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Zum ersten Mal wird hier versucht, den ehemals eigenständigen Tuning-Betrieb (und jetzige Motorsport-Abteilung von Mercedes-Benz) AMG von den Anfängen bis in die Gegenwart zu beleuchten. Auf den ersten Blick sehr positiv fallen die Aufmachung, die Fotos sowie das Layout des Buches auf. Auch das Konzept ist erfreulich unkonventionell: Statt ausschließlich chronologisch vorzugehen, beginnt der Band mit Bildern, die dem Leser zunächst einmal die passende Stimmungslage vermitteln sollen. Anknüpfend daran finden sich Essays von Mika Häkkinen, Dieter Zetsche und ein intelligent geschriebener Artikel des langjährigen FAZ-Autotesters Wolfgang Peters.
Die Beschreibung der Historie erfolgt zweigeteilt: Zunächst sind nur die Rennfolge dran, danach wird die Unternehmensgeschichte dargestellt; die Anfänge in der Mühle, die ersten Kunden, das stete Wachstum und alle folgenden Veränderungen. Insgesamt kommen so fünfzig flüssig lesbare Seiten zusammen. Wer allerdings schon zuvor historische Tests, Artikel und Berichte über AMG gesammelt hat, stellt fest, daß die Zahl der neuen Informationen nicht gerade überwältigend ist. Wer darüber hinaus die Darstellung aller ehemaligen Leistungsstufen und -maßnahmen im Detail zu den von AMG behandelten Mercedes-Baureihen (W112, W108/9, W114/5, W123 usw.) erwartet, wird ebenfalls enttäuscht, es gibt nur die technischen Infos, die auch die Automagazine damals in den Tests veröffentlichten. Diese faßt der Autor auch nicht übersichtlich in einer Tabelle zusammen, sondern streut sie dann und wann in den Text ein. Hier wurde ziemlich ungenügend und mit wenig Aufwand recherchiert. Unglücklicherweise ist damit das (kostenlose) Internet in vielen Fällen auskunftsbereiter als das Buch von Mühling und Bolsinger.
Nach diesen ersten Kapiteln überfällt den AMG-Fan die Langeweile: Nun wird auf über 100 Seiten aufgezeigt, wie AMG heute organisiert ist, welche Köpfe sich mit welchen Aufgaben befassen, und was die aktuelle Produktpalette hergibt - alles Dinge, die eigentlich in kostenlosen Prospekten viel besser aufgehoben sind und auch äußerst schnell veralten. Nur auf den letzten zehn Seiten wird es nochmal interessant: Die Menschen hinter den Namen Aufrecht und Melcher sind hier der Fokus, sowie besondere Ereignisse und Anekdoten aus dem gemeinsamen Leben.
In Summe vier Sterne für Aufmachung/Optik, aber nur zweieinhalb für den Inhalt; letzteres geht für mich vor. Aber jeder kann selbst entscheiden, was wichtiger ist.
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