Es dauert seine Zeit, bis so ein gewaltiges Teil den Weg nach Nordzypern findet. Die Maße des Bildbandes 30,2 x 37,6 X 5 cm (aufgeschlagen somit 60,4 x 37,6 cm) machen vorstellbar, welch optischer Genuss bevorsteht - zumal die durchweg genialen Fotografien allesamt die vorgenannte, größtmögliche Bildbreite von 60,4 cm ausfüllen.
Das hat bei einigen Aufnahmen auch Nachteile, für die der Fotograf nichts kann; aber dazu komme ich später.
Das Format führt dazu, dass Sie eine Fläche freiräumen müssen. Sie schlagen die Seiten auf und: Ich garantiere, Sie verschwinden in der grandiosen Menge von 180 unglaublichen Tier- und Landschaftsaufnahmen der Antarktis und vergessen das Hier und Jetzt.
Sie werden fast erschlagen von den - man fasst es kaum - Farben und der Objektflut, die auf den Betrachter einwirken, der vielleicht nur *übliche Tierknipsereien mit aufgemüpften Schwarz-Weiß-Effekten in Schneelandschaften* befürchtete.
Schnell merkt er, dass diese Kunstwerke - wie sonst kann man diese wundervollen Fotografien benennen - weit weg sind von üblichem Tierkitsch.
Dieser Fotograf war nah dran, hatte den Blick für die Einmaligkeit der Situation und der Gedanke drängt sich auf, war dieser Mensch Poliza in einer früheren Inkarnation vielleicht selbst Robbe, Möwe, Eisbär oder Pinguin? Denn nur so ließe sich irgendwie schlüssig erklären, wie der Mann zu solch nahezu intimen Aufnahmen gekommen ist.
Beim Durchblättern des Bildbandes - ich wette, den werden Sie sich tagelang immer wieder ansehen - bekam ich zwingend eines Vorstellung, wie es ist, eine solche Gegend zu bereisen. Ich kann jetzt verstehen, wenn Forscher von den gewaltigen farblichen Dimensionen in diesen kalten Gegenden sprachen, die ja fast bar jeder Botanik sind.
Was gibt es da alles zu sehen! Es ist sinnlos, das zu beschreiben. Sie müssen es sich ansehen, denn was ich dazu sagen könnte sprengt den zur Verfügung stehenden Raum, um meine Gefühle beim Betrachten zu beschreiben.
Dabei ist Michael Poliza gar kein *gelernter Fotograf*. Er war als ganz junger Mensch zunächst von 1968 - 1978 Kinderdarsteller und Jungschauspieler in über 60 Filmen, Fernsehspielen und Serien, tätig am Hamburger Thaliatheater und den dortigen Kammerspielen.
Selbst sah er sich jedoch nicht als Schauspieler. Bis 1987 verschaffte er sich in den USA Kenntnisse im Bereich Computer Sciences, belegte erste Fotografiekurse und studierte schließlich in Hamburg Informatik.
Er gründete in der Folgezeit Firmen, war erfolgreich - aber er hatte die juckende Stelle unterm Schuhleder noch nicht gefunden.
Erst Tauchexpeditionen und erste Erfolge hinter der Kamera, verbunden mit dem Verkauf diverser Produktionen (Schwerpunkt Abenteuer/Natur bei VOX, PRO7 oder Discovery Channel), sowie erste Veröffentlichungen im STERN 1996 machten eine breite Öffentlichkeit auf diesen außergewöhnlichen *Aktivisten* aufmerksam.
Der bereiste 2002 - 2006 Afrika (Botswana, Namibia, Zimbabwe, Tansania, Kenia u.a.) und veröffentlichte dann die sensationellen Bildbände bei TeNeues
Africa und
Eyes Over Africa, die Michael Poliza in die erste Garde der Weltstars der Fotografie katapultierten.
Der Künstler sagt über seinen Blick durch die Linse selbst:
*Ich halte die Natur für einen genialen Designer, was Farbkombinationen angeht. Das hab` ich schon gedacht, als ich in Indonesien unter Wasser unterwegs war und ich gesehen hab`, wie frech die Natur Farben kombiniert und sagt: Das mach ich jetzt mal so, und das sieht auch noch geil aus*.
Diese außergewöhnlichen Aufnahmen, gekonnt festgehalten bezüglich der Objekte, absolut professionell hochwertig technisch umgesetzt, verdienen 5 von 5, 10 von 10, 100 von 100 möglichen Punktabstufungen.
Aber, ich muss redlicherweise auch zurückkommen auf die eingangs erwähnten *Nachteile des gewählten Formats*. Wenn ich die Buchbreite von 30,2 cm aufschlage und die Fotografien in der Größe von 60,4 cm allesamt zeige, weiß jeder: Ein Buch hat eine Falz. Die muss nicht zwingend stören, will ich Fotografien über die größtmögliche Breite im aufgeschlagenen Zustand zeigen.
Da muss die Bildredaktion mal ein paar Zentimeterchen nach links oder rechts rücken, damit die Buchfalz nicht mitten durch das Gesicht eines Tieres oder das fundamentale Zentrum einer egal wie gearteten Fotografie gehen.
Wäre der Verlag kein Fachverlag, würde ich meinen: Die hatten niemand, der das *gesehen hat*.
Hier würde ich sagen: Den Praktikanten, den man da rangesetzt hat, sollte man zu keiner Zeit fest einstellen. Und demjenigen, der für die Endabnahme zuständig war, sollte man dringend eine andere Arbeit besorgen. Diesem Duo möchte ich eine exakt gegensätzliche Bepunktung als oben angeführt verpassen, ginge es darum.
Hier geht es aber vordringlich um den Künstler und seine wundervolle Auswahl an Bildern, sodass jeder die kleinere Anzahl an Totalpatzern beim Fotosatz zumindest nicht Michael Poliza anlasten wird.
Weil das so ist, empfehle ich den Bildband jedem, der ein Gefühl für Fotografie im Allgemeinen und Tierfotografie im Besonderen hat, ohne Einschränkung. HMcM