Professor Dr. Peter Duesberg ist Molekularbiologe an der Universität von Berkley Kalifornien und der Entdecker der Retroviren (zu deren Gruppe auch HIV gehört).
1987 veröffentlichte er erste Essays und Arbeiten über seine favorisierte Lifestyle-Theorie, was die Ursache der Immunsupression in AIDS-Patienten angeht.
Zu dem Schluss, daß HIV nicht der Auslöser des AIDS-Syndroms sein kann kam er, indem er feststellte, daß er das HI-Virus in seinem Labor nicht dazu bringen konnte, sich zu vermehren oder T-Zellen zu schädigen. Er argumentiert, daß HIV das einzige Retro-Virus wäre, welches aus dieser großen Familie überhaupt Zellen töten könne und daß diese Logik in sich unschlüssig sei. Retroviren verhalten sich anders: Sie übertragen ihre Virus-DNA durch reverse Transkriptase in das DNA-Genom der Zelle, um sich dort zu vermehren, sind aber nicht in der Lage, selbige Zellen abzutöten. Im Gegenteil: Retroviren sorgen für beniges (teilweise auch für malignes) Wachstum dieser Zellen, weswegen Retroviren in den 70ern (und seit Mitte der 90er erneut) als Auslöser für unkontrolliertes Zellwachstum (also Krebs) in Betracht gezogen wurden. Er argumentiert, daß ein Nachweis von Antikörpern gegen dieses Virus der klare Beweis für dessen Ungefährlichkeit sei. Sobald der Körper Antikörper bildet, hat der Mensch eine Immunisierung erreicht und das Virus besiegt. In einem gängigen HIV Test (eine Mischung aus ELISA und Western Blot-Test) werden lediglich zunächst beim Elisa-Test Antikörperkörper-Fragmente gegen das Virus nachgewiesen. Es ist wichtig zu wissen, daß der sog. "AIDS-Test" niemals nach HI-Viren im Blut, sondern nur nach der Immunantwort des Körpers in Form von Antikörpern sucht (dies ist nicht seine Theorie sondern tatsächlich gängige Praxis, die auch von den Entwicklern des Tests so gesehen wird).
Nach der Immunantwort des Körpers ist das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar und kaum in anderen Körperflüssigkeiten, sondern liegt inaktiv in den T-Zellen des Körpers. Schlußendlich ist das Virus nur in der Lage etwa 1 von 500 Cd-4 Zellen des T-Zellkomplexes überhaupt zu schädigen. Da der Körper täglich 30 % seiner T-Zellen erneuert ist das Virus nicht in der Lage, eine Immunsupression hervorzurufen.
Unterm Strich kann man zusammenfassend sagen, daß Duesberg argumentiert, HIV sei ein sehr altes, harmloses Passagier-Virus, welches Menschen mit stabilem Immunsystem nicht schädigen kann. Eben so,wie jeder Mensch Massen von anderen harmlosen Retroviren in sich trägt, die nur zum Tragen kommen, wenn das Immunsystem bereits geschädigt ist (wie z.B. das Cyclomegalovirus oder Epstein-Barr Virus). Er behauptet nicht, daß das Virus nicht existiere (wie z.B. die Perth Group aus Australien) oder daß es nicht nachweisbar, nicht übertragbar wäre. Er sagt ganz klar: Ja, das Virus existiert und ist auch übertragbar, jedoch der Sündenbock für ein Syndrom, welches völlig andere Ursachen habe.
Diesen Schluss zieht er daraus, daß die Anzahl von HI-Virenträgern in der US-Population zwischen 1984-1996 nicht gestiegen ist und konstant 1 Million bleibt. Dies sei ein klares Zeichen, daß das Virus alt sei, sich an den Menschen angepasst und keine schädigende Funktion mehr habe. Das Virus sei nicht explosionsartig gestiegen und habe keine Gaus'sche Glocke zweischen rapidem Anstieg und völligem Abfall ergeben, wie jede andere neue unbekannte Infektion.
Zudem verhält sich das Virus nicht, wie andere krankmachende Keime, da es nur bestimmte Gruppen infiltriere und infiziere, wie in der westlichen Welt Homosexuelle, Hämophile (Bluter) und i.v.- Drogenkonsumenten, während es in den Entwicklungsländern quer durch die Population läuft.
Was ist seiner Meinung nach also der Auslöser für die - definitiv vorhandene - Immunsupression?
Er argumentiert (und belegt es auch an Studien), daß in der westlichen Welt in erster Linie Drogen, wie Poppers in der Gay-Community, i.v.-Drogen und bei Blutern ungereinigter Faktor VIII für eine ständige Bombardierung des Immunsystems verantwortlich sind und schlussendlich zu einer desolaten, vernichtenden Immunlage führen.
Ist das Virus erst diagnostiziert, erledigen die hochtoxischen Medikamente wie AZT (ein unspezifischer DNA-Kettenzerstörer) den Rest. Nachweislich sind reihenweise Menschen an der anfangs viel zu hohen Dosis dieses eigentlich als Krebs-Medikament gedachten Stoffes gestorben (eine Zulassung als Krebs-Medikament wurde in den 60ern übrigens aufgrund der hohen Toxizität abgelehnt!).
