Die EA 150 ist auffallend gut verarbeitet. Metall, wohin man blickt, sogar die Abtropfschale ist gegossen und wiegt so viel wie ein Hammer. In dieser Preisklasse einmalig. Des Rätsels Lösung: sie wird nicht wirklich von AEG hergestellt, es ist ein Import aus dem Fernen Osten, der in Europa nur noch mit dem Label einer europäischen Marke versehen wird. Die gleiche Maschine gibt es beispielsweise auch als "Morphy Richards 47505", als Modell 47507 sogar mit LCD-Anzeige (von mir gekaufte Variante).
Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt: ausgerechnet eines der wichtigsten technischen Teile ist aus Kunststoff gefertig: der Kragen, in den man den Siebträger - normalerweise mit viel Kraft - hineindreht. Als ich das gesehen habe, konnte ich meinen Augen nicht trauen: eine Wasserschale aus Metall und ein stark beanspruchtes Teil aus Plastik? Aber vieleicht hat das einen technischen Hintergund (thermische Isolation)?
Im Betrieb wird die Maschine übrigens in einem Punkt ein Opfer ihrer Materialqualität: da sowohl das Wasserbecken als auch das Tropfblech aus Metall bestehen, klappert Metall auf Metall. Abgesehen von der Geräuschbelästigung führt die ungedämpfte Lagerung dazu, dass die Tasse beim Einschalten der Pumpe anfängt, zu wandern.
ÄUSSERES
Die Maschine ist mit gebürstetem Edelstahl verkleidet, Deckel und Schale sind massiv gegossen. Im Gegensatz zu den meisten Abbildungen ist die Farbe kein kühles silber-Aluminium, es gibt einen leichten Goldton. Der Wassertank besteht aus Plastik, ist flach und wirkt kleiner, als er ist: mit 1.7 l ist er eher grosszügig dimensioniert (leider ohne Wasser-Ende-Sensor).
BESONDERHEITEN
Auffallende Besonderheit dieser Maschine ist häufiges Spülen. Beispielsweise läuft die Pumpe für einige Sekunden nach jedem Einschalten. Das Wasser tropft nicht aussen hinaus, sondern läuft durch einen internen Ablauf direkt in die Wasserschale. Der Sinn des Spülen zu diesem Zeitpunkt ist das Entlüften, interne Rohre werden mit Wasser geflutet und eventuell eingedrungene Luft wird hinausgedrückt. Im normalen Betrieb spült die Maschine, wenn man zwischen Dampf und Wasser umschaltet, um den Thermoblock herunterzukühlen. Neben dem Spülen gelangt Wasser auch durch thermische Effekte in die Schale: in der Aufheizphase wird das Restwasser des letzten Bezugs aus den Rohren in die Schale gedrückt. Das Ergebnis ist, dass in der Schale schnell viel Wasser steht. Zur Warnung gegen Überlaufen gibt es in einer Ecke einen kleinen Schwimmer: Sobald die Schale voll ist, erhebt dieser sich sichtbar (rot) aus einem Loch im Tropfblech.
Vorbrühen
Wenn man den Espresso-Bezug startet, läuft die Maschine für einige Sekunden an und stoppt dann wieder. Das Pulver wird dadurch angefeuchtet und kann quellen. Danach läuft die Pumpe weiter und der eigentliche Bezug beginnt. Dieser Vorbrüh-Vorgang verbessert den Geschmack und die Crema, ist aber verwirrend, wenn man nicht darauf vorbereitet ist.
ZICKIG
Nach dem Bezug steigt eine grosse Dampfwolke aus der Tropfschale auf: offensichtlich besitzt die Maschine eine interne Druckentlastung in die Tropfschale (lobenswert). Allerdings funktioniert es nicht immer: wenn man den Siebträger direkt nach dem Bezug öffnet, kann es passieren, dass eine Mischung aus Kaffeeeschlamm und heissem Wasser hinausspritzt. Man sollte deshalb, Druckentlastung hin oder her, der Maschine 10-15 Sekunden gönnen, bevor man sie öffnet. Danach - wenn es nicht mehr sichtbar tropft - ist der Puck trocken.
