25 Jahre klinischer Erfahrung und erfolgreicher Arbeit mit Betroffenen aller Altersstufen fließen in dieses Büchlein aus der Kohlhammer-Reihe Rat & Hilfe" ein.
In kurzen Kapiteln werden auf dem derzeitgen Stand gesicherten Wissens und absolut kompetent die wichtigsten Fragestellungen und Problemlagen zu Symptomen und Ursachen, Diagnose und Behandlung dieser vielschichtigen und vielgesichtigen Störungsdimension behandelt.
ADHS tritt bei allen Temperamenten, allen Persönlichkeitstypen und Begabungsniveaus, bei beiden Geschlechtern und in jedem Alter auf, wobei typische Beschwerden immer bereits in der Kindheit feststellbar sind. Das Beschwerdebild kann im Lauf des Lebens wechseln. Oft pfropfen sich Folgestörungen auf ein kindliches ADHS auf.
Zur Vertiefung für Interessierte verweist Frau Neuhaus themenspezifisch auf weiterführende Literatur, Internetadressen und Selbsthilfeverbände.
Es geht der Autorin um einen informierten, mündigen Patienten, der sich als Therapiepartner sieht. Rückenstärkung, Ermutigung der Eltern und Kompetenzvermittlung ist ihr großes Anliegen. Gängige Erziehungsratgeber reichen bei dieser "anderen Art, die Welt zu sehen und auf sie zu reagieren" sicher nicht aus. Oft schaden die gängigen Erziehungsrezepte und Elterntrainings sogar.
Eingehend besprochen wird, was hilft, was nicht hilft, nur kostet und was Schaden anrichten kann.
Nur starke Eltern mit einer starken Lobby können die mangelhafte öffentliche Akzeptanz des Störungsbildes und die betrübliche Versorgungssituation der Betroffenen verbessern. Noch immer werden die Patienten von Kindesbeinen an ausgegrenzt, nicht erkannt oder fehldiagnostiziert, diskriminiert, in ihren Chancen beeinträchtigt, nicht ausreichend gefördert, wird ohnehin schon belasteten Eltern oder Lebensumständen fälschlich und unnötig Schuld zugewiesen statt zu helfen.
Menschliches Leid und erheblicher finanzieller Schaden entstehen durch schlechte aber teure therapeutische Arbeit, die mit "anderer Sichtweise" begründet wird.
Der in einem nicht erkannten ADHS schlummernde gesellschaftliche Sprengstoff wird immer noch viel zu oft aus Ignoranz, Unwissenheit oder Voreingenommenheit verdrängt. In Ent- und Vollzugsanstalten wimmelt es von unerkanntem ADHS.
So ist dieser Ratgeber auch eine mutige Streitschrift für Patientenrechte, für evidenzbasierte, störungsspezifische Therapiebausteine, gegen die strukturell zementierte Fehlversorgung, die neben chronisch leerer Kassen auch in kostentreibenden Interessenslagen einer schulenspezifisch organisierten und dominierten Therapieszene gründen. Betroffene geraten immer noch allzu leicht zwischen die Mühlsteine standespolitischen Ränkespiels und Pfründedenkens, wonach angeblich jede Therapie hilfreich sein könne - auch wenn Wirksamkeitsnachweise fehlen.
Das muss sich ändern.