Ich habe die Box nun einen guten Monat als Ersatz für einen Telekom Speedport W900V im Einsatz, und je mehr ich über die recht umfangreichen Interna der Box lerne, desto besser freunde ich mich mit ihr an. Man beachte, dass sie keine Festnetz-Telefonie unterstützt, sondern nur Internet-Telefonie (VOIP).
Immer wenn ich wieder ein paar Stunden Zeit übrig habe füge ich der Box eine Konfiguration/Funktion hinzu. Bisher ist eingerichtet und läuft:
- DSL (6MBit) an T-Online Anschluss
Lief von Anfang an problemlos. Voraussetzung: man findet nach Jahren das Schreiben mit den DSL Zugangsdaten noch, das man damals vom Provider bekommen hat. Der Rest ist relativ easy, die Firmware ist sogar in der Lage, sich die Telekom-Zugangsdaten selber richtig aus den diversen Nummern zusammenzusetzen, früher war das Handarbeit.
- Push Mail des Systemstatus
Dokumentiert u.A. meine gerade aktive externe IP Adresse und eingebuchte WLAN Clients täglich in einem automatisch an mich versendeten E-Mail. Genial! Lief ebenfalls von Anfang an problemlos.
- Fernadministration übers Internet per Browser/https Verbindung und DynDNS Namensauflösung
Beim ersten Versuch war das von der Fritzbox ausgestellte Zertifikat faul (abgelaufen im Jahr 1902). Vermutlich weil ich beim Einrichten zu schnell war und den Fernzugang aktiviert habe, bevor die Box ihre Uhrzeit auf Internetzeit synchronisiert hatte. Eine Möglichkeit, das Zertifikat später zu erneuern fand ich nicht. Es half aber schlussendlich, den Namen der Box zu ändern und gleich wieder zurück - die Box generiert sich dann ein neues Zertifikat, und diesmal war das Ablaufdatum korrekt. DynDNS lief von Anfang an perfekt - wichtig auch, weil das auch die Grundlage für VPN (siehe unten) ist.
- WLAN Komplettversorgung einer Neubau-Wohnung über 2 Geschosse hinweg (1 Betondecke), Grundriss etwa 10x10m, Zwischenwände aus Ziegel, Box wegen der Lage der DSL Anschlussdose recht ungünstig in einer Ecke.
Hier hatte ich anfangs wenig Freude mit der Box. Im Lieferzustand war die Reichweite des WLAN so gering, dass der eingebuchte PC (HP Laptop) bereits in der entfernten Büro-Raumecke (ca. 6m Raumdiagnonale) die Geschwindigkeit zurücknahm. Bei noch weiterer Entfernnung (unmittelbar außerhalb des Büros, bei geöffneter Tür) begann die Verbindung bereits massiv Pakete zu verlieren (Bildaufbau von Webseiten stockt und stottert), noch weiter weg (ca. 8m) brach die Verbindung vollkommen zusammen, ließ sich auch nicht neu aufbauen, und das obwohl die ganze Zeit Sichtkontakt zur FritzBox bestand. Die Einstellung der Sendeleistung (die ich am Ehesten verdächtigt habe) stand die ganze Zeit auf Standard (100%). Mögliche weitere Ursache: die WLAN Stromsparfunktion, konnte ich nicht prüfen, da ich zu der Zeit noch nichts von ihr wusste. Wie dem auch sei, das Problem verschwand mit einem Firmware-Update auf Firmware-Version 100.04.89. Seltsamer Weise wollte die automatische Suche nach Firmware Updates von dieser Firmware nichts wissen, ich musste die Firmware von Hand vom FTP Server von AVM herunterladen und dann via PC in die Box einspielen. Seither ist die WLAN Abdeckung wieder so wie vorher mit dem Speedport: ich habe in beiden Stockwerken und auf der Terrasse volle Geschwindigkeit, WLAN Stromsparen ist ebenfalls aktiv.
- Fernzugriff aufs Heimnetz über das Internet (VPN)
Wer schon einmal versucht hat, ein IPSec basiertes VPN von Hand in Betrieb zu nehmen kann ein Lied davon singen, dass man leicht in einem Sumpf von herstellerspezifisch inkompatiblen Einstellungen versinkt. Das ist in dieser "Technologie" per Design leider so, weil in der "Norm" mehr Luft für herstellerspezifische Sperenzchen ist als einem Endanwender lieb sein kann. Im Falle der Fritzbox hat AVM den meiner Meinung nach einzig richtigen Weg beschritten: ein Gratis-Tool ("Fernzugriff einrichten") generiert nach einigen einfach zu beantwortenden Fragen, die auch in einem Step-by-Step Guide gut beschrieben sind, zwei Konfigurationsdateien, eine spielt man per Webbrowser in die FritzBox ein, und die andere spielt man auf dem PC in das Tool "Fritz!Fernzugang" ein, und hat damit die AVM spezifischen Sprenzchen automatisch bei beiden Partnern richtig passend konfiguriert. Danach ein Druck aufs Knöpfchen "verbinden", und man ist daheim im eigenen LAN. Im Zusammenhang mit der herrlich funktionierenden Funktion "Wake-on-LAN" der Fritzbox kann ich damit beliebige PCs aus dem Schlaf holen und danach per Fernsteuerung mit ihnen arbeiten, oder beliebige IP Geräte, z.B. meine NAS oder meinen Netzwerkdrucker, ansprechen.
