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ADHS: Diagnose statt Verständnis? Wie eine Krankheit gemacht wird. Eine phänomenologische Kritik.
 
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ADHS: Diagnose statt Verständnis? Wie eine Krankheit gemacht wird. Eine phänomenologische Kritik. [Broschiert]

Matthias Wenke
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 152 Seiten
  • Verlag: Brandes & Apsel; Auflage: 1., Aufl. (1. September 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3860993402
  • ISBN-13: 978-3860993408
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 14 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 503.390 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Matthias Wenke
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Matthias Wenke belegt mit seiner exakten Analyse, dass das diagnostische Etikett "ADHS" ein höchst unscharfes Gebilde ist, das Wissenschaftlichkeit nur vorgaukelt. Die Gefahr dieser Pseudodiagnose und ihrer populären Unterstellungen liegt darin, dass sie die Beziehungsgeschichten der Problematik verleugnet und aus einem Konfliktgeschehen zwischen mehreren Personen einen Defekt am einzelnen Kind konstruiert. Wenke zeigt überzeugend, dass "ADHS" absurderweise als fiktive "Ursache" für auffälliges Verhalten missbraucht wird, obwohl es nur dessen Bezeichnung ist. Das Kultobjekt "ADHS" entmündigt die Kinder. Ausdruckserscheinungen psychischer Not werden zu einem biologischen Prozess umdefiniert, verstehbare Wesen werden zu "Hirngestörten" gemacht. Wenke untersucht die weltanschaulichen und psychologischen Wurzeln der inflationären Diagnose und weist nach, dass keine der populären Meinungen zu "ADHS" haltbar ist, weil biologisch-medizinische Modelle nicht auf psychosoziale Fragen anwendbar sind. Der Autor trägt dabei Elemente einer Dialogischen Psychologie zusammen, die ein mitfühlendes Verständnis von Verhaltensauffälligkeiten gewinnen will: nämlich als kindlich sinnvolle Bewältigungsversuche in belasteten Lebenskontexten.

Der Verlag über das Buch

ADHS stellt sich immer mehr auch als Kulturprodukt und Instrument zur Biologisierung und Individualisierung der Folgen gesellschaftlichen Wandels heraus. Die quasipsychiatrische Diagnose dient den beteiligten Eltern, Ärzten und Lehrern dazu, bedrohlich erscheinendes Verhalten der Kinder seelisch von sich fernzuhalten und den Anschein wissenschaftlicher Beherrschbarkeit zu erzeugen: Man hat lieber kranke als unglückliche Kinder. Der theoretische Teil des Buches kritisiert im Sinne der Phänomenologie fundamental die verbreitete Weltanschauung einer so genannten "Evolutionären Erkenntnistheorie", identifiziert deren Schwachstellen sowie die Gefahren des Biologismus und zeigt, dass dieser prinzipiell antidialogisch und antipädagogisch ist. Das Buch ist sowohl eine kritische Analyse des ADHS-Diskurses als auch ein Grundlagentext. Wenke füllt eine theoretische Lücke, indem er die Leibphänomenologie als Basis einer existentiellen Psychologie erschließt, z. B. für die Heilpädagogik oder die Psychoanalyse.


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Empfehlenswert! 29. Oktober 2007
Von KIS
Format:Broschiert
Als Arzt erscheint mir die schnelle Diagnose einer "Krankheit" bei problematischen Kindern recht suspekt.
Matthias Wenke bringt meine Bedenken auf den Punkt und informiert tiefgründig über das Phänomen "ADHS".
Für jeden empfehlenswert, der mit auffälligen Kindern zu tun hat und einen unabhängigen Blick behalten möchte.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
So schmal das vorliegende Buch auf den ersten Blick erscheinen mag, so überraschend ist, welch weit ausholende und tiefgehende phänomenologische Analyse und Kritik Matthias Wenke hier in den gegenwärtigen Diskurs um "ADHS" einbringt. Während die beiden ersten Kapitel für den phänomenologisch ungeübten Leser etwas schwierige Kost darstellen, kommt der Autor danach sehr deutlich zur Sache. Die derzeit weit verbreitete Biologisierung kindlichen Verhaltens wird als antidialogisch und antipädagogisch entlarvt. Gesellschaftlicher Wandel wird gegenwärtig biologistisch als angebliche medizinische Störung und Krankheit in unseren Kindern verortet. Die scheinbar psychiatrische Diagnose "ADHS" und ihre pseudowissenschaftliche Verbrämung sollen Eltern, Lehrer, Ärzte, Psychologen, Erzieherinnen etc. dabei unterstützen, bedrohliches kindliches Verhalten verdrängen zu können, die je ganz eigene dialogische Verantwortlichkeit zu leugnen. Man hat sozusagen lieber kranke als unglückliche Kinder. Das "Etwas ADHS" wird als ein Kunstprodukt herausgearbeitet, als ein kulturelles Konstrukt, das Klarheit vorgaukelt, die es nicht gibt, das im Gegenteil sogar viele Zusammenhänge verschleiert, nämlich den Sinn des Verhaltens der betroffenen Kinder und ihre Lebensgeschichten. Dieser sozusagen alltägliche Biologismus, demzufolge Lehrer, Eltern und Ärzte immer rascher bereit sind, auffälliges kindliches Verhalten auf ein "biochemisches Ungleichgewicht" zurückzuführen, anstatt über ihre eigene Beteiligung daran nachzudenken, bedarf denn auch nach Ansicht des Autors einer dringenden und kritischen Reflexion. Es wird nicht mehr nach dem "Warum" eines Verhaltens, nach seinem Sinn in einer phänomenalen, subjektrelativen Welt gefragt. Statt eines therapeutischen Dialogs zwischen Erwachsenem und Kind wird das Kind zum bloßen Diagnose- und Medikationsobjekt. Der Tenor dieses wichtigen und den ADHS-Diskurs sehr bereichernden Buches kommt in einem anschließenden Zitat auf Seite 135 treffend zum Ausdruck:
"Und erforscht die Tiefen eures Wissens nicht mit Messstock und Senkschnur. Denn das Ich ist ein Meer, grenzenlos und unermesslich." (Khalil Ghibran 1998, 86).
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
selten hat sich ein buch so weit vom thema entfernt wie dieses - und das ist gut so ! denn auflösung in unendlichen variationen der möglichkeiten ist angesagt bei einer "krankheit" die durch konzentration auf alles was auffällig oder für ein konfektioniertes leben unnötig ist erst entsteht. und so lesen wir neben den erschreckenden fakten über diagnosen und medikamente auch von der offenen perspektive auf das sogenannte "ADHS" und eigentlich alle menschlichen Lebensäußerungen, die auch noch vom Grunde an aufgebaut wird. . . schön !
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