In Afrika, Asien und ähnlich gelagerten Entwicklungsländern/kontinenten macht er schlechte Sanitäranlagen, schlechte Ernährung, Malaria und andere Krankheitserreger für die Immunsupression der Menschen verantwortlich.
Bezeichnend findet Duesberg, daß sich das AIDS-Syndrom aus 29 bereits bekannten Erkrankungen zusammensetzt, die alle vor der Entdeckung des Virus eigenständige Krankheiten waren. In Afrika ist ein "Aids-Test" in den meisten Fällen nicht möglich und die Bangui-Definiton von 1985 wird angewandt. Diese sagt aus, daß eine AIDS-Diagnose aufgrund der Symptome gestellt wird, NICHT aufgrund des Virus-Nachweises. Als Erkrankungen reichen hierfür Gewichtsverlust, betändiges Fieber, Durchfall aus. Alles Erkrankungen, die Männer und Frauen gleichermaßen betrifft und in Afrika seit jeher bekannt sind. AIDS-definierende Erkrankungen der westlichen Welt wie Pneumocystis carinii Pneumonie (PCP) oder Kaposi-Sarkoma treten in Afrika nur unter 1 % der Fälle auf.
Was hier in dieser Rezension vielleicht sehr oberflächlich und zum Haare raufen primitiv erscheint, legt Duesberg in seinen 700 Seiten sehr nachvollziehbar, immer an Studien belegt, detailiert dar. Im Anhang seines Buchs finden sich noch seine ersten Veröffentlichungen zu diesem Thema (1987-1995)aus den bekannten Fachzeitschriften, die seine Theorien sehr kompakt zusammenfassen.
Als ich zum ersten Mal von den sogenannten AIDS-Dissidenten gehört habe, dachte ich: "Wer erlaubt diesen Leuten, etwas zu veröffentlichen? Unlogisch, nicht haltbar und darüberhinaus brandgefährlich!"
Durch das HIV = Aids = Tod-Dogma und auch meine medizinische Ausbildung war die offizielle Version in meinem Verstand quasi in Stein gemeisselt. Nach Lesen dieses Buchs, Anschauen von 3-4 Dokumentationen und anderen Publikationen in dieser Richtung muss ich zugeben: Ich bin mir nicht mehr sicher, was ich glauben soll. Und ich bin kein leichtgläubiger Mensch.
Darüberhinaus hat das Buch durchaus seine Schwächen: Statistiken werden zu Gunsten des Autors gedreht, Teilargumente der offiziellen Sicht zu Vollargumenten seiner Sicht gemacht, Tatsachen aus dem Kontext gerissen, sich in Kleinigkeiten verloren, sich selbst widersprochen, indem erst gegen Argumente gewettert wird,um sie 10 Seiten weiter als Beleg der eigenen Theorie aufzuführen. Die ersten 100 Seiten des Buches sind ein Abriss der Fehldiagnosen der medizinischen Geschichte und haben nichts mit der eigentlichen Hyptothese zu tun, sondern sollen den Leser nur schon in die Richtung leiten, daß das medizinische Establishment nicht fehlerlos ist. Und eine große Achillisferse des Buches ist sicher, daß es von 1996 ist und somit nicht auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand, wodurch es die seit 1996 gängige Kombinationstherapie mit Protease-Inhibitoren unerwähnt lassen muss.
Unterm Strich bleibt zu sagen, daß das Buch in sich schlüssig, argumentativ über große Teile zwingend ist und - das ist das Erschreckende - wesentlich geschlossenere Erklärungen dafür bietet, warum Aids in der westlichen Welt - größtenteils - in den ursprünglichen Risikogruppen blieb, während es in Afrika Männer sowie Frauen gleichermaßen betrifft.
Wer jedoch aufmerksam zwischen den Zeilen liest, entdeckt durchaus kleinere Logiklöcher, kontradiktorische Abschnitte, was das Heranführen fremder Argumente für bzw. gegen die eigene Theorie angeht. Zudem verpasst Duesberg, auf einen vailden Einwand der offiziellen Theorie einzugehen: Duesberg behauptet, Antikörper seien ein Beleg für den Sieg des Immunsystems über den Virus. Nun verändert sich das Virus aber mit jeder Teilung rapide (eine eigentliche Schwäche des Virus, letztlich aber seine Stärke: Durch die vielen Fehler im eigenen Genom bei jeder Teilung ist eine Immunisierung von außen bisher nicht möglich), wodurch die Antikörper zwar vorhanden, aber machtlos gegen das mutierte Virus sind. Ein Eingehen auf diese Erklärung wäre wichtig gewesen, was Duesberg jedoch verpasst bzw. auslässt.
Diese Rezension ist erschöpfend ausführlich, das gebe ich zu. Aber es ist mir wichtig, das Interesse zu wecken an Theorien, die bei oberflächlicher Betrachtung nur Haareraufen und ein Fragezeichen auslösen.
Das Buch selbst ist natürlich wesentlich geschlossener, mit Belegen gefüttert aus rennomierten wissenschaftlichen Studien.
Was bleibt zu sagen? Ein interessantes, schockierend gutes Buch, das mich ratlos zurücklässt, aber dennoch bin und bleibe ich vorsichtig, was seine Argumente angeht (eben aus genannten Schwächen des Buches). Im besten Fall ist man danach interessiert, mehr über die "andere" Seite der AIDS-Diskussion herauszugfinden und fängt an, Dinge in Frage zu stellen .
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