hatten die Nachtschwärmer jedoch ebenso wenig einen Blick wie für das Große Taglicht, das erst vor Kurzem seine immer wiederkehrende Reise begonnen hatte und jetzt das üppige Laubwerk des Waldes mit schimmerndem Glanz überzog. Es hatte fast den Anschein, als würde das helle Licht die Nachtschwärmer blenden. Sie kniffen nämlich immer wieder die Augen zusammen und vermieden jeden Blick zum Firmament, während sie mit flinken und geübten Handgriffen eine der großen Netzfallen fertig machten, die ihr räuberisches Volk seit Anbeginn der Zeiten zur Beutejagd benutzte: Aus kräftigen Seilen geknüpft und gut getarnt auf dem Grasboden ausgebreitet, wurden sie jedem zum Verhängnis, der ahnungslos in sie hineintappte und durch die leichteste Berührung eines flach gespannten Taus die Zugseile auslöste. Dann wurde das Opfer jäh von emporschnellenden Ästen in die Höhe katapultiert. Gleichzeitig zog sich das engmaschige Netz blitzartig um den Gefangenen zusammen, bis der, zu einem Bündel zusammengeschnürt, hilflos ein gutes Stück über dem Boden baumelte. Ein Entrinnen war unmöglich und so konnte der oder die Unglückliche nur noch das Auftauchen der Jäger abwarten. Sein Schicksal war damit natürlich besiegelt - es sei denn, es handelte sich um ein Mädchen oder um eine junge Frau, die "noch von keinem Mann befleckt worden war" - wie die Nachtschwärmer selbst den Verlust der Jungfräulichkeit beschrieben.
Die schwarzhaarigen Geschöpfe wechselten kein Wort, während sie die letzten Seile festzurrten und dann rasch welkes Laub und vermoderte Zweige über die noch sichtbaren Teile des Netzes breiteten. Dann richteten sie sich auf, um ihr Werk zu begutachten. Sie schienen zufrieden zu sein, denn ein leichtes Lächeln huschte über ihre bleichen Gesichter. Noch immer kam kein Laut über ihre Lippen. Sie hielten ihre feinen Nasen in den Wind, kosteten witternd wie Raubtiere den herbfrischen Duft der Veränderung und des Neubeginns, den der sanfte Wind zu ihnen herantrug. Schließlich nickten sie sich zu und sprangen dann, wie von einem Katapult geschleudert, aus dem Stand rund zwölf Meter in die Höhe. Oben, hoch über dem Boden, versteckten sie sich in den dicht belaubten Kronen der Knorreichen und Buntbuchen, um kaum sichtbar und regungslos auf ihre Beute zu lauern - egal wie lange das dauern mochte.
Die Atemschlürfer hatten keine Eile. Obwohl sie zum allerersten Mal im hellen Licht des Morgens auf Jagd gingen und nicht im schützenden Dunkel der Nacht, wie es über Jahrhunderte ihre Gewohnheit gewesen war, hatten sie nicht die geringsten Zweifel, dass sie auch an diesem Tag genauso erfolgreich sein würden wie all die unzähligen Male davor.
"Da-da-das gibt es doch nicht!" Das Mädchen im roten T-Shirt und der blauen Latzhose kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Fassungslos starrte Jessie Andersen in die Runde. Ihr Gesicht glich dem eines kleinen Kindes, das alle Wunder der Welt auf einmal erblickt. "Das ist doch nicht möglich, oder?"
Niko Niklas zog die Augenbrauen hoch. Er hatte keine Ahnung, was Jessie meinte.
Auch Ayani, die dicht neben ihm stand und verlegen am Saum ihres braunen Leinengewandes zupfte, schien sich über die Reaktion des blonden Mädchens zu wundern. Sie runzelte die Stirn und sah Niko mit gespitzten Lippen an, als wollte sie fragen, was die andere denn hatte.
