Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
ADAC Reisemagazin, Griechische Inseln
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

ADAC Reisemagazin, Griechische Inseln [Taschenbuch]




Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Dass die griechisch-orthodoxe Kirche mit der Zeit geht, beweisen die Mönche des im 11. Jahrhundert gegründeten Klosters auf der Ägäis-Insel Patmos. Für sie ist Surfen im Internet Glaubensarbeit. Diesem Aufbruch in die Moderne, der in einem faszinierenden Kontrast zu Traditionellem steht, begegnet man nicht nur auf Patmos, sondern auf allen griechischen Inseln. 44 der beliebtesten, von A wie Amorgós bis Z wie Zákynthos, porträtiert das ADAC reisemagazin Griechische Inseln. Urlauber erfahren alles über die günstigste Anreise, die besten Strände, preiswerte Unterkünfte, Sehenswertes und vieles mehr. Vor allem einheimische Autoren und Fotografen haben für das ADAC reisemagazin gearbeitet. Das Ergebnis sind ganz besondere, persönliche Reportagen wie die des Philosophen und Schriftstellers Nikos Dimou über seine Heimatinsel Syros. Oder der Bericht von Dimitrios Dimopoulos über die Arbeit seiner Umweltorganisation STPS zur Rettung der Meeresschildkröte Caretta caretta auf Zákynthos. Die griechische Autorin Eleni Gysi schreibt über Geschichte und Geschichten aus 1001 Jahren auf der Insel Rhodos. Der Arzt Georgios Lempidakis reist auf den Spuren des Hippokrates über die Ägäis-Insel Kos. Der Leser fährt auf alten Dampfschiffen nach Santorin und Mykonos mit und bekommt Tipps zu den besten Segelrevieren. Und damit das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, haben die ADAC-Reporter die besten Hotels und Tavernen gesucht und bewertet. Auch den neuesten Trends wurde nachgespürt: So lässt es sich beispielsweise auf der Insel Kreta bei einer erholsamen Thalasso-Therapie und milden Temperaturen prächtig und preiswert überwintern.

Der Verlag über das Buch

Reisen mit Lust und Laune. Das ADAC reisemagazin erscheint alle zwei Monate. In jeder Ausgabe wird ein Land oder auch eine Region mit aufregenden und ungewöhnlichen Reisezielen vorgestellt. Für das ADAC reisemagazin arbeiten die besten Reporter und Fotografen der Welt. Durchschnittlich sind mehr als 20 Journalisten für ein Heft unterwegs - allesamt Spezialisten und Kenner der Region.

Jede Geschichte, jede der etwa 300 Adressen wird exklusiv vor Ort recherchiert. Mit 12 bis 14 Reportagen, vielen kurzen Geschichten und ausführlichen Infoteilen sind die ADAC reisemagazine nicht nur spannende Lektüre für alle, die vom Reisen träumen möchten, sondern auch Ratgeber und Anleitung für einen gelungenen Urlaub. In jeder Ausgabe finden Sie auch zahlreiche Karten und viele nützliche Hinweise zu Restaurants, Hotels, Sport- und Freizeitvergnügen.

Auszug aus ADAC Reisemagazin, Griechische Inseln von . Copyright © 1999. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Auszug aus der Reportage "Ein Schiff wird kommen" von Thomas Zwicker:

