Die Avatar-Saga gehört zu den schönsten und mitreißendsten Zeichentrickserien für Kinder, die meiner Meinung nach je geschaffen wurden. Sie ist überwiegend im japanischen Anime-Stil gehalten, der aber erst auffällig hervortritt, wenn heftige Gefühlsregungen dargestellt werden (Super-Deformed-Stil). Die Serie kommt allerdings aus Amerika und wurde von den beiden Autoren Mike Di Martino und Bryan Konietzko (beide Schöpfer, Charakterdesigner und auch Produzenten der Serie) für Nickelodeon geschaffen.
Den Zuschauer erwartet eine beeindruckend spannende und interessante Geschichte, die von authentischen und liebevoll gestalteten Charakteren getragen wird. Auch nach der vierten Wiederholung werden die Episoden nicht langweilig; vielmehr kann man sich immer wieder voll auf die Storys und jede handelnde Figur einlassen. Zahlreiche Dialoge und Bemerkungen, nicht zu vergessen auch die zeichnerischen Details in der Mimik der Protagonisten, reizen ebenso zum Lachen wie zur Rührung.
Das Gesamtsujet ist nicht neu: Der Hauptheld, hier der kindliche Avatar Aang, wurde aus der Menge aller anderen Geschöpfe auserwählt und muss seine Welt aus einer umfassenden Bedrohung retten (vergleichbar mit Hobbit Frodo oder Harry Potter). Sein schweres Schicksal vermag Aang aber nicht allein zu tragen, sondern nur mit Hilfe seiner drei besten Freunde Kathara, Zokka und Toph wird er seine Feinde besiegen und alles wieder zum Guten wenden können. Nicht zu vergessen seien hier natürlich auch der flugfähige sechsbeinige Luftbison Appa, Freund und Begleittier des Avatars, auf dem die kleine mutige Schar die Welt durchquert, sowie der putzige Luftlemur Momo.
An ordentlicher Dramaturgie und Spannung fehlt es nicht. Die Gegner sind mächtig, die Freunde treu und die umgebende Welt ist ganz anders, als die, in der wir alle leben. Vor der Folie einer phantastischen und sicher auch etwas sonderbaren Flora und Fauna (sehr wunderliche Geschöpfe sind hier zum Beispiel die "Schildkrötenenten") spielt das kleine Epos in den uralten Themen von Freundschaft und Liebe, Leidenschaft und Heldentum, Treue, Mut, Güte, aber auch Versagen, Verletzung, Hass, Intrigen und Ehrgeiz. Die Gruppe der Feinde, angeführt vom Feuerlord Osai und seiner skrupellosen Tochter Zula, Schwester Zukos, verkörpert dabei die dunklen Töne der Geschichte. Bis zum Schluss reizt die Spannung unwiderstehlich zum interessierten Anschauen weiterer Folgen. Auf den Tod oder blutige Gewalt als erzählerische Mittel verzichtet die Story weitgehend, wodurch sie sich als Unterhaltung für größere Kinder bedenkenlos eignet. Fights, Kampf und Krieg gibt es natürlich, denn welches spannende Abenteuer kann darauf verzichten?
Die Gefühlswelt Heranwachsender wird besonders überzeugend getroffen. Die alberne und kindliche Unbefangenheit Aangs, Sokkas und Tophs gehört dabei zu den wohl gelungensten und einmaligsten Elementen der Serie. Absolut kongenial nimmt sich in diesem Zusammenhang auch die Figur des Onkels Iroh aus, der Zuko, den Sohn des Feuerlords Osai und persönlichen Gegenspieler Aangs, begleitet. Der teevernarrte Onkel wirkt trotz seines Alters immer etwas unpassend unerwachsen und naiv. Doch verbergen sich hinter dieser äußerlichen Erscheinung vielmehr seine Weisheit, seine hohe Moral und nachsichtige Güte. Er ist eine durch und durch symphatische und tiefgründige Gestalt und verkörpert die lebens- und schönheitsliebende Philosopie der Avatar-Geschichte wie kein anderer.
Großen Respekt!