Der AKG K 420 ist preislich und bauartbedingt dem altbekannten und vielgelobten Koss Porta Pro sehr ähnlich weshalb ich hier gerne einmal beide gegenüberstellen möchte.
Konstruktion und Tragekomfort:
Das meistgehasste Feature beim Koss Porta Pro dürfte der nervige Kopfhaar epilierende offene Schiebemechanismus des Bügels sein. Vor jedem Anlegen muß der Bügel auf dem Kopf neu justiert werden, da einrastende Halterungen leider fehlen. So manches Haar ist bei den Nutzern diesem Vorgang schon zum Opfer gefallen. Hier glänzt der AKG fortschrittlich mit einem kunsstoffumhüllten, angenehm zu tragenden Steg, an dessen Enden seitlich die Ohrmuscheln jeweils um einige Zentimeter in Rasterschritten ausgezogen werden können, ohne jemals auch nur ein Haar zu gefährden. Somit bleibt auch die eingestellte Kopfweite beim AKG stets erhalten.
Der Klappmechanismus für den Transport ist beim AKG ebenfalls besser gelöst, da sich die Muscheln nicht nur einklappen lassen, sondern sogar seitlich drehbar sind, so dass sie danach eine schlanke, flache Einheit mit dem Bügel bilden, wohingegen die Muscheln des Koss seitlich fixiert sind und somit nach dem Einklappen dicker auftragen beim Transport.
Die großen Ohrmuscheln des AKG samt Polster sind vertrauenserweckend stabil befestigt, trotz der cleveren Drehlösung. Die deutlich kleineren Muscheln beim Koss wackeln dagegen fleissig vor sich hin und dessen Ohrpolster sind ohnehin eher bekannt für ihr frühzeitiges Abfallen. Der seitliche Anpressdruck ist bei beiden Hörern gering, wobei der Bügel des AKG etwas mehr Druck erzeugt
Die clevere, stabile, zeitgemäße und in meinen Augen schlicht schönere Konstruktion des AKG lassen dessen Gewicht auf ca. 106 Gramm ansteigen, womit er rund 50% über dem Gewicht des Koss (ca. 70 Gramm) liegt. Dennoch ist der Tragekomfort und das Handling beim AKG besser als beim Koss. Die großen Muscheln des AKG decken das Ohr vollständig ab, wo der Koss nur eine relativ kleine Auflagefläche bietet. Beim Koss braucht man eindeutig länger, bis die richtige Position gefunden ist, den AKG zieht man auf und fertig. Dennoch lässt sich auch der klapprige Koss Porta Pro letzlich angenehm tragen, was insbesondere dem geringen Gewicht geschuldet ist. Im direkten Vergleich hat der AKG aber die Nase deutlich vorn. Eine Freundin, die Bügelkopfhörer bisher kategorisch ablehnte, hielt den AKG gar für den angenehmsten Kopfhörer, den Sie je zu tragen hatte.
Hinsichtlich Schallisolierung verhalten sich beide Hörer mit ihrer offenen ohraufliegenden Bauweise ähnlich: In Abhängigkeit von der gehörten Lautstärke, dringt stets ein gewisser Schallanteil nach aussen und kann daher Personen in unmittelbarer Nähe stören. Geringfügig scheint mir hier der AKG mit den großen Polstern besser zu isolieren gegenüber dem kleineren Koss.
Die Wertung für die Konstruktion inklusive Tragekomfort, Verarbeitung und Praxistauglichkeit geht für mich eindeutig an den AKG K 420. Hier kann der betagte Porto Pro einfach nicht mehr mithalten, selbst wenn der wie eine Feder auf dem Kopf liegt.
Klang:
Koss bietet mit dem Porta Pro einen fast schon legendären Bassdruck, welcher in dieser Preisklasse seinesgleichen sucht. Der Bassbereich reicht dabei zwar nicht bis den Tiefbasskeller, ist aber in Anbetracht der Größe zumindest erstaunlich wuchtig, aber mit zunehmender Lautstärke auch unsauber. Mir persönlich eindeutig zu wuchtig, da der Mittenbereich etwas untergeht und erst die auch nicht gerade brillianten Höhen einen Gegenpol zum Bass bilden. Die Räumlichkeit wirkt beim Koss gestaucht, der Sound wird regelrecht in den Kopf gepresst. Der Porta Pro ist mit dieser Klangauslegung eher als Spaßkopfhörer zu sehen, der sich insbesondere im Rock/Pop/Techno Bereich wohl fühlt. Mit ausgeglichener, audiophiler Wiedergabe hat das allerdings herzlich wenig zu tun, was aber in dieser Preisregion auch nicht ernsthaft erwartet werden kann.