IRÄUS-SANTORIN, DAMPFER ARIADNE. Punkt 8.30 Uhr, der 138 Meter lange Stahlrumpf des Fährschiffs Ariadne beginnt zu vibrieren. Langsam löst sich der weiße Koloss von der Kaimauer, an deren schrundiger Kante Gummireifen wie große Lakritzdropse baumeln. Dicker Rauch quillt aus zwei hohen, rotgrünen Schloten, grüßt Athens zurückbleibenden Hafen Piräus: Chérete, auf Wiedersehen, du aufgeregte, nervöse Stadt, wir fahren der Ruhe und dem Licht entgegen, wir fahren in die Ägäis.
Geübt teilt die Ariadne öliges Hafenbrackwasser, schiebt sich in einem weiten Linksbogen durch das enge Becken hindurch. Das Chaos auf der Mole wird kleiner, sein Lärm verebbt: Geschrei von Reisenden, die den Anleger ihres Dampfers nicht finden; Knattern archaischer Zweitakter; Röhren staubiger Stadtbusse, deren Fahrtziel Fremden ewig rätselhaft bleibt. Pockennarbige Betonklötze, acht-, zehnstöckig rund um Athens größten Hafen gebaut, schauen hinter uns her. Von den Dächern morsen bunte Tafeln internationale Werbebotschaften ins All: BP, Pepsi und Bosch verabschieden die Ariadne weltläufig aus Piräus.
"Griechenland hat wenig Bodenschätze, kaum Industrie", hatte mir am Vortag noch Pantel's Sfiniás, Chef der Ariadne-Reederei Minoan Lines, erklärt, wobei sein Marketing-Chef Pythagoras Nagos äußerst akkurat aus dem Griechischen übersetzte. Und der schwere Patriarch hinterm mächtigen Schreibtisch, zugleich Präsident der Union aller hiesigen Fährschiff-Eigner, fügte hinzu: "Griechenland hat nur eine einzige Chance: Es muss den Tourismus verstärken. Es muss das Florida Europas werden."
In dieser hehren Mission dampfen die Ariadne und 350 Artgenossen, von rund 100 griechischen Groß- und Kleinst-Reedereien unterhalten, unermüdlich zwischen den 190 Inselhäfen des Landes umher. Meist von Piräus aus, strahlenförmig zu den Kykladen, den Sporaden, dem Dodekanes, nach Kreta. An Deck mehr als fünf Millionen Touristen pro Jahr, die alle fühlen mögen wie einst Nikos Kazantzakis, Autor des großen Alexis Sorbas: "Eine der größten Freuden, deren der Mensch auf dieser Welt gewürdigt werden kann, ist, die Ägäis zu bereisen ... ich habe mir das Paradies niemals anders vorstellen können."
Das maritime Transportgeschwader ist betagt (im Schnitt 25 Jahre); viele der Schiffe hatten bereits eine erste Karriere in nördlichen Gewässern, sind nach dortigen Maßstäben heute von Altersgebrechen gezeichnet. In Tests unabhängiger Prüfer erntet ihr technischer Zustand regelmäßig hohe Kritik. "Aber es gab in der griechischen Fährschifffahrt noch nie ein namhaftes Unglück", sagt Reeder Sfiniás, und sein fleischiges Gesicht guckt für einen Augenblick ganz verärgert. Höchstens, dass gelegentlich ein Betrunkener über Bord gehe, dem dann aber stets zuverlässig Rettung widerfahre. "Der griechische Seemann", erklärt Sfiniás die günstige Unfallstatistik, "ist eben der beste Seemann der Welt."
Wir fahren. Zwischen Hunderten auf Reede liegenden Frachtern und Containerriesen hindurch. Minutenschnell ist der Lärm des Hafens vergessen, Athen bleibt unter einer Dunstglocke zurück. Wir fahren ins entrückte, unwirkliche Licht der Ägäis hinein, über das Nikos Kazantzakis sagte: "Das Licht ist der strahlende Dionysos, der verstümmelt ist und leidet, sich dann wieder zusammensetzt und triumphiert. Ganz Griechenland scheint nur als Kulisse dafür entstanden zu sein."