Doch Niko zuckte nur mit den Schultern und machte einen Schritt auf Jessie zu. Ein vertrauter Geruch stieg ihm in die Nase, frisch, ein wenig herb und verlockend - Jessie hatte wohl ein Duftwasser aufgetragen, bevor sie nach Mysteria aufgebrochen war. "Keine Panik", sagte er mit aufmunterndem Lächeln. "Mir ist es genauso ergangen. Als ich zum ersten Mal hier in Mysteria gelandet bin, habe ich auch einen Riesenschreck bekommen." Er legte die rechte Hand auf Jessies Schulter, um sie zu beruhigen.
"Aber das meine ich doch gar nicht!", erwiderte Jessie zu seiner Verwunderung.
"Nein?" Nikos Hand sank wieder herab. Seine smaragdgrünen Mandelaugen weiteten sich. "Du wunderst dich nicht darüber, dass du urplötzlich in einer fremden Welt gelandet bist?"
"Ganz im Gegenteil!" Mit der linken Hand rückte Jessie ihre rote Basecap zurecht, während sie mit der rechten eine vorwitzige Strähne ihres schulterlangen Blondhaars aus der Stirn strich.
Bei genauerem Hinsehen war jedoch zu erkennen, dass ihre Haut käsig blass war wie die von Albinos. Die Augen mit den schlitzförmigen roten Pupillen erinnerten an tollwütige Raubkatzen. Noch auffälliger waren ihre Lippen. Dick und wulstig und fast kreisförmig waren die, sodass ihre Münder eine entfernte Ähnlichkeit mit den Saugnäpfen eines Kraken aufwiesen - was gleichzeitig ihre wahre Natur verriet: Es waren nämlich keine Männer, sondern Nachtschwärmer. Oder Atemschlürfer, wie sie in manchen Regionen Mysterias auch genannt wurden, weil sie sich ausschließlich vom Odem und der Lebensenergie anderer Geschöpfe ernährten. Sie hielten ihre Opfer mit Krallenfingern eisern fest, senkten ihre wulstigen Lippen auf deren Mund und saugten ihnen mit dem Atem alle Lebenskraft aus dem Körper, bis nur noch dessen tote Hülle übrig blieb. Ein Entkommen aus ihrer Umklammerung war nahezu unmöglich, und so war jeder, der sich durch das harmlose Äußere der Nachtschwärmer täuschen ließ, rettungslos verloren.
Auch an diesem sonnigen und friedlichen Morgen hätte wohl kaum jemand Verdacht geschöpft, als die drei Atemschlürfer sich im Schatten der dicht stehenden Bäume am Wegrand umtaten -ganz so als wären sie harmlose Beerensammler oder Pilzsucher. Hoch über ihnen spannte sich der weite Himmel wie ein Schirm aus strahlend blauer Seide über die Welt hinter den Nebeln. Für die paradiesische Schönheit der urtümlichen Landschaft hatten die Nachtschwärmer jedoch ebenso wenig einen Blick wie für das Große Taglicht, das erst vor Kurzem seine immer wiederkehrende Reise begonnen hatte und jetzt das üppige Laubwerk des Waldes mit schimmerndem Glanz überzog. Es hatte fast den Anschein, als würde das helle Licht die Nachtschwärmer blenden. Sie kniffen nämlich immer wieder die Augen zusammen und vermieden jeden Blick zum Firmament, während sie mit flinken und geübten Handgriffen eine der großen Netzfallen fertig machten, die ihr räuberisches Volk seit Anbeginn der Zeiten zur Beutejagd benutzte: Aus kräftigen Seilen geknüpft und gut getarnt auf dem Grasboden ausgebreitet, wurden sie jedem zum Verhängnis, der ahnungslos in sie hineintappte und durch die leichteste Berührung eines flach gespannten Taus die Zugseile auslöste. Dann wurde das Opfer jäh von emporschnellenden Ästen in die Höhe katapultiert. Gleichzeitig zog sich das engmaschige Netz blitzartig um den Gefangenen zusammen, bis der, zu einem Bündel zusammengeschnürt, hilflos ein gutes Stück über dem Boden baumelte. Ein Entrinnen war unmöglich und so konnte der oder die Unglückliche nur noch das Auftauchen der Jäger abwarten. Sein Schicksal war damit natürlich besiegelt - es sei denn, es handelte sich um ein Mädchen oder um eine junge Frau, die "noch von keinem Mann befleckt worden war" - wie die Nachtschwärmer selbst den Verlust der Jungfräulichkeit beschrieben.
