Aus der Amazon.de-Redaktion
"Die Geschichte der AEG zeigt, dass auch große Unternehmen sterben können, vor allem dann, wenn sie aus ihrer Geschichte keine Lehren ziehen." Mit diesen Worten beschließt Peter Strunk sein Buch über die "Allgemeine Electricitäts-Gesellschaft", sie eignen sich aber auch als Einleitung für die Besprechung dieses Bandes, sind sie doch die Quintessenz dessen, was Strunk herausgefunden hat.
Gestützt auf umfangreiche Recherchen in den Firmenunterlagen beleuchtet Strunk die Entwicklung eines Unternehmens, das 1883 viel versprechend begonnen hatte. Bevor er ausführlich die problematischen Jahre behandelt -- denn spätestens "seit 1974 war die Geschichte der AEG im Wesentlichen Krisengeschichte" --, wird die Frühphase der Gesellschaft dargestellt. Dass Strunk dabei speziell der Zeit unter der Nazi-Herrschaft wenig Raum einräumt, bleibt ein Manko des Bandes. Gerade der Zwangsarbeiterproblematik in einem Großunternehmen hätte eine umfassendere Betrachtung gut getan, auch wenn sie nicht in direktem Zusammenhang mit dem Firmenende steht.
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war bei der AEG dann geprägt vom "quälend langen Niedergang des Konzerns". Strunk analysiert haarklein das, was von der Financial Times auf folgenden Punkt gebracht wurde: "Schwaches Management und Pech führten zu einem Desaster". Gegen strukturelle Mängel, unternehmerische Fehlentscheidungen und mangelnde Entschlusskraft kam auch der neue Besitzer Daimler-Benz nicht mehr an und gab die AEG 1996 auf. Was blieb war die für die AEG-Beschäftigten tragische "geschäftsmäßige Abwicklung eines Konzerns".
Was diese AEG-Story so interessant macht, verdeutlicht als Ausklang dieser Rezension am besten wieder ein Textauszug: "Es steht außer Frage, dass die AEG eines der spannendsten Kapitel deutscher Industriegeschichte schrieb, weil sie so schnell groß wurde, weil sie so lange litt, wiederaufgebaut wurde und am Ende doch scheiterte". --Joachim Hohwieler
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Im September 1996 endete nach 113 Jahren die Geschichte der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft, eines der grössten deutschen Industriekonzerne, dessen Entwicklung die Industrie- und Zeitgeschichte eines ganzen Jahrhunderts widerspiegelt. Nach dem spektakulären Aufstieg der AEG von 1883 bis 1912 wechselten sich dramatische Einbrüche und existenzgefährdende Krisen mit Phasen eines bemerkenswerten Wiederaufstiegs ab. 1974 geriet der Konzern erneut tief in die roten Zahlen: Von jenem Zeitpunkt an war die Geschichte der AEG bis zu ihrer Auflösung im wesentlichen Krisengeschichte.
Der Autor Peter Strunk war mehr als acht Jahre in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
der AEG tätig und hatte Zugang zu den internen Akten des Konzerns. Der Niedergang
der AEG war, so ein Ergebnis dieses Buches, ein geradezu klassischer Fall unternehme-rischen Versagens.