Und der frühe Reisende Hugo von Hofmannsthal schrieb: "Dieses Licht ist unsäglich scharf und unsäglich mild zugleich. ... Es ist mit nichts zu vergleichen als mit Geist."
Eine griechische Familie hat zwischen Decksesseln ihr Picknick ausgebreitet; der schwarz berockte Pope mit Bart und Bauch, der als Letzter an Bord gegangen war, sitzt ein paar Stühle weiter und raucht. An der Reling ruft ein Mann im Hawaiihemd vorbeigleitende Inseln euphorisch beim Namen, die ihm sein Traveller-Handbuch verrät; die Freundin, zartgliedrig mit spitzen Ellenbogen, sucht gelangweilt Schutz im Windschatten dieses breiten Amerikaners. Ein alter Ohrwurm klingt von irgendwoher, den Melina Mercouri einst zum Bestseller machte, bevor sie in die Politik ging, und der hier kein bisschen kitschig wirkt: "Ein Schiff wird kommen" weht da übers Deck, aus dem Film "Sonntags ... nie". Dampfernostalgie, die ich meine.
Neben mir haben sich zwei blonde Mädchen aus Deutschland niedergelassen, den Rucksack mit angeschnallter Isomatte sorgsam zu ihren Füßen verstaut. Ich spreche sie an und frage, ob es ihre erste Reise nach Griechenland sei. Die eine stimmt höflich zu, lässt aber spüren, dass ich genau der allein reisende Mann in schwarzer Jacke bin, vor dem die Eltern immer gewarnt haben. Hanni & Nanni, wie ich die beiden im Stillen taufe, verschwinden bald Richtung TV- und Liegesesselabteil, wo eine braun gebrannte Mitreisende seitenlang Brief über alles das schreibt, was sie gerade nicht sieht.
Kapitän Jannis Ligerakis, untersetzt, Poloshirt, Schnäuzer, ist seit zehn Jahren auf der Ariadne und stolz auf sein Schiff. "Wir haben 100 Mann Besatzung, können 1100 Passagiere transportieren und 280 Autos dazu", sagt er. Sein Dampfer ist gut in Schuss, tadellose Rettungsflöße aus der Deutschen Schlauchbootfabrik in D-37632 Eschershausen, vier hölzerne Hundehütten auf dem Galaxy-Deck, ein Plastik-Donald im Kindergarten, ein weißes Klavier in der Mannschaftsmesse. Die Ariadne wurde 1967 in Skandinavien gebaut, fuhr bis 76 in der Nordsee. "Wichtig ist nicht das Alter eines Schiffes, sondern seine Seele, und sein Wartungszustand", sagt Ligerakis zufrieden, raucht, schiebt die Sonnenbrille ins Haar.
13.20 Uhr, über Bordlautsprecher wird der Hafen der Insel Paros angekündigt. Auf der Brücke - sieben Fenster nach vorn, zwei seitliche Holztüren, brauner Teppichboden, grün lackierte Instrumententafel, acht Topfpflanzen - schlägt der Puls des Schiffes nun schneller. Vier Offiziere in Weiß arbeiten mit Käpt'n Ligerakis. Einer am Ruder, einer am Maschinentelegrafen, einer am Navigationsgerät, einer am Radio, verstümmelte Funksprüche schwirren durch den Raum. Ligerakis läuft hin und her, raucht, ruft Befehle: "Kalá, kalá" - gut, gut.
Das Schiff taucht mit der Spitze in die enge Hafenbucht von Paros. Rasselnd wie der Husten eines asthmatischen Riesen verschwindet die Ankerkette im Meer, das lange Heck schwenkt im Dreiviertelkreis herum Richtung Kai. Schrauben wühlen Hafenwasser auf, der metallene Leib der Ariadne schüttelt sich, ein Baldachin auf dem Oberdeck rattert dazu im dröhnenden Stakkato. Armdicke Taue fliegen an Land. 13.35 Uhr, das stumpfe Heck des Dampfers mit schon fast vollständig geöffneter Laderampe stößt an die Mole. "Kalá, kalá", schreit Ligerakis ins Walkie-Talkie, raucht, ist gut drauf. ...

‹  Zurück zur Artikelübersicht