ADHS-Ratgeber für Erwachsene von Dieter Pütz
Dr.med. Dieter Pütz, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Naturheilverfahren, Rehabilitationswesen und Sozialmedizin, ist seit 1994 Chefarzt der Deister Weser Kliniken in Bad Münder, Abteilung Psychosomatik. Seine Darstellung der ADHS bei Erwachsenen entspringt seinem täglichen Anschauungsmaterial. Da er Menschen mit diesem Störungsbild aus seiner Praxis gut zu kennen scheint, hat er sein Buch genau auf diese Patientengruppe abgestimmt. Auch Fachleute können sich informieren, vor allem in den Kapiteln 4 (Diagnosekriterien, die ADHS beschreiben können), 5 (Die Frage der Differenzialdiagnose - Könnte außer ADHS auch eine andere Störung vorliegen?) und 6 (Feinarbeit ist gefragt -Diagnostik bei ADHS).
Was mir an seinen Ausführungen zur Therapie gut gefällt, ist, dass er sich trotz seiner Naturheilverfahrensausrichtung nicht gegen die medikamentöse Behandlung von ADHS ausspricht, sondern dieser ein eigenes Kapitel widmet. Doch auch die Patienten, die sich vehement gegen Medikamente wehren, können etwas darüber erfahren, wann eine Therapie erforderlich und welche sinnvoll ist.
Wer bisher noch nichts über das Krankheitsbild weiß, wird in den ersten Kapiteln aufgeklärt: 1. Struwwelpeter - Wie äußert sich ADHS? und 2. ADHS - Wie das Krankheitsbild entsteht (hier geht es um Vererbung, um Dopamin-Hypothesen und die Arbeit der Neurotransmitter im Gehirn).
ADS-Patienten erhalten die Möglichkeit, sich mit diversen Bausteinen selbst zu helfen, um mit ihrer Aufmerksamkeitsstörung, ihrer Hyperaktivität, ihrer fehlenden Achtsamkeit im Alltag, ihrer Affektlabilität, ihrem desorganisierten Verhalten, ihrer Impulsivität und ihrer emotionalen Übererregbarkeit zurecht zu kommen. Auch bietet dieses 166 Seiten starke Taschenbuch ein Problemlösungstraining an. Der Experimentierwillen und die Kreativität werden im letzten Kapitel "Weitere Anregungen für den täglichen Umgang mit ADHS - Mit 52 Tipps durch Jahr" angesprochen. Dahinter steht: Wer seine Gefühle kennt, kann besser mit ihnen umgehen. Auch das eigene Zeitmanagement, die unterschiedlichen Befindlichkeiten, Belastungen und Langeweile, Beziehungsprobleme, Aufmerksamkeits- und Achtsamkeitsübungen kommen nicht zu kurz.
Was mir an diesem Ratgeber gefällt, ist, dass er sehr praxisorientiert aufgebaut ist. Für Menschen, die sehr stark sind und bereit, an sich zu arbeiten... Wohl aber vor allem für diejenigen, die bereits eine entsprechende Therapie hinter sich haben. Was mir gar nicht gefällt: Dass nur ADHS - also die hyperaktive Form des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms angesprochen wird. Zwar findet der aufmerksame Leser im Buch auch Hinweise darauf, dass nicht bei allen die Hyperaktivität im Vordergrund steht, aber der Titel könnte falsch gedeutet werden.
Im Anhang des Buches findet der Leser ein umfangreiches (fünf Seiten!) Literaturverzeichnis zum Thema, sieben Seiten Glossar mit der Erklärung vieler Fachbegriffe sowie Fragebögen zum Selbsttest.