Ich hatte immer schon Zweifel, ob mit der Diagnose "ADHS" nicht voreilig umgegangen wird - und dann die betroffenen Kinder mit Medikamenten ruhiggestellt werden. Noch in meiner Generation gab es den Begriff ADHS gar nicht - es gab eben die lebhaften Wildfänge und die ruhigeren Kinder. Als bei meiner Nichte dann ADHS diagnostiziert wurde und meine Schwester und mein Schwager entsprechend "aufgelöst" im angesicht dieser Diagnose waren, stieß ich bei meinen Recherchen auf dieses Buch. Ich finde es richtig und wichtig, ADHS nicht per se als Störung zu betrachten, die therapiebedürftig ist und mit Medikamenten behandelt werden muss, sondern die Ressourcen und das Potential in dieser "Krankheit" zu erkennen. Die Autorin spricht davon, das Kind nicht als krank zu betrachten, sondern von einer besonderen Begabung auszugehen. Das macht Eltern gleich viel gelassener, denn nichts ist ja schlimmer als ein "krankes" Kind. Und die Gelassenheit der Eltern wirkt sich wiederum positiv auf das Selbstvertrauen des Kindes aus, das sich nicht mehr als unnormal erlebt. Besonders wichtig finde ich, dass das Buch Strategien bereitstellt, mit besonderen Verhaltensweisen eines ADHS-Kindes zurechtzukommen. ADHS wird nicht stigmatisiert, sondern ernstgenommen und versucht zu integrieren - den Ansatz finde ich sehr gelungen!