Nachdem ich jahrelang mit Kopfhörern kaum noch etwas im Sinn hatte, weil mein Schwerpunkt sich in Richtung Heimkino verlagert hatte, bin ich in den letzen zwei Jahren doch wieder deutlich mehr in Richtung Musik und Stereo zurückgekommen.
Da ich aber über sehr ordentliche Lautsprecher verfüge, war meine Neigung meinen alten Kopfhörer (Beyerdynamic DT 990), den ich Mitte der 80er Jahre bereits gekauft hatte, zu ersetzen eher gering.
War ich doch das ein oder andere mal dazu genötigt Musik zu hören, ohne jemand anderen zu stören - ich mag es recht laut, Hintergrundgedudel ist nichts für mich - musste ich natürlich auf den Kopfhörer setzen. Und da stellte sich immer mehr heraus, dass der alte Beyer nicht mehr das Gelbe vom Ei ist. Irgendwie ist seine Klangcharakteristik zu wenig ausgewogen und in den Höhen verzerrt er auch für meine Begriffe zu stark. Kurz, was Neues musste her.
Meine Wahl fiel zunächst auf den vor kurzem ausgelaufenen Beyerdynamic DT 990 pro 250 Ohm. Dieser ist, trotz Namensgleichheit und ziemlich ähnlichem Aussehen tonal anders, als der 'uralte' DT 990. Er spielt deutlich klarer und weniger verzerrt, als der alte. Mit dem Kauf war ich bisher auch ziemlich zufrieden.
Aber so ganz ausgeglichen und linear ist der neue Beyer auch nicht, für Pop und Rock ist er wirklich eine Wucht, im Sinne des Wortes aber für Klassik und rein akustische Musik und Gesang spielt er mir einen Tick zu vordergründig und aggressiv. Viel ist es nicht aber mit der Zeit wuchs der Wunsch nach etwas neutralerem.
Da ich von dem AKG K 701 gelesen hatte, dass er sehr linear abgestimmt sein soll, habe ich ihn mal ausprobiert. Und tatsächlich, den aggressiven Unterton erspart er sich praktisch vollkommen. Dabei ist er sehr fein räumlich auflösend und dabei sehr präzise, was die Ortung einzelner Instrumente und Stimmen betrifft. Seine Detaildarstellung ist noch mal besser, als beim Beyer. Auch bei hohen Pegeln verliert er nicht die Übersicht oder neigt zur Aggressivität.
Allerdings, rund 250 bis 300 Marktpreis, wenn man ihn günstig bekommt, sind schon ein Wort, und für jemanden wie mich, der nur gelegentlich einen Kopfhörer nutzt, nicht ganz einzusehen. Zum Vergleich, mein neuer Beyer hat gerade mal rund 140 gekostet, auch hier bei Amazon.
Dann kam mir der 'kleinere' K 601 in den Sinn. Dieser Hörer fristet leider ein Schattendasein in der Presse und in der Werbung, zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Ich habe den 701er und den 601er immer wieder im direkten Vergleich gegeneinander gehört, tonal gleichen sie sich nach meinem Empfinden wie ein Ei dem anderen. Allenfalls die Basskraft ist beim 701er noch einen kleinen Tick größer.
Da sie sich auch äußerlich kaum unterscheiden (der 701er verfügt über ein noch zusätzlich abgepolstertes Kopfband und hat weiße, statt schwarze Gitter zur Hörmuschelabdeckung) fiel mir die Entscheidung am Ende nicht schwer.
Beide besitzen ansonsten das gleiche Design, in wie weit sie sich technisch unterscheiden (Treiber) kann ich nicht sagen. In jedem Fall dürften sie nicht weit auseinander liegen, sonst wären sie sich klanglich nicht so ähnlich. Ihre halboffene Bauweise (zwar komplett ohrumschließend, aber mit offener Hörmuschel) sorgt einerseits für einen luftigen und räumlichen Klang und andererseits dafür, dass man sich auch bei langen Hörsitzungen keinen Satz 'heiße Ohren' einfängt. Der Tragekomfort ist gut, die sehr großen Hörmuscheln umschließen komplett das Ohr, können aber ein wenig auf die Wangenknochen drücken, da muss man ihn ein bisschen hin- und herschieben. Sein Gewicht ist durchschnittlich, zu schwer wird er mir nicht. Lediglich das selbsttätig einstellende Lederkopfband drückt etwas auf den Kopf, was man aber durchaus ertragen kann. Ich hätte mir zwar Leder- anstatt Velourpolster gewünscht, aber da ist man dann wohl gleich in einer anderen Preisliga. Die Velourpolster können abgenommen und gewaschen und wenn nötig auch ersetzt werden. Die sonstige Verarbeitung ist einem guten Markenpremiumprodukt absolut angemessen. Der Kopfhörer kommt nicht aus billiger fernöstlicher Fertigung - wie das leider bei vielen aktuellen Sennheiserprodukten der Fall ist - sondern ist made in Austria.
Damit war meine Kaufentscheidung klar, am AKG K 601 führte kein Weg mehr vorbei...
Am Ende möchte ich betonen, dass sich dieser Kopfhörer vor allem für den Genuss (im besten Sinne des Wortes!) von akustischer Musik (Klassik, Orchester, Gesang, Jazz usw.) absolut hervorragend eignet, viel mehr 'High-End' geht da nicht. Vielleicht setzt da ein Elektrostat (Stax) noch einen drauf, das kann ich aber nicht beurteilen. Außerdem bewegt man sich dann preislich gleich in einer ganz anderen Liga.
Bei knackigem Rock bevorzuge ich immer noch leicht meinen Beyer. Und für Leute mit ausgeprägtem Basstrieb, ist der AKG auch eher nicht zu empfehlen. Weil er einfach sehr linear und 'ehrlich' spielt. Ein fetter Kickbass ist definitiv nicht sein Ding.
Auch benötigt er recht potente Kopfhörerendstufen, da sein Wirkungsgrad nicht der beste ist. Meine Pro-Ject Headbox SE II jedenfalls muss ich schon sehr weit aufdrehen, fast bis an den Anschlag. Dann aber wird es richtig laut. Mit den üblichen eingebauten Kopfhörerendstufen in Verstärkern, CD-Spielern usw. könnte er ein wenig zu leise spielen und für iPod und Co. Ist er definitiv ungeeignet. Auch am PC könnte es ohne separate Verstärkung Probleme geben.
Zum Ende bleibt zu sagen, die Lieferung von Amazon war perfekt!
Vorteile:
+ klanglich sehr nahe an der absoluten Spitze, positive Charakteristik:
neutral, weder Bass noch Höhen werden übertrieben und in der Mitte fehlt auch nichts
extrem feine Detailauflösung, man hört wirklich alles
bleibt auch bei hohen Pegeln locker und lässig ohne Kompressionseffekte
Sehr saubere und ausgeprägte räumliche Abbildung, trotzdem ohne Übertreibung
+ insgesamt guter Tragekomfort
+ gute Verarbeitung. Hochwertige Materialien und sehr gute Passgenauigkeit aller Teile. Es
klappert und knarzt praktisch nichts
+ Preis-/Leistungsverhältnis kaum zu übertreffen
Nachteile:
- braucht kräftige Kopfhörerendstufen. Ggf. ist ein separater Kopfhörerverstärker erforderlich
- empfindliche Naturen könnte das automatische Kopfband ein bisschen zu stark drücken
(lässt sich nicht manuell einstellen)
- insgesamt recht groß
Unter dem Strich aus meiner Sicht alle fünf Sterne, weil es m.E. zu dem Preis nichts Besseres gibt.
Gruß
RD