Die schwarzhaarigen Geschöpfe wechselten kein Wort, während sie die letzten Seile festzurrten und dann rasch welkes Laub und vermoderte Zweige über die noch sichtbaren Teile des Netzes breiteten. Dann richteten sie sich auf, um ihr Werk zu begutachten. Sie schienen zufrieden zu sein, denn ein leichtes Lächeln huschte über ihre bleichen Gesichter. Noch immer kam kein Laut über ihre Lippen. Sie hielten ihre feinen Nasen in den Wind, kosteten witternd wie Raubtiere den herbfrischen Duft der Veränderung und des Neubeginns, den der sanfte Wind zu ihnen herantrug. Schließlich nickten sie sich zu und sprangen dann, wie von einem Katapult geschleudert, aus dem Stand rund zwölf Meter in die Höhe. Oben, hoch über dem Boden, versteckten sie sich in den dicht belaubten Kronen der Knorreichen und Buntbuchen, um kaum sichtbar und regungslos auf ihre Beute zu lauern - egal wie lange das dauern mochte.
Die Atemschlürfer hatten keine Eile. Obwohl sie zum allerersten Mal im hellen Licht des Morgens auf Jagd gingen und nicht im schützenden Dunkel der Nacht, wie es über Jahrhunderte ihre Gewohnheit gewesen war, hatten sie nicht die geringsten Zweifel, dass sie auch an diesem Tag genauso erfolgreich sein würden wie all die unzähligen Male davor.
"Da-da-das gibt es doch nicht!" Das Mädchen im roten T-Shirt und der blauen Latzhose kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Fassungslos starrte Jessie Andersen in die Runde. Ihr Gesicht glich dem eines kleinen Kindes, das alle Wunder der Welt auf einmal erblickt. "Das ist doch nicht möglich, oder?"
Niko Niklas zog die Augenbrauen hoch. Er hatte keine Ahnung, was Jessie meinte.
Auch Ayani, die dicht neben ihm stand und verlegen am Saum ihres braunen Leinengewandes zupfte, schien sich über die Reaktion des blonden Mädchens zu wundern. Sie runzelte die Stirn und sah Niko mit gespitzten Lippen an, als wollte sie fragen, was die andere denn hatte.
Doch Niko zuckte nur mit den Schultern und machte einen Schritt auf Jessie zu. Ein vertrauter Geruch stieg ihm in die Nase, frisch, ein wenig herb und verlockend - Jessie hatte wohl ein Duftwasser aufgetragen, bevor sie nach Mysteria aufgebrochen war. "Keine Panik", sagte er mit aufmunterndem Lächeln. "Mir ist es genauso ergangen. Als ich zum ersten Mal hier in Mysteria gelandet bin, habe ich auch einen Riesenschreck bekommen." Er legte die rechte Hand auf Jessies Schulter, um sie zu beruhigen.
"Aber das meine ich doch gar nicht!", erwiderte Jessie zu seiner Verwunderung.
"Nein?" Nikos Hand sank wieder herab. Seine smaragdgrünen Mandelaugen weiteten sich. "Du wunderst dich nicht darüber, dass du urplötzlich in einer fremden Welt gelandet bist?"