Der AKG wirkt im direkten Vergleich ausgewogener. Der Bass hat zwar ebenfalls eine satte Präsenz, ist aber zumindest weniger aufdringlich als beim Porta Pro. Die warmen Mitten kommen besser zur Geltung und bilden einen natürlichen Übergang zu den Höhen. Leider stellen die Höhen selbst in meinen Ohren ein unerwartetes Problem dar, denn sie kommen nicht sonderlich klar daher. Dem AKG mangelt es im oberen Bereich eindeutig an Brillianz, man könnte fast sagen, er wirkt ohne eine Höhenanhebung im MP3-Player stets leicht dumpf und matt. Selbst der Porta Pro mit seiner limitierten Hochtonwiedergabe spielt freier und natürlicher auf. Der Einsatz des Equalizers ist somit beim AKG unentbehrlich, um diese unschöne Eigenart halbwegs auszugleichen. Schade, hier hat mich der AKG wirklich enttäuscht.
Die Pegelfestigkeit ist beim AKG wiederum besser als beim Porta Pro. Den höheren Lautstärken hält der AKG tapfer stand, wo der Koss schon schleudert. Aufgrund des geringeren Wiederstands spielt der AKG sogar nochmals lauter, als der ebenfalls nicht gerade leise Porta Pro. Man kann mit dem AKG also problemlos auch die Trommelfelle ins Jenseits befördern, welche die Attacken des Koss gerade noch überstanden haben.
Ein Sieger der Klangwertung ist für mich unterm Strich schwer auszumachen. Mir fehlt beim nur leicht bassbetonten AKG eindeutig die Klarheit in den Höhen, die den K 420 insgesamt doch etwas langweilig wirken lässt, wenn man nicht nachträglich an den Klangreglern korrigiert. Der betagte Koss Porta Pro ist klar überdimensioniert im Bassbereich, aber zeigt in höheren Tonlagen vergleichsweise mehr Frische und Präsenz, selbst wenn auch diese noch weit von authentischer Darstellung entfernt sind.
Fazit:
Wem Handling, Verarbeitung und Tragekomfort über alles gehen, wird mit dem AKG K 420 genau die richtige Wahl treffen. Er ist besonders praktisch und fühlt sich einfach besser an. Das Handicap des mangelnden Hochtonbereichs wird man durch einen beherzten Dreh am Equalizer halbwegs in den Griff kriegen.
Bassfetischisten können sich getrost weiterhin dem Koss Porta Pro zuwenden, der insgesamt ein wenig freier wirkt und daher unreguliert klanglich leicht die Nase vorn hat, trotz seiner undifferenzierten Bassgewalt. Diese lässt sich bei Bedarf schließlich auch per Equalizer reduzieren. Die nur suboptimale, wackelige und teils lästige Konstruktion, muß man dann allerdings in Kauf nehmen können, ebenso wie die gewöhnungsbedürftige Retro-Optik.
Für ihren Preis bieten im Grunde beide Kopfhörer einen fairen Gegenwert im normalen Alltagsgebrauch mit den geschilderten Einschränkungen. Klangliche Wunder sollte man aber von beiden Lösungen keine erwarten. Hierfür muß man nach wie vor deutlich mehr Geld in die Hand nehmen. Wer einmal testen möchte, wie sich mobile MP3-Musik in authentischer Form anhören kann, sollte vielleicht einmal mit dem "Ultimate Ears triple.fi 10 Pro" liebäugeln. Mit ihm versteht man, was den Unterschied zu audiophilen, highendigen Kopfhörern ausmacht. Womöglich wird man danach aber nur noch ungern bescheidenere Lösungen ans Ohr lassen wollen. Also Vorsicht, ich berichte hier aus eigener Erfahrung ;o)