- USB Festplatte aus dem Internet ansprechen
Nachdem der Rechner meiner Schwester das Zeitliche gesegnet hat ist er bei mir gelandet, und ich habe leider einen wirtschaftlichen Totalschaden festgestellt. Sie hat sich flugs einen neuen geholt, und kam dann drauf, dass sie ohne ihre Daten richtig blöd da steht, und den Rechner holen oder die Platte zuschicken lassen hätte zu lange gedauert (500 km). Und ich hatte überhaupt keine Lust, ihr die Daten auf der Platte zusammenzusuchen, das soll sie ruhig selber machen :-) Also war meine Idee, die (PATA) Platte aus dem Rechner auszubauen und an den USB Port der Fritzbox zu hängen, und dann kann sie sich die wichtigsten Dateien selber mit einem FTP Client abziehen. Viel Hoffung hatte ich nicht, schließlich gibt es vorhersehbar vier Problemkreise: der USB Port liefert vermutlich nicht genug Saft, um eine 2,5" Laptop Platte zu betreiben, es muss noch ein exotischer USB/PATA (IDE) Steckadapter dazwischen (Delock USB to SATA/IDE, ca. 20 Euro), und außerdem war die Platte sowohl Windows XP NTFS formatiert als auch partitioniert.
Erst mal habe ich also einen einfachen FAT formatierten 2GB Stick ans Internet freigegeben, um zu lernen wie man die Freigabe konfiguriert, das klappte auf Anhieb. Dann die Platte dran. Die Festplatte wollte erwartungsgemäß erst mal nicht anlaufen (das Stromproblem), mit einem eigenen Steckernetzteil versehen lief der Motor dann an, aber sie wurde von der Fritzbox nicht erkannt, auch nicht wenn ich die normalerweise funktionierende Einschaltreihenfolge versucht habe: erst den Adapter an die Platte, dann Strom an die Platte, dann den USB Stecker an die Fritzbox. Schade. Mehr so aus Gewohnheit habe ich dann einen USB 4-Port Hub (HAMA) mit eigenem Steckernetzteil dazwischen gesteckt und voila, die Platte wurde sofort erkannt. Gegenprobe ohne Hub: Platte wieder nicht erkannt. Seltsam, aber was solls, Hauptsache es klappt. NTFS war wieder Erwarten kein Problem, auch die Partitionen nicht, und da die Box sich offenbar nicht um die NTFS Berechtigungen kümmert war die komplette Platte sofort lesbar. Nachdem(!) die Platte von der Box erkannt wurde kann man sie unter Angabe eines FTP Passworts ans Internet freigeben. Vorbildlich: die Box liefert auch sofort einen Link zum Verschicken per E-Mail, bestehend aus dem DynDNS Namen der Box (siehe oben) plus Kontenname in der Form einer einer E-Mail Adresse nachempfundenen Adresse. Einfach aus dem Browser in ein E-Mail kopiert, zugehöriges Passwort sicherheitshalber per SMS geschickt, sie klickte drauf und bekam sofort den Anmeldeschirm. Danach konnte sie sich mit dem FTP Client des Browsers (IE 8) zwar sehr unergonomisch, aber dennoch wunderbar funktionierend, durch die Verzeichnisse navigieren und sich einzelne Dateien herunterladen. Ältere Browser (IE6) können mit der Adresse in der Form Kontenname@DynDNS Adresse offenbar nicht umgehen, hier muss man den Kontennamen aus dem Link entfernen und bei der Anmeldung separat eingeben.
Ich bin begeistert. Natürlich kann man sich immer mehr und noch mehr wünschen: Anzeige der Platte unter ihrem Namen statt unter ihrer Modellnummer, Unterstützung von benutzerabhängiger Security, nach oben ist immer Luft, aber Hand aufs Herz: wer einen kompletten Mehrbenutzer-Internetstorage Server betreiben will sollte doch eher ein dafür geeignetes Kistchen *hinter* die Fritzbox hängen, oder sich gleich irgendwo ein paar Gig Internetspeicher mieten, das funktioniert auf Dauer zuverlässiger, als eine relativ simple Zigarrenkiste dafür zu missbrauchen. Fazit: genial als ganz schnelle Lösung für ein ganz schnelles Problem - als Dauerlösung oder als Ersatz für eine NAS würde ich das aus vielen Gründen nicht akzeptieren.
(To be continued ...)
Fazit: 1 Stern Abzug für die Auslieferung der Box mit offensichtlich fehlerhafter Firmware, und das Versagen der automatischen Update-Funktion. Sonst: Top!
AL