"Ganz im Gegenteil!" Mit der linken Hand rückte Jessie ihre rote Basecap zurecht, während sie mit der rechten eine vorwitzige Strähne ihres schulterlangen Blondhaars aus der Stirn strich.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auf den ersten Blick sahen die drei Wesen völlig harmlos aus, und niemand hätte vermutet, dass sie zu den gefährlichsten und gefürchtetsten Geschöpfen von Mysteria zählten. In ihrer Gestalt glichen sie ganz gewöhnlichen Männern. Sie mussten noch ziemlich jung sein, Mitte bis Ende zwanzig vielleicht, waren groß gewachsen und von schlanker Statur. Die schwarzen Jacken und Hosen waren ihnen eng auf die muskulösen Leiber geschneidert. Schwarze Stiefel, halbhoch und aus weichem Leder gefertigt, dämpften ihre Schritte. Nahezu lautlos und fast schon anmutig huschten sie auf dem schmalen Fahrweg hin und her, der auf beiden Seiten von dichtem Mischwald gesäumt wurde. Mit ihren fein geschnittenen Gesichtszügen und den tadellos frisierten tiefschwarzen Haaren gaben sie beinahe ansehnliche Erscheinungen ab.Bei genauerem Hinsehen war jedoch zu erkennen, dass ihre Haut käsig blass war wie die von Albinos. Die Augen mit den schlitzförmigen roten Pupillen erinnerten an tollwütige Raubkatzen. Noch auffälliger waren ihre Lippen. Dick und wulstig und fast kreisförmig waren die, sodass ihre Münder eine entfernte Ähnlichkeit mit den Saugnäpfen eines Kraken aufwiesen - was gleichzeitig ihre wahre Natur verriet: Es waren nämlich keine Männer, sondern Nachtschwärmer. Oder Atemschlürfer, wie sie in manchen Regionen Mysterias auch genannt wurden, weil sie sich ausschließlich vom Odem und der Lebensenergie anderer Geschöpfe ernährten. Sie hielten ihre Opfer mit Krallenfingern eisern fest, senkten ihre wulstigen Lippen auf deren Mund und saugten ihnen mit dem Atem alle Lebenskraft aus dem Körper, bis nur noch dessen tote Hülle übrig blieb. Ein Entkommen aus ihrer Umklammerung war nahezu unmöglich, und so war jeder, der sich durch das harmlose Äußere der Nachtschwärmer täuschen ließ, rettungslos verloren.Auch an diesem sonnigen und friedlichen Morgen hätte wohl kaum jemand Verdacht geschöpft, als die drei Atemschlürfer sich im Schatten der dicht stehenden Bäume am Wegrand umtaten -ganz so als wären sie harmlose Beerensammler oder Pilzsucher. Hoch über ihnen spannte sich der weite Himmel wie ein Schirm aus strahlend blauer Seide über die Welt hinter den Nebeln. Für die paradiesische Schönheit der urtümlichen Landschaft hatten die Nachtschwärmer jedoch ebenso wenig einen Blick wie für das Große Taglicht, das erst vor Kurzem seine immer wiederkehrende Reise begonnen hatte und jetzt das üppige Laubwerk des Waldes mit schimmerndem Glanz überzog. Es hatte fast den Anschein, als würde das helle Licht die Nachtschwärmer blenden. Sie kniffen nämlich immer wieder die Augen zusammen und vermieden jeden Blick zum Firmament, während sie mit flinken und geübten Handgriffen eine der großen Netzfallen fertig machten, die ihr räuberisches Volk seit Anbeginn der Zeiten zur Beutejagd benutzte: Aus kräftigen Seilen geknüpft und gut getarnt auf dem Grasboden ausgebreitet, wurden sie jedem zum Verhängnis, der ahnungslos in sie hineintappte und durch die leichteste Berührung eines flach gespannten Taus die Zugseile auslöste. Dann wurde das Opfer jäh von emporschnellenden Ästen in die Höhe katapultiert. Gleichzeitig