Im Bereich des Bajonett-Kragens, in den der Siebträger hineingedreht wird, sammelt sich viel Pulver, das nach dem Trocknen - z.B. beim nächsten Einschalten - durch Vibrationen herausgerüttelt wird. Wer das nicht mag, sollte sich eine Zahnbürste, einen Rasierpinsel o.ä. neben die Maschine legen und damit nach der Benutzung den Bajonett-Bereich auswischen.
DAMPF-/WASSERHAHN
Das Dampfrohr ist nur horizontal schwenkbar- kein Kugelgelenk, keine vertikale Bewegung. Immerhin ist es, Wenn man es nach rechts schwenkt, ausreichend weit von der Maschine entfernt, um einen Aufschäumbehälter unterzustellen. Es ist aber schwierig, einen Behälter mit aufgeschäumter Milch darunter wegzuziehen: man muss den Behälter kippen, da man das Rohr nicht nach oben bewegen kann, was tendenziell zum Auslaufen führt.
Nach der Benutzung sollte man das Dampfrohr fast bis zum Anschlag nach links schwenken, nur dann befindet sich der Auslass wieder über der Abtropfschale.
Die Aufschäumhilfe (Pannarello) ist nicht wie üblich eine zweiteilige, doppelwandige Düse aus hartem Plastik, sondern eine einteilige Konstruktion auch weichem PVC, die über einer klassischen Metalldüse sitzt. In der Praxis stellt sich das als eine sehr gute Idee heraus: bei gleichem oder sogar besserem Effekt ist die Reinigung einfacher.
Leider ist die Dampfleistung der Maschine - konstruktionsbedingt - enttäuschend: wie bei allen Maschinen mit Thermoblock ("Durchlauferhitzer") wird nur wenig Druck aufgebaut: Thermoblockmaschinen entwickeln weniger Dampf als Boilermaschinen, weil nur kleine Wassermengen - schrittweise - im Thermoblock zu Dampf werden. Allerdings hat das Thermoblocksystem auch viele Vorteile: Dampf steht endlos zur Verfügung, das Umschalten zwischen Wasser- und Dampfbezug geht blitzschnell und die Temperaturstabilität ist höher als bei Boiler-Systemen. Wo kein Boiler ist, kann zudem keiner verkalken.
GESCHMACK
Man kann diese Maschine sowohl mit selbst gemahlenem Pulver als auch mit E.S.E.-(Cialde-)Pads betreiben. Abgehärtete Banausen stecken auch Senseo-Pads hinein, deren Füllung nicht für Zubereitung mit Espresso-Druck geröstet wurde. Es gibt zwei normale Siebe für 1 bzw. 2 Portionen und ein Pad-Sieb. Der Geschmack mit E.S.E-Pads ist meiner Meinung nach nicht akzeptabel. Mit selbst gemahlenem Pulver ist dagegen an Geschmack, Crema und Temperatur nichts auszusetzen. Bekanntlich sind die Mühle und die Espresso-Sorte für die Qualität eines Espresso wichtiger, als die Maschine. Ich verwende eine Innova-Mühle, würde aber auch Demoka als teure und Solis als preiswerte Alternative empfehlen. Eine adequate Mühle kostet etwa so viel, wie diese Maschine.
Prinzipiell kann man auch Kaffee bzw. Cafè Crema zubereiten: dazu benötigt man "Schümli"-Bohnen. Das ist eine spezielle Kaffee-Röstung, die an den hohen Druck von Espresso-Maschinen angepasst ist, im Handel manchmal auch als "Crema-Kaffee, für Automaten" gekennzeichnet.
ANDERE BEMERKUNGEN
In den ersten Tagen nach dem Kauf hat die Maschine sehr stark gestunken. Man sollte sie nach dem Kauf vieleicht längere Zeit heiss werden lassen und ein paar Tankladungen Wasser durchschicken.