Diese Rezension bezieht sich auf die hier als "TV-Langfassung" bezeichnete Version.
Wie man diesen Film auch nur um 5 Minuten beschneiden kann, mag ich mir gar nicht vorstellen. Nichts an den über Vier-ein-Viertel Stunden dieser Fassung ist entbehrlich. Nichts überflüssig. Es wird eine spannende, unterhaltsame Geschichte geboten, die jeder Freund von Historienfilmen gesehen haben sollte.
Talentierte Schauspieler, glücklich gewählte Locations, unpeinlich und nicht gestelzt wirkende Dialoge, kein Hollywood-Poweracting, und wirklich gelungene und erfrischend unprätentiöse Kameraarbeit stimmen den Filmfreund mehr als zufrieden.
Kleine Kritikpunkte gibt es bloß an der nicht deutlich genug betriebenen Maskenbilderei, was das Altern der Figuren betrifft (hier werden praktisch dreißig Jahre erzählt, in welchen die meisten Figuren bestenfalls grauere Bärte bekommen.) Auch das inkonsequente Verwenden unnatürlich blauer Kontaktlinsen für den Hauptdarsteller ist etwas gewöhnungsbedürftig zu Anfang.
Hat man den Film einmal in Deutsch gesehen, sollte man sich ruhig an die internationale Version trauen. Diese ist teils schwedisch, teils englisch (letzteres aufgrund des internationalen Casts). Die deutsche Übersetzung ist zwar gelungen und unterm Strich nicht unbedingt schlechter als die internationale Fassung, dennoch wurde bei unzähligen Kleinigkeiten doch etwas sehr vom Script abgewichen, wodurch die charakterliche Beschaffenheit so ziemlich aller Figuren im Film etwas weichgezeichnet wird, verglichen zu den teils markanteren Kanten der Charaktere in der Wortwahl der Originalfassung.
All dies gereicht aber dennoch nicht für auch nur einen Punkt Abzug von der Maximalbewertung, schon allein deshalb, weil man sonst nirgendwo 258 Minuten in einen einzigen Film dieser Qualität eintauchen kann. Die Bonus-Disk enthält ein recht angenehmes 2-teiliges Making-Of, sowie ein Interview mit dem Autor der Romanvorlage (welches sich allerdings als reichlich nichtssagend erweist erweist, wenngleich es doch einen gewissen Einblick in die charakterliche Beschaffenheit des Autors erlaubt, was auch nicht ganz uninteressant ist.
Da zudem zwar fiktive Figuren im Vordergrund agieren, gleichsam aber vor einem historisch allemal leidlich authentischem Hintergrund, schneidet der Film auch diesbezüglich wesentlich besser ab, als reine Fantasie-Machwerke wie "Königreich der Himmel".