zog sich das engmaschige Netz blitzartig um den Gefangenen zusammen, bis der, zu einem Bündel zusammengeschnürt, hilflos ein gutes Stück über dem Boden baumelte. Ein Entrinnen war unmöglich und so konnte der oder die Unglückliche nur noch das Auftauchen der Jäger abwarten. Sein Schicksal war damit natürlich besiegelt - es sei denn, es handelte sich um ein Mädchen oder um eine junge Frau, die "noch von keinem Mann befleckt worden war" - wie die Nachtschwärmer selbst den Verlust der Jungfräulichkeit beschrieben.Die schwarzhaarigen Geschöpfe wechselten kein Wort, während sie die letzten Seile festzurrten und dann rasch welkes Laub und vermoderte Zweige über die noch sichtbaren Teile des Netzes breiteten. Dann richteten sie sich auf, um ihr Werk zu begutachten. Sie schienen zufrieden zu sein, denn ein leichtes Lächeln huschte über ihre bleichen Gesichter. Noch immer kam kein Laut über ihre Lippen. Sie hielten ihre feinen Nasen in den Wind, kosteten witternd wie Raubtiere den herbfrischen Duft der Veränderung und des Neubeginns, den der sanfte Wind zu ihnen herantrug. Schließlich nickten sie sich zu und sprangen dann, wie von einem Katapult geschleudert, aus dem Stand rund zwölf Meter in die Höhe. Oben, hoch über dem Boden, versteckten sie sich in den dicht belaubten Kronen der Knorreichen und Buntbuchen, um kaum sichtbar und regungslos auf ihre Beute zu lauern - egal wie lange das dauern mochte.Die Atemschlürfer hatten keine Eile. Obwohl sie zum allerersten Mal im hellen Licht des Morgens auf Jagd gingen und nicht im schützenden Dunkel der Nacht, wie es über Jahrhunderte ihre Gewohnheit gewesen war, hatten sie nicht die geringsten Zweifel, dass sie auch an diesem Tag genauso erfolgreich sein würden wie all die unzähligen Male davor."Da-da-das gibt es doch nicht!" Das Mädchen im roten T-Shirt und der blauen Latzhose kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Fassungslos starrte Jessie Andersen in die Runde. Ihr Gesicht glich dem eines kleinen Kindes, das alle Wunder der Welt auf einmal erblickt. "Das ist doch nicht möglich, oder?"Niko Niklas zog die Augenbrauen hoch. Er hatte keine Ahnung, was Jessie meinte.Auch Ayani, die dicht neben ihm stand und verlegen am Saum ihres braunen Leinengewandes zupfte, schien sich über die Reaktion des blonden Mädchens zu wundern. Sie runzelte die Stirn und sah Niko mit gespitzten Lippen an, als wollte sie fragen, was die andere denn hatte.Doch Niko zuckte nur mit den Schultern und machte einen Schritt auf Jessie zu. Ein vertrauter Geruch stieg ihm in die Nase, frisch, ein wenig herb und verlockend - Jessie hatte wohl ein Duftwasser aufgetragen, bevor sie nach Mysteria aufgebrochen war. "Keine Panik", sagte er mit aufmunterndem Lächeln. "Mir ist es genauso ergangen. Als ich zum ersten Mal hier in Mysteria gelandet bin, habe ich auch einen Riesenschreck bekommen." Er legte die rechte Hand auf Jessies Schulter, um sie zu beruhigen."Aber das meine ich doch gar nicht!", erwiderte Jessie zu seiner Verwunderung."Nein?" Nikos Hand sank wieder herab. Seine smaragdgrünen Mandelaugen weiteten sich. "Du wunderst dich nicht darüber, dass du urplötzlich in einer fremden Welt gelandet bist?""Ganz im Gegenteil!" Mit der linken Hand rückte Jessie ihre rote Basecap zurecht, während sie mit der rechten eine vorwitzige Strähne ihres schulterlangen Blondhaars aus der Stirn strich.